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Gerechtigkeit / Gericht

Gerechtigkeit

Der hebräische Begriff zedaka / Gerechtigkeit bezeichnet nicht die Übereinstimmung mit einer abstrakten Norm, sondern ein an der Gemeinschaft orientiertes Handeln, das Tun der Gerechtigkeit. So besteht die Gerechtigkeit zwischen Gott und seinem Volk in der Treue zum  Bund: Gott erweist seine Gerechtigkeit, indem er seinem Volk hilft und es aus Gefahr rettet (Ps 40,11; 71,2.15; 85,14 u.ö.). Menschen werden der Beziehung zu Gott gerecht, wenn sie seine Gebote halten (Dtn 6,25) und seinem Wort Vertrauen schenken (Gen 15,6). Auch zwischen Menschen bedeutet Gerechtigkeit die Ausrichtung am Gemeinwohl. Gegen unsolidarisches, nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Handeln appellieren die Propheten, endlich "Recht und Gerechtigkeit" im Land zu verwirklichen (Jes 5,7; Am 5,7.24 u.ö.).

Gericht

Als Schöpfer, Geber und Garant des Rechts beurteilt Gott das Verhalten von Menschen und Völkern nach dem Maßstab seiner Gerechtigkeitsordnung und reagiert darauf, um im Falle der Störung dieser Ordnung diese wiederherzustellen - durch sein strafendes und rettendes Gerichtshandeln. So kann sich sein Gericht in diesem Leben positiv oder negativ zeigen: durch Erhörung und Gewährung von Heil (Gen 30,6) bzw. durch Unheil, das als Strafe Gottes gedeutet wird (Ijob 36,31; Am 2). Auch das Exil wird im AT als Strafe für Israel angesehen. Je mehr das Leiden von Gerechten zum theologischen Problem wird, um so mehr verlagert sich die Vorstellung des Gerichts Gottes ins Jenseits. Sein Eingreifen wird in den Klagepsalmen erbeten (Ps 7; 17; 26) und für den "Tag JHWHs" erwartet (Jes 13,6). Besonders die Apokalyptik entfaltet die Szenerie dieses letzten Gerichtes, bei dem Gott offenbar werden und umfassende Gerechtigkeit geschaffen wird.

 

 Offener Bereich Aus unserer Zeitschrift "Bibel heute"

        Bibelarbeit zu  Lk 16,1-13