1. Bibelwerk
  2. Lectio Divina

„Dem Wort auf der Spur“ – Rückmeldungen und Anregungen aus der Praxis

Pfarrgemeinde St. Paulus, Göttingen, mit St. Vinzenz, Weende und St. Franziskus,
Bovenden

Zum Verlauf des Projekts in der Gemeinde
12 TN, einschl. Pfarrer und 2 Leiter: Die Leitung übernahmen ein Mann und eine Frau
für alle Abende, einer war für den Rahmen, einer für Text und Meditation zuständig:
.... Als Leiter greifen wir kaum ein, aber die exegetischen Hinweise werden immer eingebracht
und sind sehr nützlich. Wir sind durch das Projekt sehr bereichert worden, und die TN
sprachen ihren Dank mehrmals aus. Das Material war sehr gut zu gebrauchen, so hielt sich
auch der Aufwand für Vorbereitung in Grenzen. Vielen Dank an das Bibelwerk für die
exzellente Vorbereitung! M. Heidehues

Kath. Kirchengemeinde in Sulzbach
... Meinem Kurs habe ich ein ganz besonderes Gepräge gegeben. (Frau Krebs hat mit biblischen
Erzählfiguren und Symbolen zu den Texten schöne Mittebilder gestaltet)
Die TN haben mir
rückgemeldet, dass sie damit ganz besonders in das Geschehen einbezogen waren, was zum
Verständnis der Texte und zum Einfühlen ein wesentliches beigetragen hat und das
Meditative der Stunde förderte. ...
Die Besonderheit in unserer Pfarrei war dann noch, dass wir an 4 Sonntagen zusätzlich
Predigerinnen zu diesen alttestamentlichen Lesungen eingeladen hatten. R. Krebs

Katholische Kirchengemeinde Salzgitter
Die Lectio Divina wurde von drei ehrenamtlich tätigen Frauen aus der Gemeinde angeboten.
Zur Durchführung:
Es war gelungen. Wir waren 3 Gastgeberinnen und konnten somit auch die 3 "Stufen" gut
aufteilen. An jedem Abend waren knapp 20 TN dort im Alter von 20-80 Jahren. Es wechselte
jedoch von mal zu mal, da wir uns im Fusionsprozess dazu entschieden hatten, durch alle
Kirchorte zu reisen. Diese Entscheidung war gut, denn manche Leute gehen halt nur an ihrem
Kirchort und die haben es dann auch kennen gelernt. Aber gut 10 Leute gehörten zum harten
Kern und waren an allen Abenden da.  
Für uns war es tatsächlich recht wenig Arbeit. Wir haben zu jedem Abend noch ein weiteres
Lied zum Abschluss herausgesucht und den Raum mit Stuhlkreis und einer Mitte gestaltet.
Also wir sind im nächsten Jahr wieder mit dabei.
Was mich persönlich noch gefreut hat, dass ich durch Zufall erfahren habe, dass meine Eltern
in Soltau/Schneverdingen mit Pfr. Hoogervorst den gleichen Kurs gemacht haben. So fühlten
wir uns über Gottes Wort in  dieser Zeit sehr verbunden. S. Kowol


kfd-Frauengruppe in Bonn
Die Leiterin baute am Anfang jedes Treffens eutonische Übungen
zum Aufbau einer geistlichen Atmosphäre ein.
Rückblick
Nicht immer sich auf Neues einstellen müssen, verweilen können bei einem Text, einem
Thema, Zeit für Vertiefen und neue Gedanken: das waren die immer wieder betonten guten
Erfahrungen. Dass es auch - nur wirklich einzelne - Frauen gab, die mit den
alttestamentlichen Texten Schwierigkeiten hatten, kann ich gut verstehen. Wann überhaupt
begegnen uns diese Texte z. B. in einer Predigt? (In den vertretenen Kirchen aus unserem
Kreis nie, bzw. ganz vereinzelt.)
Wahrscheinlich auch aus diesem Grund tauchten Fragen auf, die ich persönlich in unserem
Zusammenhang unwichtig fand, z.B. "Warum zerteilte Abraham die Vögel nicht?" Gen
15,10b, oder Fragen wie: " Wie können Tiere denn preisen?" Jes 43,20. Die Bildsprache im
AT ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen und benötigt "Nachhilfe". Ich kann
deshalb auch die Meinung einer Teilnehmerin nachempfinden, dass die Leitung Kompetenz
haben soll. Einige Teilnehmerinnen sind sehr interessiert an einer Fortsetzung - in größeren
Abständen - von Treffen dieser Art, damit nicht ein "Loch" entsteht.
U. Delbeck, Leiterin einer kfd-Gruppe


