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Tod und Auferstehen

Der Glaube an die Auferweckung und Auferstehung Jesu von den Toten führt in die Mitte des christlichen Glaubens, wie er im Credo formuliert ist. In der Bibel bildet sich dagegen die Auferstehungshoffnung erst allmählich und zögerlich heraus.

Die Auferstehungs-Botschaft im Zeugnis der Bibel
a) im Alten Testament
Während sich die Ägypter bereits seit frühester Zeit mit Spekulationen darüber beschäftigten, ob und was nach dem Tod im Hinblick auf ein weiteres oder neues Leben zu erwarten war, sind derartige Gedanken dem Alten Testament weitgehend fremd. Erst ab der hellenistischen Zeit (ab dem 4. Jh. v. Chr.) findet man Texte, die die Rettung aus dem Totenreich /der Scheol* thematisieren. Jes 25,8; 26,19; Ps 22,28-32 und Dan 12,2f sprechen davon, dass mit dem Tod nicht das Ende aller Gottesgemeinschaft erreicht ist, sondern dass Jahwe den Tod besiegen wird und die Toten auferstehen. Dan 12,1-3 (2. Jh. v. Chr.) formuliert die Erwartung, dass beim Gericht am Ende der Zeiten die toten Gerechten zum ewigen Leben, die toten Frevler zur ewigen Abscheu auferstehen würden. Diese Vorstellung findet sich auch ausgeprägt in der jüdischen Märtyrerlegende 2 Makk 7.

b) Im Neuen Testament
Um die Zeitenwende war das jüdische Volk noch geteilter Auffassung, ob es eine Auferstehung nach dem Tode gibt oder nicht. Der traditionellen jüdischen Vorstellung einer Fortexistenz der Toten in der Scheol standen die Sadduzäer nahe, die Vertreter der führenden Jerusalemer Priesterfamilien. Sie lehnten die Vorstellung einer Auferweckung der Toten ab (Mk 12,18). Die Pharisäer dagegen lehrten nach Apg 23,6–8 die Auferstehung der Toten.
In diesen Horizont jüdischer Hoffnungen auf die Auferweckung der Toten ist auch das Bekenntnis formuliert worden, dass Jesus, der Gekreuzigte, von Gott auferweckt worden sei. Paulus nennt in seinen Briefen Gott als den „der die Toten lebendig macht“ (Röm 4,17) bzw. „Gott, der die Toten auferweckt“ (2 Kor 1,9). Die Auferweckung Jesu wird von Gott her gedacht und zu fassen gesucht. Die Hoffnung auf Auferstehung wird in den biblischen Texten nicht nur für den individuellen Menschen, sondern auch im Blick die Glaubensgemeinschaft, den sozialen Körper – oder sogar auf alle Menschen formuliert (1 Kor 15, 22; Ez 37).

Auferstehung Jesu
Die große Mehrheit der Theologen und Theologinnen ist sich heute darin einig, dass die Auferstehung Jesu wissenschaftlich nicht nachprüfbar ist. Belegbar ist aber der Glaube der Gemeinschaft der Nachfolgerinnen und Nachfolger an die Auferstehung Jesu. So erzählt Mk 16,1-8, genauer besehen von der Erfahrung der Frauen am leeren Grab. Oder der Erscheinungstext Joh 21,19-23 erzählt in Anspielung auf den zweiten Schöpfungstext von der Erfahrung der Neuschöpfung der Gemeinde nach der Auferstehung. So wie Gott in Gen 2,7 den Menschen durch seinen Atem das Leben schenkte, so schenkt der Hauch des Auferstandenen den verstörten Nachfolgern Frieden und Lebendigkeit. Auch die Erscheinungserzählungen formulieren, die Jünger und Jüngerinnen Jesu hätten ein „Sehen des Auferstandenen“ (Mt 28,7.10.17 parr; Joh 20,18.25) erfahren.
Die vermutlich älteste in Sprache gebrachte Osterbotschaft im Neuen Testament ist die sog. Auferweckungsformel. (Wir sprechen von einer „Formel“, weil die Begriffe und Struktur der Aussage quer durch die verschiedenen Schriften eine solche Konstanz aufweisen, dass man davon ausgehen kann, dass es sich um eine geprägte Wendung handelte.) Der Kernbestand der Auferweckungsformel lautete: "Gott hat Jesus aus (den) Toten erweckt" (vgl. Röm 10,9; 1 Kor 6,14; Apg 3,15, u.ö). Die Handlung Gottes an Jesus besteht im „Aufwecken aus (den) Toten“, was wieder im Blick auf das Kollektiv ausgesagt wird. Sie findet sich vor allem in den paulinischen Briefen, aber auch in den Reden der Apostelgeschichte und im Hebräerbrief.

Auf(er)stehen ins Leben
Gesamtbiblisch wird die Auferstehungshoffnung nicht als eine rein jenseitige Vorstellung formuliert. Vielmehr wird immer wieder betont, dass Gott schon in dieser Welt  zugunsten des Lebens handeln wird und gegen Todesmächte neues Leben ermöglicht (vgl. z.B. Ez 37).
Im NT wird durch die Verwendung derselben Vokabel und Verbform „auf(er)stehen“ (egeiro) für die Auferstehung Jesu und das Aufstehen geheilter Menschen (z.B. Mk 1,31; 5,42 u.ö.) sichtbar, dass der Glaube an die Auferstehung  Veränderungspotenzial für das diesseitige Leben bereithält.

* Scheol
Das hebräische Wort kann mit „Un-Land“ wiedergegeben werden. Es bezeichnet im Alten Testament die Unterwelt und das Totenreich und ist ein Ort des Nicht-Lebens. Vom schattenhaften Dasein in der Scheol sprechen Gen 37,35; Gen 42,38; Gen 44,29.31; Num 16,30.33. Die Scheol, die „Unterwelt“, wird assoziert mit Staub, Verwesung, Dunkel, Vergessenheit, Schweigen. Zunächst gilt sie als Aufenthaltsort für alle Toten; in spätalttestamentlicher Zeit jedoch wird unterschieden zwischen dem Ort für Gerechte (Dan 12,2 u.a.) und dem Ort für Sünder (Weish 4,19).

Offener Bereich   Zum Weiterlesen: Eine Predigt zu Psalm 22