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Propheten / Prophetinnen

Propheten – gerufene Rufer

Das aus dem Griechischen kommende Wört „Prophet" ist zusammengesetzt aus "pro" (= an Stelle von jemand) und "phemi" (= sprechen, öffentlich bekannt machen). Der Prophet ist also jemand, der anstelle eines anderen spricht. Mit „prophetes“ wurde in der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des AT) fast immer das hebräische Wort „nabi“ übersetzt. Dieses Wort ist in den altsemitischen Sprachen vom Verb „reden", „rufen" abgeleitet entweder in passivem Sinn: „Ein (vom Geist) Gerufener" oder in aktiver Bedeutung: „Ein Rufer". Propheten und Prophetinnen sind also Menschen, die sich von Gottes Geist getrieben und gerufen wissen, um in dessen Auftrag zu sprechen und hörbar zu rufen.

Andere alttestamentliche Bezeichnungen für prophetische Gestalten sind „Seher" (sie stehen als Ratgeber und Vermittler zur Seite, z.B. Bileam, Num 22 -24) oder „Mann Gottes" (meist in Zusammenhang von Wunderhandlungen und/oder ekstatischen Verzückungen, z.B. Elija, Elischa).

 

Nicht nur Männer

Neben den männlichen Propheten, die meist durch die nach ihnen benannten biblischen Bücher bekannter sind, gab es in Israel auch Prophetinnen. Debora (Ri 4,4), Mirjam (Ex 15,20) und Hulda (2 Kön 22,14-20; 2 Chr 34,22-28) werden explizit als Prophetinnen bezeichnet, ebenso Noadja, mit der Nehemia sich auseinander setzen muss (Neh 6,14).

 

Nicht nur in Israel

Das Prophetentum ist kein Spezifikum Israels (vgl. Jer 27). Es gibt Parallelen zur biblischen Prophetie aus Syrien, dem phönizischen Byblos, aus Ägypten, Mesopotamien, Griechenland. Briefe aus den Archiven von Mari am mittleren Eufrat (18. Jh. v.Chr.) berichten vom Auftreten männlicher und weiblicher Propheten, die Botschaften von Gottheiten spontan empfangen und an den König weiterleiten. In Nordsyrien und Mesopotamien sind die Propheten oft Angehörige des Kultpersonals der Tempel, aber auch des Laienstandes. Die Sprachform dieser Prophezeiungen weist große Ähnlichkeit zu den Prophetensprüchen in Israel auf.

Neben diesem aus den Mari-Funden bekannten spontanen Wortempfang und der Wortweitergabe werden auch ekstatische Phänomene als Wurzeln der Prophetie angeführt (vgl. 1 Sam 10,5ff; 19,20-24; Num 11,25-29). Die Anfänge der Prophetie in Israel sind jedoch schwer zu bestimmen.

 

Prophetische Sprache

Propheten verstehen sich als Botschafter Gottes und bedienen sich bestimmter Formen und Formeln aus der Diplomatensprache: Auf die Botenformel „So spricht JHWH" folgt der Botenspruch, in dem nicht der Gesandte redet, sondern in der Ich-Form derjenige, der ihn sendet (s. Am 5,4; vgl. 1 Kön 22,27).

Sie übermitteln ihre Botschaft in ganz unterschiedlichen Redegattungen, wie Scheltwort, Drohwort, Gerichtsrede, Heilswort, Wortereignisformel („Das Wort des Herrn erging an ..."), Orakelspruch, kombinierter Geh- und Redeauftrag („Geh ...und sage ..."), Lied u.a.m.

Um ihrer Botschaft Gehör zu verschaffen, bedienen sie sich publikumswirksamer Kommunikationsmethoden: Sie reden an Orten, an denen viele Menschen vorbeikommen, am Stadttor, auf Marktplätzen, im Heiligtum (so Amos in Bet-El). Sie gebrauchen rhetorisch eindrucksvolle Bilder (Am 4,1: „Baschan-Kühe" für die Damen der Gesellschaft). Sie bringen ihre Verkündigung in eine poetisch-rhythmische Form, sogar in die des Liedes (z.B. das Weinberglied Jes 5), das vielleicht mit Saitenspiel oder Händeklatschen (Ex 21,19) begleitet wird. Sie führen eine Art Straßentheater auf mittels des Einsatzes symbolischer Handlungen: Jeremia tritt mit einem Joch um den Hals auf (Jer 27,1-22). Jesaja geht nackt im Lendenschurz eines Kriegsgefangenen (Jes 20,1-4). Ahia von Schilo zerreißt seinen Mantel, wie das davidische Reich geteilt wird (1 Kön 11,29ff). Ezechiel weist in einer Art Hungerstreik auf die kommende Notzeit hin (Ez 4). Hosea heiratet nach dem biblischen Text eine Kultdirne, denn Israel ist für JHWH eine abtrünnige Ehefrau (Hos 1; 3).


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