Pastoraler Raum Wiesbaden -West

Zur Durchführung:
Wir haben die Reihe im Pastoralen Raum angeboten. Da wir 6 Kirchorte haben, bot es sich
an, uns jeden Donnerstag in einem anderen Gemeindehaus zu treffen. Das hat sich im
Rückblick als nicht hilfreich herausgestellt. Die Teilnehmer waren sich einig: sie wären auch
an ein und denselben Ort gekommen. Mit immer dem gleichen Raum wäre auch eine
meditative Voraussetzung eher möglich gewesen.
Auswertung:
Schwierig für einzelne TN war die Verlangsamung. Ich habe manchmal regelrecht kämpfen
müssen, dass nicht sofort interpretiert, gedeutet, christologisch gelesen wurde.
In einer unserer Gemeinden ist es üblich, dass in den geprägten Zeiten an einem besonderen
Kreuz Familien oder Gruppen eine Installation zum Ev. oder einem der anderen biblischen
Texte machen und diese dann im Gottesdienst vorstellen. Da bot es sich in diesem Jahr an, die
atl. Lesungen als Grundlage zu nehmen. Damit verbunden war die jeweils gestaltete Mitte des
Bibelabends. Die Arbeit mit den Texten war für alle TN eine fruchtbare und lebendige
Erfahrung, hat Horizonte geöffnet und auch dazu verholfen, über den eigenen Glaubensweg
ins Gespräch zu kommen. In Anlage finden Sie all meine Unterlagen (= 6 gestaltete
Familiengottesdienste samt Kopiervorlagen, CD, Anschauungsobjekte…)
M. Dittmann, Gemeindereferentin

Gemeinde Heilig Kreuz, Hamburg-Neugraben
Zum Verlauf des Projekts in der Gemeinde

Teilnehmer: insgesamt ca. 50 Personen (ca. 60 Prozent Frauen; Alter von 18-90 Jahren), an
den einzelnen Treffen zwischen 25 und 35 TeilnehmerInnen (harter Stamm von ca. 20
Personen nahm an 5-6 Treffen teil). Einige Teilnehmer aus der evangelischen
Nachbargemeinde; eine existierende Bibelgruppe nahm an allen Treffen teil. Mehrere
Teilnehmende erzählten bei Bekannten von den Treffen und luden sie ein, selbst einmal
teilzunehmen
Der Pfarrer, die Gemeindereferentin und zwei Frauen aus der Gemeinde erhielten vorab das
Leiterheft, um sich auf die Treffen vorbereiten zu können und je nach Bedarf als
Gesprächsleiterin zur Verfügung stehen zu können. Es gab immer einen gemeinsamen
Anfang, danach Aufteilung in 3-4 Gruppen.

Auswertung
* Methode ist hilfreicher als die 7-Schritte-Methode, da bei dieser immer alles stehen
gelassen wird ohne weitere Klärung. Es waren aber auch kein Studientreffen oder eine
Diskussionsrunde; die Methode wurde als gelungene Verbindung von intensiver
Textklärung und meditativer Aneignung bewertet. Positiv sei, dass man selbst aktiv
werden könne und nicht nur belehrt werde; jeder könne etwas beitragen; es wäre eine
positive Erfahrung zu lernen, was andere Christen mitzuteilen haben. Anfangsritual
(Bibel weiterreichen) wurde von vielen positiv erfahren; half, ruhig zu werden,
Abstand vom Alltag zu bekommen; führte in die Stille; gut auch die Symbolik des
Empfangens und Weitergebens. Mehrfaches Lesen des Textes wurde als positiv
gewertet, gute Anleitung zum Verweilen und intensivem Lesen.
* Alttestamentliche Texte der Fastenzeit wurden von vielen als anspruchsvoll
empfunden. Die Beschäftigung mit AT-Texten wurde dennoch von vielen auch in
Zukunft gewünscht; neue Entdeckungen im Gottesbild; bisher zu christologisch
verengt; manche hatten bisher auch das AT als durch das NT ersetzt angesehen.
* Anregungen zum Weiterlesen wurden positiv bewertet; ermöglichten eine
Verlängerung des Treffens in den Alltag wie bei Exerzitien im Alltag.
* Teilnehmerzettel: wurden als sehr gut bewertet, besonders die Fotos wurden als
hilfreiche Vertiefung angesehen; die farbigen Zettel waren sehr begehrt; mehrere
Teilnehmer erbaten sich die Zettel von Treffen, an denen sie nicht teilnehmen
konnten.
Grundsätzlich: das Projekt lief super in der Gemeinde – ich bin sehr zufrieden damit und
werde es auf jeden Fall fortsetzen         Pfarrer R. Huning SVD


