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Bibelübersetzungen im Vergleich (Auswahl)

  1. Einheitsübersetzung
  2. Gute Nachricht
  3. Luther 1984
  4. Bibel in gerechter Sprache
  5. Buber
  6. Elberfelder
  7. Interlinearversion AT
  8. Interlinearversion NT
  9. Neue Genfer
  10. Pattloch
  11. Stier
  12. Zürcher
Anmerkungen zu www.bibelwerk.de - Bibelübersetzungen


Die Einheitsübersetzung
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, hg. im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, der Bischöfe von Luxemburg, von Lüttich und Bozen-Brixen, Psalmen und NT auch im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bibelgesellschaft als ökumenischer Text
a) Umfang: AT und NT; über das AT verteilt die Spätschriften (Deuterokanonische Schriften)
b) Übersetzungstyp: Philologische Übersetzung mit kommunikativen Einschlägen, von Buch zu Buch in unterschiedlichem Ausmaß. Zum Verständnis notwendige Ergänzungen in runden Klammern; Im AT steht in eckigen Klammern, was von den Übersetzern als späterer Zusatz beurteilt wird.
c) Gesamturteil: Gediegene Übersetzung, die stilistisch und übersetzungstechnisch eine mittlere Linie verfolgt.

Die Gute Nachricht Bibel

Gemeinsame Bibelübersetzung im Auftrag und in Verantwortung der katholischen Bibelwerke und Evangelischen Bibelgesellschaften des deutschsprachigen Raums. Die stark überarbeitete Ausgabe von 1997/2000 löste die 'Bibel in heutigem Deutsch' von 1982 ab. Textausgaben in verschiedenen Formaten mit und ohne Spätschriften.
a) Umfang: AT, Spätschriften des AT, NT
b) Übersetzungstyp: Konsequent kommunikative Übersetzung mit 3 Hauptverfahren: Umstrukturierung, Explikation, Kontextorientierung
c) Gesamturteil: Seit der Revision von 1997 als zuverlässigste der kommunikativen deutschen Übersetzung anerkannt. Zugänglich für Kirchenfremde, aber zugleich als leicht verständliche Studienbibel geeignet.

Luther 1984
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierte Text von 1984, Dt. Bibelgesellschaft Stuttgart 1995. Erstausgabe NT 1522, Bibel 1534, Ausgabe letzter Hand 1545/46.
a) Umfang: AT, Spätschriften des AT (Apokryphen), NT
b) Übersetzungstyp: Philologische Übersetzung mit starkem kommunikativem Einschlag. Einerseits relativ wörtlich, andererseíts freie Wiedergabe des Sinnes in plastischem Deutsch an Stellen, auf die es Luther besonders ankam. In den Biblischen Grundwörtern begriffskonkordant mit wenigen Ausnahmen - und mit der für Luther typischen großen Ausnahme einer 'Schwerpunktbildung': Die reformatorischen Grundwörter Glauben, Gnade, Trost werden in großartiger Verdichtung für eine Vielzahl von originalsprachlichen Begriffen ähnlicher Bedeutung eingesetzt.
c) Gesamturteil: Auch heute noch die klassische deutsche Bibelübersetzung von unereichtem Rang, geprägt durch Luthers z.T. genial eindeutschende und schwerpunktmäßig verdichtende Übersetzungsmethode.

Bibel in gerechter Sprache

hrsg. von Ulrike Bail, Frank Crüsemann u.a., Gütersloh 2007
a) Umfang: AT, Spätschriften des AT, NT
b) Übersetzungstyp: Philologische Übersetzung, gelegentlich mit gezielten Erweiterungen oder Umwandlungen des grammatischen Genus
c) Gesamturteil: Eine Übersetzung, die aufgrund ihres programmatischen Anliegens neue inhaltliche Akzente setzt; sie wirkt dadurch stark polarisierend; der vergleichende Blick in die traditionelle Übersetzung oder den Originaltext ist ratsam.

Buber
Die Schrift verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Neu bearb. Ausgabe (4 Bde.) Gütersloh 1997. Einzelbände der Erstausgabe zwischen 1925 und 1929.
a) Umfang: AT ohne Spätschriften (jüdischer Kanon in der entsprechenden Anordnung der Schriftgruppen)
b) Übersetzungstyp: Wörtliche Übersetzung in engster Nähe zum hebräischen Text. Verzicht auf glättende Füllwörter, extrem konkordante Übersetzungsmethode: für jedes hebräische Wort wird unabhängig vom jeweiligen Sinnzusammenhang eine gleichbleibende deutsche Entsprechung verwendet. Die Übersetzung sucht den Charakter des Textes als lebendiges Wort durch die Gliederung in 'Atemeinheiten' zum Ausdruck zu bringen.
c) Gesamturteil: Eine Übersetzung, die nicht nur den Hauch der Originalsprache, sondern auch eine original jüdische Sicht des AT vermittelt.

