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Senf

Senf Pflanze 2
In der Bibel
Die Antike kennt viele verschiedene Senfsorten und senfähnliche Pflanzen. Die griechischen Texte sprechen von napy, sinapi, sinapis. Die rabbinischen Texte verwenden die hebräische Bezeichnung hardal oder das aramäische hardla, und sie unterscheiden hardal baladi (gewöhnlicher oder einheimischer Senf) und hardal mazri (ägyptischer Senf). Im Alten Testament wird Senf nicht erwähnt.
Der Senf, den das Neue Testament in dem Gleichnis Mk 4,30-32 parr nennt, ist wahrscheinlich der schwarze Senf (brassica nigra) die Pflanze der heimischen Sinapis- und Brassica-Arten, die bis zu 2 m hoch werden kann. Diese Art kommt in Galiläa verbreitet vor. Daneben kommen auch der Weiße Senf (sinapis alba), der Gelbe Senf (sinapis arvensis) und der sog. Senfbaum (salvadora persica)  in Frage.
Welche dieser Pflanzen genau gemeint ist, lässt sich nicht endgültig entscheiden. Die Arten schwarzer Senf (brassica nigra) und Weißer Senf (sinapis alba) sind bis heute im Nahen Osten sehr verbreitet. Sie kommen wild und kultiviert vor.
 SenfDie älteste Fassung des Senfkorn-Gleichnisses
Und er sprach: Wie sollen wir die Königsherrschaft Gottes vergleichen oder in welchem Gleichnis sollen wir sie darstellen? Wie bei einem Senfkorn, das, wenn es in die Erde gesät wird, kleiner ist als alle anderen Samenkörner auf der Erde; und wenn es gesät wird, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt große Zweige, so dass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können. (Mk 4,30-32)
In der ältesten Fassung des Jesusgleichnisses im Markusevangelium geht es um Gartenpflanzen. Die besondere Größe des Senfgewächses, das aus einem kleinen Samenkorn wächst, wird im Vergleich mit den anderen Gartengewächsen hervorgehoben (V.32). Die strauchartigen Stauden der Brassica-  oder Sinapis-Arten sind Gartengewächse, die in biblischer Zeit zur Heilmittel- oder Speiseölherstellung verwendet wurden. Sie werden bis ca. 1,5 m hoch. Da im Markustext nicht von einem Baum gesprochen wird, könnte es sich um diese Pflanzen handeln.
Der Weltenbaum
Trotzdem ist die  Vorstellung eines Baumes im Text angelegt, der dann auch in den späteren Fassungen bei Matthäus und Lukas besser sichtbar wird: Wem gleicht die Königsherrschaft Gottes oder wem sollen wir sie vergleichen? Sie gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf, und es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. (Lk 13,18f par Mt 13,31f) Wieder handelt es sich um eine Pflanze, die im Garten angebaut wird, dort aber zum Baum (dendron) heranwachsen kann. Es könnte hier der seltener vorkommende Senfbaum gemeint sein. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass  Mt und Lk nicht aus botanischen/ gärtnerischen Interessen, sondern aus theologischen Gründen im Gleichnis von einem Baum sprechen: Sie spielen das Bildmotiv des Weltenbaums ein, das die Erwartung der Königsherrschaft Gottes illustriert, einer umfassenden Herrschaft, die alle Menschen und Völker betrifft. Solche umfassenden Herrschaftsansprüche meldeten in der alten Zeit auch Könige und Reiche mit Weltherrschaftsambitionen an, z.B. die Ägypter, Assyrer und Babylonier. Im Bild des Weltenbaums werden diese Weltherrschaftsphantasien in der alten Welt häufig ins Bild gesetzt: Pharao/ Ägypten z.B. erscheint als mächtiger Baum / als Zeder, alle unterworfenen Völker werden als Tiere dargestellt, die in den Zweigen oder unter der Krone des Baumes Schutz finden (Ez 31). Das Motiv vom Weltenbaum betont die imperiale Größe der jeweiligen Weltmacht und vermittelt auch den schützenden Aspekt der Herrschaft, da die unterworfenen Völker „beschützt“ leben können. Auch in verschiedenen biblischen Texten wird dieser Weltenbaum beschrieben (vgl. Ez 17; 31; Dan 4) – dabei wird meist das Weltmachtsgebaren der beschriebenen Könige und mächtigen Völker kritisiert, die der Gott Israels zu Fall bringen wird.
Das Gleichnis vom Senfkorn schreibt diese Tradition des alten Testaments fort und beschreibt die Herrschaft Gottes: Diese wird allerdings nicht ins Bild des mächtigsten Baumes, der Zeder gefasst. Vielmehr wird in einer gewöhnlichen Senfstaude die Macht und Herrschaft des schöpferischen Gottes sichtbar. Das imperiale Machtsymbol wird durch die Verwendung einer unbedeutenden Pflanze in sich kritisiert und zeigt so den Charakter der Königsherrschaft Gottes: Es geht nicht mehr um Machtdemonstration und Unterwerfung, sondern um Lebensmöglichkeiten in Gottes Schöpfung.
 Schwarzer Senf Pflanzenposter Serie Botanisch
Der schwarze Senf (brassica nigra) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütlergewächse. Sein Hauptstengel ist im oberen Teil reich verzweigt und bringt zahlreiche gelbe Blüten mit je vier gelben Blütenblättern hervor. Daraus entwickeln sich kleine Schoten, die die Samenkörner enthalten. In Deutschland wird die Pflanze ca. 1,5 m hoch und zur Ölgewinnung, Gründüngung oder für die Senfproduktion auf Feldern angebaut.
 
 SenfbaumDer Senf-, Arrak- oder Zahnbürstenbaum (salvadora persica, anderer Name: galenia asiatica) gehört zur  kleinen Familie der Salvadoraceae in der Ordnung der Kreuzblütlerartigen (Brassicales). Diese aus Persien stammende Pflanzenart kommt heute in Afrika und Indien vor und gedeiht in Trockengebieten auf sandigen oder salzhaltigen Böden.
Salvadora persica ist ein immergrüner Busch oder kleiner Baum von bis zu 6 m Höhe. Der Stamm ist aufrecht oder verzweigt und verdreht. Er hat eine weite Krone mit gekrümmten, herabhängenden Zweigen.
Die deutschen Namen verraten, dass Teile der Pflanze als Nahrungsmittel oder zur Zahnpflege verwendet werden.
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