Pfarrgemeinde St. Marien, Soltau-Schneverdingen

Reflexion von Pfr. i. R. J. Hoogervorst:
Das Lectio-Divina-Projekt des Katholischen Bibelwerkes Stuttgart halte ich für eine ganz
ausgezeichnete Idee. Hier haben Christinnen und Christen eine sehr gute Möglichkeit, die
österliche Bußzeit sinnvoll und zeitgemäß zu gestalten, indem ihnen die Möglichkeit geboten
wird, auf eine spirituelle Art sich dem Wort Gottes in der Heiligen Schrift auszusetzen.
Die schriftlichen Arbeitshilfen (Begleiterheft/Teilnehmerblatt) sind übersichtlich, schlicht und
doch ansprechend gestaltet. Die Unkosten halten sich im Rahmen.
Situation:
Ich bin ein pensionierter Priester der Diözese Hildesheim … Durch einen Artikel im Cursillo-
Rundbrief des Bistums Hildesheim (Nr. 45 Dezember 2009) bin ich auf das Lectio-Divina-
Projekt aufmerksam geworden und habe dem hiesigen Pfarrer meine Bereitschaft kundgetan,
dieses Projekt  hier in der Pfarrgemeinde durchzuführen.
Werbung:
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Projekt wenig propagiert wurde und daher auch
kaum bekannt war. Die Exerzitien im Alltag werden m.E. sehr viel mehr ins Bewusstsein
gebracht. Vielleicht müsste mit Handzetteln und Plakaten für das Projekt geworben werden!
Verlauf:
Es nahmen zwischen 10- 14 Personen teil, die Teilnehmerzahl stieg kontinuierlich an.
Aus der Reflexion des 1. Abends:  ….Das Ritual mit dem Weiterreichen der Bibel wurde als
eindrucksvoll empfunden. Die Atmosphäre wurde sehr dicht und ich habe mich gewundert,
dass sich beim freien Gebet fast alle beteiligt haben.
Reflexion 2. Abend: Zuerst gab es eine kleine Sammelrunde, wie es in der vergangenen
Woche mit den Texten ging, in der klar wurde, wie anders die Sonntagslesung gehört (und
gelesen!) wird, wenn man den Text vorher geistig und geistlich „durchgekaut“ hat.
Zum 4. Treffen: Bei der Sammelrunde sagte einer aus der Gruppe, dass er jeden Sonntag mit
Neugierde und mit Spannung zur Kirche geht, um die Lesung zu hören, die beim Bibelabend
besprochen wurde, obwohl, so sagte dieser Man, er genau  wüsste, was in der Lesung drin
steht!
Zum 5. Treffen: Zu meiner Freude war die Runde heute Abend größer als sonst: es kamen
außer mir 13 Personen, darunter eine Frau die bisher noch an keinem Abend teilgenommen
hatte. Eine größere Zahl hebt auch immer die Stimmung der Anwesenden. Bei der
Sammlungsrunde nach dem Eröffnungsritual kam zum Ausdruck, wie hilfreich es ist, wenn
Hintergrundwissen vermittelt wird, wodurch der betreffende Bibeltext zeitlich, geografisch
oder sonst wie verortet wird. Wir werden uns auch in der Karwoche noch einmal treffen, weil
wir eine Woche zu spät angefangen haben.
Schlussreflexion
Das Projekt lectio divina hat mir selber viel gebracht: eine intensive Beschäftigung mit der
Bibel, wie ich sie sonst nicht kenne. Ich selber habe einen neuen Zugang zu vielen Texten
gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar. Selten habe ich mit soviel Freude einen Kurs gehalten
wie dieses Bibel lesen in der Fastenzeit.
Ich bin sicher, dass die  Frauen und Männer, die die Bibelabende ganz oder teilweise
mitgemacht haben, viel Gewinn für ihr geistliches Leben und für ihre Beziehung zur Bibel
gewonnen haben. Sicher war es von Vorteil, dass es ein zeitlich überschaubares Projekt war.
Das erleichtert ganz erheblich  den Entschluss zur Teilnahme. Pfr. i. R. J. Hoogervorst