Elberfelder

Wuppertal 2006; frühere Ausgaben: Die Heilige Schrift aus dem Grundtext übersetzt. Rev. Elberfelder Bibel Wuppertal 1985; Erstausgabe NT 1855, Bibel 1871.
a) Umfang: AT ohne Spätschriften; NT
b) Übersetzungstyp: Philologische Übersetzung, die genaue und wortgetreue Wiedergabe anstrebt, auch auf Kosten der sprachlichen Eleganz. Soweit sinnvoll, einheitliche Wiedergabe der biblischen Begriffe (eingeschränkt begriffskonkordant). In der rev. Fassung wurden schwierige Satzkonstruktionen aufgelöst.
c) Gesamturteil: Im Ganzen eine der zuverlässigsten Übersetzungen. Die Fußnoten vermitteln dem Leser einen Eindruck von den Schwierigkeiten des Übersetzens und der Unmöglichkeit, zu einem gesicherten Verständnis des Textes zu gelangen.

Interlinearübersetzung AT

Hebräisch-Deutsch und Transkiption des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia von Rita Maria Steurer in 5 Bänden. Holzgerlingen 1986.
a) Umfang: Das  AT ohne Spätschriften in Anordnung des hebräischen Kanons
b) Übersetzungstyp: Strenge Wort-für-Wort-Übersetzung, die deutschen Entsprechungen jeweils unter den hebräischen Wörtern
c) Gesamturteil: Ein brauchbarer Schlüssel für einen ersten Zugang zum hebräischen Text, für Benutzer, die die Mühe nicht scheuen, sich einzulesen. Die Interlinearübersetzung ist wörtlicher und damit auch schwerer verständlich als die Interlinearversion zum NT.

Interlinearübersetzung NT

Griechisch-Deutsch. Griechischer Text nach der Ausgabe von Nestle-Aland (26. Aufl.), übersetzt von Ernst Dietzfelbinger. Holzgerlingen 1986
a) Umfang: NT
b) Übersetzungstyp: Wort-für-Wort-Übersetzung direkt unter dem griechischen Text, mit gewissen grammatischen Anpassungen (durch Schrägschrift gekennzeichnet). eingeschränkt begriffskonkordant.
c) Gesamturteil: Eine gediegene, zuverlässig gearbeitete erste Hilfe zum Verständnis des griechischen Textes.

Neue Genfer
hg. von der Genfer Bibelgesellschaft, seit 1989 in Einzelheften. Im Oktober 2009 erschien erstmals die vollständige Übersetzung des NT
a) Umfang: NT
b) Übersetzungstyp: Mischform zwischen philologischer und kommunikativer Übersetzung; hinzugefügte Wörter in einfachen Anführungszeichen.
c) Gesamturteil: Eine zuverlässige Übersetzung, die vom Ansatz her der 'Guten Nachricht' nahe steht, aber im Ganzen wörtlicher bleibt.

Pattloch
Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach den Grundtexten übersetzt. Erstausgabe Aschaffenburg 1955 (AT) und 1956 (NT)
a) Umfang: AT einschließlich Spätschriften (katholischer Kanon), NT.
b) Übersetzungstyp: Philologisch
c) Gesamturteil: Gut lesbare, zuverlässige Übersetzung

Stier
Das Neue Testament übersetzt von Fridolin Stier. Düsseldorf 1989
a) Umfang: NT
b) Übersetzungstyp: Wörtlich, konsequent begriffskonkordant.
c) Gesamturteil: Eine Übersetzung von beachtlichem Format, die zu neuer Aufmerksamkeit auf das Bibelwort anleitet, aber mit Manierismen wie gekünstelten Wortbildungen belastet ist und das Prinzip der Begriffskonkordanz auf Kosten der Verstehbarkeit auf die Spitze treibt.

