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Die Ökumenische Bibelwoche 2013/2014: Die Josefsgeschichte

Titel: "Damit wir leben und nicht sterben"

Bibeltext: Gen /1. Mose 37 - 50 (in Auswahl)

Einzelthemen:

1 | Gen / 1. Mose 37: "geliebt und gehasst" - Josefs Träume und der Verkauf nach Ägypten

2 | Gen / 1. Mose 39,1-19: "Geschätzt und bloßgestellt" - Josef bei Potifar

3 | Gen / 1. Mose 39,20-40,23: "gefragt und vergessen" - Josef im Gefängnis

4 | Gen / 1. Mose 41: "befördert und beauftragt" - Josef vor dem Pharao

5 | Gen / 1. Mose 42: "gefürchtet und mächtig" - die erste Begegnung mit den Brüdern

6 | Gen / 1. Mose 45: "erkannt und gnädig" - Josef gibt sich zu erkennen

7 | Gen / 1. Mose 50,15-26: "versöhnt und versorgt" - die Wende zum Guten durch Gott

 

Kurzeinführung: Die Josefgeschichte – ein Höhepunkt der Bibel

 Die Erzählungen von Josef und seiner Familie führen uns auf eine Art „Aussichtspunkt“ des so genannten Alten Testamentes. Wesentliche Gedanken, Entdeckungen und Hoffnungen der Hebräischen Bibel kommen darin lebendig zur Sprache. „Damit wir leben und nicht sterben“ – so lautet am Ende der Geschichte die Erkenntnis über Gottes Plan mit unserer Welt. Klingt darin nicht schon genau das an, was hunderte von Jahren später die Verfasser des Johannesevangeliums so zusammenfassen: „.. damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Offenbar hat sich Gottes Absicht nicht geändert, trotz aller Unternehmungen von Menschen, diesen Plan zunichte zu machen und sich doch gegenseitig zu vernichten. Das macht die Josefgeschichte auch so brandaktuell: Es sind immer wieder Ängste vor dem Besitz, der Macht oder den Gedanken anderer, die einzelne Menschen und ganze Völker dazu bringen, sich gegenseitig zu schaden. Gerade die heutigen Konflikte in den Ländern, in denen die Erzählungen der Genesis spielen, zeigen das deutlich. Die Josefgeschichte schildert solche Ängste plastisch, ihre verheerende Wirkung und die erfolglosen Versuche, sie durch Gewalt zu überwinden. Das ist die negative Seite der Texte. Doch diese bleibt nicht als trauriges Ergebnis stehen. Es tauchen Erfahrungen auf, die die Ängste dauerhaft beseitigen. Interessanterweise entstehen sie gerade in der Begegnung mit Fremden. Die Heilung Israels beginnt in Ägypten. Dort begreifen die Brüder Josefs, dass die Fremden keine Bedrohung sind. Sie fühlen sich – als Fremde in Ägypten – aufgenommen und gerettet und leben fortan mit einer anderen Perspektive, selbst wenn die folgende Exodusgeschichte gleich wieder von tödlichen Ängsten vor den Fremden spricht. Diesmal sind es die Israeliten, vor denen die Ägypter sich scheinbar schützen müssen. All die Angst- und Rettungsgeschichten aus dem fruchtbaren Halbmond münden in die Erkenntnis des Propheten Jesaja, die wohl in der Zeit aufgeschrieben wurde, in der auch die Josefgeschichte entstand: „Gesegnet
sei Ägypten, mein Volk, und Assur, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbbesitz.“ (Jes 19,25 )

Wolfgang Baur