Lectio Divina als Kurs im Bildungshaus Hösbach-Schmerlenbach
Zur Durchführung
Es meldeten sich 16 Personen für den Gesamtkurs an, für eine Veranstaltung dieser Art eine relativ
hohe Zahl, zwölf Frauen und vier Männer. Einige der TeilnehmerInnen hatten Erfahrungen mit
verschiedenen Modellen der Bibelarbeit, zwei hatten schon am Grundkurs Bibel teilgenommen. Nur
wenige pflegen eine regelmäßige private Praxis der Bibellektüre. Ein großer Teil der Teilnehmenden
stand der Bibel recht fremd gegenüber.
Eine Teilnehmerin führte das Lectio-Divina-Projekt zeitgleich in der Heimatgemeinde durch und
nutzte die Abende als „Vorbereitung“ dafür.

Rückmeldungen von Seiten der Teilnehmenden
- Die Materialien sind sehr gut ausgearbeitet und sehr hilfreich.
- Der Ablauf, die Struktur der Abende ist sehr klar und verlässlich.
- Die „Echo“-Phase erleichtert den Zugang zu einem fremden Text.
- Durch die beiden Schritte „Ich lese den Text – der Text liest mich“ ist ein Perspektivwechsel
möglich, der hilft, auch zu schwierigen Texten / Stellen einen Zugang zu finden.
- Der Kurs hat geholfen, sich auf die Hebräische Bibel einzulassen.
- Der Kurs war ein guter Begleiter in der Fastenzeit.
- Es tut gut, die Bibel mit Bezug zur eigenen Lebenserfahrung zu lesen.
- Mit der Methode kann auch sperrigen Texten etwas Positives abgewonnen werden.
- Die Ruhe und die zahlreichen Stillephasen wurden positiv empfunden.

Rückmeldung des Leiters
Ich habe bis zum vierten oder fünften Abend gebraucht, bis ich die Struktur internalisiert hatte –
zuletzt entwickelte sich eine gewisse Selbstverständlichkeit, die ich vom Bibel Teilen kenne.
Die Phase „Ich lese den Text“ ist ein klarer Vorteil gegenüber dem Bibel-Teilen, weil sie hilft, dem
Text gerecht zu werden. Sie macht die Methode allerdings auch anfälliger für Menschen, die allzu
gern exegetisches Fachwissen (oder auch Halbwissen) einbringen möchten.
Insgesamt fand ich das Modell gut ausgewogen und sehr praktikabel. Die Mischung aus persönlicher
und exegetischer Lektüre hat einen großen Vorzug gegenüber anderen Modellen. Ein gewisser
Nachteil ist die vorläufige Abhängigkeit von den Materialien. Ob ein Lectio-Divina-Abend nur mit
dem Lesezeichen, also ohne weitere inhaltliche Vorbereitung, ebenso möglich ist, muss ich noch
testen.
Für die Gemeinden wäre es gut und hilfreich, wenn es zukünftig für bestimmte Zeiten (Advent,
Fastenzeit) immer wieder diese vorbereiteten Materialien geben würde. Vielleicht könnte man auch
einmal einen ersttestamentlichen Text am Stück oder einen Paulusbrief mit dieser Methode
erschließen. Vielen Dank für dieses Modell und bitte weiter so!!
Dr. St. Silber, Bildungsreferent