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Theologischer Kurs Freiburg

Bibel-Begeisterte Teilnehmende am Theologischen Kurs Freiburg

 

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Anneliese Hecht berichtet:

Der Ansturm ist groß in der Freiburger Erzdiözese von Katholiken (und wenigen Protestanten) auf die Teilnahme am zweieinhalb Jahre dauernden Theologischen Kurs, bei dem die Teilnehmenden in 4 Kursblöcken mit jeweils 5 Studientagen sowie in privatem Studium und in Regionalgruppen mit MentorInnen sich theologische Inhalte erarbeiten. Letztes Jahr beendeten 70 AbsolventInnen den Kurs im Odenwald in Seckach, dieses Jahr werden es ca. 130 in und um Karlsruhe sein, die den Kurs beenden. 100 Personen besuchen den Kurs zurzeit in Freiburg, es gibt schon Anmeldungen für einen neuen Kurs in Singen. Dabei dauert der Theologische Kurs seit 37 Jahren an. Er ist also ein langjähriges Erfolgsmodell. Dabei arbeiten die TeilnehmerInnen viel Stoff durch, den ein nicht geringer Teil der TeilnehmerInnen auch in Klausuren, mündlichen Prüfungen sowie kleinen und großen Hausarbeiten mit einem qualifizierten Zeugnis abschließt (mehr Infos siehe unter www. theologischer-kurs.de).

 

Ich lehre nun im zweiten Kurs Neues Testament und freue mich immer wieder an dem Eifer, mit dem die KursteilnehmerInnen zu Werke gehen und sich nicht nur an den Tagen, an denen sie Vorlesungen besuchen (8 Stunden an einem Tag!) einbringen, sondern durch ihr Studium zu Hause und ihre Gespräche in den regionalen Gruppen den Stoff vertiefen. Ich merke, dass viele einen verantworteten Glauben leben möchten und dafür auch Wissen brauchen, das sie auf eigenen Füßen stehen lässt und nicht wie unmündige Kinder von Autoritäten abhängig macht. Oft bedauern Christen auch eine geistliche Dürre, die vor Ort in Gemeinden herrscht. Diese werden immer mehr zu anonymen Großgebilden zusammengelegt, geleitet von Hauptamtlichen, die für die Seelsorge kaum mehr Zeit mehr haben wegen einer Überzahl an Liturgien, die sie zu halten haben oder Verwaltungsaufgaben. Die Großstadt Karlsruhe besteht zurzeit nur noch aus zwei Seelsorgeinheiten!

 

Teilnehmende lassen sich von der Bibel begeistern, sowohl vom AT wie auch vom NT. Vor wenigen Tagen sagte eine Frau, sie lerne gerade, dass sie ganz andere Zugänge zur Bibel brauche, die sie nun erhalte, damit sich Texte vielfältig erschließen. Und sie merke, wie durch dieses Umdenken auf einmal Türen aufgehen. Die Bibeltexte sind nun ganz anders und neu verstehbar und können damit fruchtbar werden für das eigene Glaubensleben. Entscheidend ist auch, dass die Lernenden merken, dass Wissen und Glauben zusammen gehen, dass sie ihren Glauben durch das exegetische Wissen nicht verlieren, sondern in gewandelter Weise gewinnen. Die Teilnehmenden schauen kritisch darauf, ob die DozententInnen durch Wissen den Glauben unterfüttern oder eher zum Zweifeln bringen, ob sie authentisch sind in ihrer Person und selbst ihr Wissen integrieren in ihren Glauben oder nur angelerntes Wissen weitergeben.

Theologisch problematische verbreitete Ansichten wie z.B. das Verständnis von Jesu Sühnetod werden in den Blick genommen und neu ausgelegt. Die geänderten Lebensbedingungen seit der biblischen Zeit und der Übergang von einer Hör- zu einer Sehgesellschaft, all das trägt zu theologischen Deutungen bei. Zu verstehen, wie in biblischer Zeit gedacht, gelebt, geglaubt wurde und das mit unserer heutigen Weise in Beziehung und in Dialog zu bringen, das vertieft den eigenen Glauben und überzeugt, wie Lukas es im Vorwort seines Evangeliums ausdrückt, „von der Zuverlässigkeit des Evangeliums“ (Lk 1,4). Die Apostelgeschichte sowie die Briefe des Neuen Testaments geben viele Impulse für das Gemeindeleben heute, für seine Verlebendigung, für seine geistliche Tiefe, für eine Gemeinschaft, die teilt und Anteil nimmt, auch Mitverantwortung vor Ort wahr nimmt. Freilich klagen manche Kursteilnehmenden nach erfolgreichem Abschluss über Gemeindeleitungen, die sie ausbremsen oder erst gar nicht ihre neu gewonnenen Fähigkeiten einsetzen lassen.  Durch den Priestermangel aber wird es sich ohnehin nicht aufhalten lassen, dass gerade solche engagierten Christen, die für ihren Glauben ziemlich viel tun und das auch weitergeben möchten, Säulen ihrer Gemeinden sein werden. Das zeichnet sich ab. Dafür kann man dankbar sein.