Zürcher

Zürcher Bibel hg. vom Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. 1987 - 2007 nach dem Grundtext aufs Neue übersetzt.
a) Umfang: AT ohne Spätschriften, NT
b) Übersetzungstyp: Philologische mit sicherem Stilgefühl
c) Gesamturteil: Eine gediegene Übersetzung von hohem Niveau, die sowohl dem modernen Stilempfinden entspricht als auch die von den Übersetzern absichtlich bewahrte 'Fremdheit' der biblischen Texte angemessen zur Geltung bringt.



Texte entnommen aus: Wissenswertes zur Bibel, 6: Deutsche Bibelübersetzungen.
 © Deutsche Bibelgesellschaft 2008.


Anmerkungen zu www.bibelwerk.de – Bibelübersetzungen:

1. Spätschriften des Alten Testaments: Alttestamentliche Schriften, die fast ausschließlich in griechischer Sprache überliefert und in der griechischen Übersetzung des AT (entstanden 3. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr. Im hellenistischen Judentum) enthalten sind. Auch als „deuterokanonische Schriften“ (kath.) oder „Apokryphen“ (evang.) bezeichnet. Zu den Spätschriften gehören die Bücher Judit, Tobit, 1 und 2 Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch, sowie Zusätze zu den Büchern Ester und Daniel.

 

2. Zur Übersetzung der Bibel

Es ist heute selbstverständlich, dass eine Bibelübersetzung aus den biblischen Originalsprachen angefertigt wird, also für das AT aus dem Hebräischen und teilweise Aramäischen, für die Spätschriften des AT (Deuterokanonische Schriften/Apokryphen) und das Neue Testament aus dem Griechischen. Das gilt seit den Zwanzigerjahren des 20. Jh. auch für die katholischen Übersetzungen, die sich bis dahin weitgehend an der kirchenoffiziellen lateinischen Übersetzung (Vulgata) orientiert hatten. Für den Gebrauch in lateinischen Gottesdiensten und in Dokumenten der Kurie wurde in jüngster Zeit sogar die altehrwürdige Vulgata selbst überarbeitet und nach den hebräischen und griechischen Grundtexten korrigiert (Nova Vulgata 1979).

Aber mit der Entscheidung für die biblischen Originalsprachen ist noch nicht festgelegt, welche spezielle Textfassung für eine Übersetzung maßgebend ist. Die verschiedenen Einzelschriften, die in der Bibel enthalten sind, sind uns in keinem Fall in der Originalhandschrift ihres Verfassers überliefert. Die handschriftlichen Bibeltexte, die wir in großer Zahl besitzen, stammen aus späteren Jahrhunderten und weichen im Wortlaut vielfältig voneinander ab. Deshalb muss auch die Frage des Grundtextbezugs für jeden Teil der Bibel gesondert betrachtet werden:

Verschiedene Typen von Bibelübersetzungen

  • Das Spektrum der Bibelübersetzungen erstreckt sich zwischen zwei Extremen: Die Übersetzung kann versuchen, den Wortlaut der fremden Sprache in der eigenen möglichst genau nachzubilden – um den Preis, dass dieser Wortlaut zunächst wie eine Fremdsprache klingt. Oder die Übersetzung kann versuchen, den Sinn des fremdsprachlichen Textes »mit eigenen Worten«, frei und unmittelbar verständlich wiederzugeben – um den Preis, dass die Leser dem Übersetzer vertrauen müssen, dessen Arbeit sie in der Regel nicht selbst überprüfen können. Jeder Übersetzungstyp hat seine Vorteile und seine Nachteile. Eine Übersetzung, die das richtige Verständnis des Inhalts für jeden möglichen Empfänger »unfehlbar« garantiert, gibt es nicht.

Die »wörtliche«/philologische Übersetzung

Was man normalerweise als »wörtliche Übersetzung« bezeichnet, unterscheidet sich von der »wortwörtlichen« Interlinearversion durch folgende Verfahren:

  1. Die Wortfolge wird dem Gebrauch der Zielsprache angepasst.
  2. Grammatische und syntaktische Konstruktionen, die die Zielsprache nicht kennt (wie z.B. das englische Gerundium, der lateinische Ablativus absolutus), werden durch Umschreibung wiedergegeben.
  3. Für ein und dasselbe Wort der Ausgangssprache werden je nach Zusammenhang unterschiedliche Wörter der Zielsprache eingesetzt. Eine Übersetzung, die diese drei Verfahren anwendet, nennen wir philologische Übersetzung, weil sie den üblichen Übersetzungstyp der Philologen, d.h. der wissenschaftlichen Übersetzer, darstellt.

