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Olive / Ölbaum

Botanisch
Etwa um 4000 v. Chr. begann man, im Mittelmeerraum wilde Olivenbäume zu kultivieren. So entstand die Art olea europaea. Der Baum wird wildwachsend ca. 10-12 m hoch. In Nutzpflanzungen wird er kürzer gehalten, um mehr Ertrag zu bringen. Olivenbäume stellen keine Standortansprüche, sie gedeihen auch auf kargen Böden. Sie wachsen sehr langsam und können mehrere hundert bis 1000 Jahre alt werden.
Im Frühjahr trägt der Ölbaum kleine weiße Blüten. Die ganzjährigen Blätter sind klein und spitz geformt, ledrig, von der Oberseite her dunkelgrün und von unten silbriggrau.
Die Frucht (Olive) enthält das wertvolle Olivenöl. Die Früchte sind im reifen Zustand schwarz-dunkel, grüne Oliven sind im unreifen Zustand geerntete Früchte.

Oliven gezeichnet
In der Bibel
Weil das Olivenöl im Alltagsleben der Menschen sowohl als Nahrungs- und Heilmittel als auch als Brennstoff eine bedeutende Rolle spielte, war der Olivenbaum in biblischer Zeit hochgeschätzt:
In der Fabel in Richter 9 wollen die Bäume einen König wählen und fragen für dieses Amt als erstes den Olivenbaum. In Deuteronomium 8,8 zählt Gott anhand von sieben Pflanzen auf, wie gut und fruchtbar das verheißene Land ist – und auch hier wird der Olivenbaum prominent erwähnt.
In der Erzählung von Elija und der Witwe von Sarepta wird deutlich, dass das Öl zusammen mit Mehl zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln der Bevölkerung gehörte (vgl. 1 Kön 17,12). Am Jerusalemer Tempel braucht man Öl für vegetarische Speiseopfer (Lev 2,4-7), und um das Feuer des siebenarmigen Leuchters, der Menora (Ex 27,20; Lev 24,2) zu unterhalten. Daher gehörte auch ein Zehntel des Olivenöls zu den jährlichen Pflichtabgaben an das Heiligtum (Dtn 14,23).
Die ungesättigten Fettsäuren und der Vitamin E -Gehalt des Olivenöls machten es nicht nur zu einem gesunden Nahrungsmittel, sondern führten auch zur medizinischen Verwendung des Öls (Jes 1,6; Lk 10,34). Im Jakobusbrief werden die Ältesten aufgerufen, die Kranken der Gemeinde zuhause besuchen und mit Öl salben (Jak 5,14).
Öl lässt sich sehr gut mit Duftstoffen aromatisieren und dann als Salböl für die Körperpflege verwenden. Das bezeugt schon das Hohelied, wenn die Frau zum Mann sagt: „köstlich ist der Duft deiner Salben“. (Hld 1,2f) oder die Psalmen 104,15 und 133,2.
Wer in Israel als König oder Prophet eingesetzt wurde, wurde er in einem kultischen Zeremoniell ebenfalls mit Olivenöl gesalbt. Als das Königtum in Israel unterging, und das Land von Fremden besetzt war, richteten sich immer mehr Hoffnungen auf einen neuen Gesalbten, der diesmal von Gott gesalbt und gesandt sein sollte, den Messias (hebr.)oder Christus (griech.).
So wie im ersten Testament Könige, Priester und Propheten gesalbt wurden, um ihnen Würde und Kraft und Gottes Segen für das Amt mitzugeben, (Ex 30,22ff; 1 Sam 10,1; 16,1.13; Ri 9,15 u.a.) so werden heute alle Täuflinge mit Olivenöl gesalbt. Auch Altäre werden durch eine Ölsalbung geweiht, wie schon Jakob einen Stein mit Öl salbte, um ihn Gott als Altar zu weihen (Gen 28,18).
Das immergrüne Laub des Olivenbaumes ist Symbol für Lebenskraft, Frieden und Hoffnung. So bringt die Taube Noach einen Ölzweig mit, als die Flut weicht (Gen 8,11). Gott kann sein Volk mit einem üppigen Ölbaum vergleichen (Jer 11,16) und in Sach 4 wird in der Vision von den zwei Ölbäumen die Hoffnung auf zwei neue Messiasse ausgedrückt (einer sollte den liturgischen, einer den politischen Dienst übernehmen). Dieses Symbol von Lebenskraft und Frieden ist nicht nur auf die Bibel beschränkt: auch die Vereinten Nationen (UN) haben die Zweige des Olivenbaumes in der Flagge und im antiken Griechenland bekamen Olympiasieger Kränze aus Olivenzweigen überreicht.
 Oliven
Wirtschaftliche Nutzung

Die Olivenernte findet in den mediterranen Ländern ab Oktober statt. In biblischer Zeit schlug man mit Stöcken gegen den Baum und las die heruntergefallenen Früchte auf (Dtn 24,20). Die frisch geernteten Oliven sind erst nach dem Einlegen in Wasser oder Salzwasser genießbar.
 Ölbaum
Etwa 90 % der Oliven werden zu Öl gepresst (vgl. Mi 6,15). Dieses Öl wird in der Küche zum Kochen, als Medizin, für kosmetische Zwecke und in biblischer Zeit auch als Lampenöl verwendet. Das harte und gemaserte Holz des Olivenbaums eignet sich nicht für Möbel, weil viele Bäume innen hohl werden. Es werden aus dem Holz eher kleine Holzschnitzereien, Intarsienarbeiten, Haushaltsartikel und Instrumente gefertigt. Olivenbäume

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