Das dritte der genannten Verfahren braucht eine Erläuterung. Sprachen sind keine mathematisch-logischen Gebilde, sondern gewachsene Formen, die jeweils ihre eigene Entwicklung haben. Deshalb deckt sich der Bedeutungsumfang von Wörtern in verschiedenen Sprachen (das jeweilige »Wortfeld«) nur in den wenigsten Fällen.

Wenn eine philologische Übersetzung sich dafür entscheidet, die tragenden Begriffe in der Zielsprache stets mit ein und demselben Wort wiederzugeben, nennt man sie begriffskonkordant (Konkordanz = Zusammenklang, Übereinstimmung, nämlich zwischen entsprechenden Begriffen in den beiden Sprachen). In diesem Fall müssen die Leser darauf gefasst sein, dass das Wort der eigenen Sprache in der Übersetzung eine andere als die gewohnte Bedeutung hat; sie müssen die Wörter der eigenen Sprache wie Fremdwörter behandeln und ihren Sinn im jeweiligen Zusammenhang wie den Sinn eines fremdsprachlichen Wortes erst »lernen« (z.B. beim biblischen Wort »Fleisch«). Das gilt in geringerem Maß, wenn bei der Wiedergabe verschiedene Grundbedeutungen eines Wortes unterschieden werden (z.B. bei griechisch parakalein 1. ermahnen, 2. trösten); eine Übersetzung, die so verfährt, kann »eingeschränkt begriffskonkordant« genannt werden.

Die kommunikative Übersetzung

Nun gibt es eine ganze Reihe von Bibelübersetzungen, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Text so weit wie möglich zum Leser hinzubewegen. Sie tun nicht nur »das Nötigste«, damit ein Text nach Grammatik und Satzbau der Zielsprache angemessen ist; sie suchen in der Vermittlung des Textinhalts an die Leser oder Hörer »das Mögliche« auszuschöpfen.

Um der leichteren Verständlichkeit willen verzichten solche Übersetzungen auf den Versuch, die sprachliche Form des Originaltextes in der Übersetzung mehr oder weniger nachzuahmen. Statt formaler Entsprechung zwischen Original und Übersetzung streben sie vor allem die inhaltliche Übereinstimmung an. Der Sinn des Originaltextes soll so deutlich und verständlich wie möglich wiedergegeben werden, auch wenn die sprachliche Form der Wiedergabe mit der Sprachform des Originaltextes nichts mehr gemein hat.

Wo eine wörtliche Übersetzung etwa sagt: »Johannes der Täufer verkündete die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden« (Markus 1,4), heißt es dann sinnentsprechend und auf Anhieb verständlich: »Johannes sagte zu den Menschen: ›Lasst euch taufen und fangt ein neues Leben an, dann wird Gott euch eure Schuld vergeben!‹«

Auf Begriffskonkordanz muss eine solche Übersetzung um der Verständlichkeit willen verzichten.

Eine solche Übersetzung nennen wir kommunikativ, weil ihr alles an der Mitteilung des Sinnes, an der Kommunikation mit den Lesern oder Hörern als den Empfängern der Botschaft gelegen ist. Unter formalen Gesichtspunkten ist sie »frei«, aber unter inhaltlichen kann sie, wenn sie gelungen ist, so genau und zuverlässig sein wie nur je eine »wörtliche« Übersetzung. Sie kürzt lediglich für die Empfänger den Prozess des Verstehens ab, weil sie ihnen die Mühe erspart, die »Fremdsprache« des Textes erst zu entziffern und zu lernen.

Ihr Nachteil ist, dass die Empfänger einer solchen – sozusagen »vorgekauten«, sprachlich zubereiteten – Information den Prozess der Vermittlung nicht kontrollieren können (falls sie nicht den Originaltext oder eine wörtlichere Übersetzung zum Vergleich heranziehen). Eine mögliche Gefahr der kommunikativen Übersetzung ist auch, dass sie den Sinn eines Textes zu eindeutig festlegen will und dadurch gewisse »Untertöne« unhörbar, mögliche Nuancen oder Assoziationen ausgeschlossen werden. Dem steht bei der wörtlichen Übersetzung die Gefahr gegenüber, dass die Empfänger die ihnen unzugänglich bleibende Übersetzung gar nicht oder missverstehen. Der wörtliche Übersetzer schiebt das Risiko des Verstehens oder Missverstehens auf die Leser/Hörer bzw. Ausleger/Prediger ab.

(aus: Wissenswertes zur Bibel)