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Gleichnisse

Jesus als Geschichtenerzähler seiner Zeit
Jesus war ein hervorragender Gleichniserzähler, auch wenn er weder der erste noch der einzige Gleichniserzähler seiner Zeit war. Schon im AT gibt es eine Reihe von Texten, die in ihrer Form oder ihrer Funktion den neutestamentlichen Gleichnissen recht nahe stehen, so zum Beispiel das Weinberglied Jes 5,1-7, und andere Texte, die als „Gleichnis (maschal) bezeichnet werden.
Die meisten Gleichnisse des NT sind einfache Geschichten. Sie spielen in der Alltagswelt der  Zuhörerinnen in der ländlichen Welt Palästinas in biblischer Zeit, handeln vom Brotbacken und Aussäen, von Samenkörnern und Senfstauden, von Unkraut, Vögeln, Schafen, Bauern, Arbeitern oder auch Schlitzohren, auch von Königen und Herren.

Auslegungsgeschichte
Die Anfänge der modernen historisch-kritischen Gleichnisforschung beginnt mit der Arbeit von  Adolf Jülicher (1857-1938), die »Gleichniserzählungen Jesu«. Jülicher grenzte sich vehement gegen die allegorische Auslegung ab, wie sie über Jahrhunderte geübt worden war. Der historische Jesus habe laut Jülicher nicht in allegorischer, verhüllender und uneigentlicher Form  zu den Menschen gesprochen. Jesu Gleichnisse seien einfache und klare Geschichten, die aus sich heraus verständlich seien und daher den Zuhörenden unmittelbar einleuchteten. Jesus habe schließlich mit seinen Gleichnisgeschichten didaktische Zwecke verfolgt: Er wollte Zustimmung zu seiner Botschaft erzielen und habe dazu Geschichten verwendet, die unmittelbar einleuchteten. Die »Sache«, um die es ihm ging, habe er durch ein »Bild«, einen erweiterten Vergleich, verständlich zu machen gesucht. Um ein Gleichnis also angemessen zu verstehen, müsse man den einen Vergleichspunkt, das tertium comparationis, finden, das Bild- und Sachhälfte verbinde.

Leserorientierte Zugangsweisen
Mit Charles Harold Dodd (1935) beginnt in der Forschung die Einsicht, dass die Gleichnisse die Hörer und Leserinnen unwillkürlich zu Stellungnahmen und Deutungen herausfordern.Die Leserinnen werden nicht geradezu als Teilnehmerinnen der Gleichniserzählungen wahrgenommen. So versteht Hubert Frankemölle Gleichnisse als "kommunikative Handlungen"  und Christoph Kähler schreibt Gleichnissen verändernde und sogar therapeutische Wirkung zu.
Gleichnisse aktivieren die Leserinnen und Leser. Sie tun dies auf verschiedene Weise. Rhetorische Fragen ziehen Leserinnen und Leser in den Text hinein. Offene Schlüsse fordern zur Stellungnahme heraus. So wird z.B. nicht erzählt, ob sich der ältere Bruder des „verlorenen Sohnes“ (Lk 15,11-32) der Einladung zum Fest gefolgt ist. Die Frage wird an die Lesenden Hörenden weitergegeben. Sie sind aufgefordert, sie mit und in ihrem Leben zu beantworten.

Vergleichen  heißt nicht immer gleichsetzen

Der literarische Rahmen der Gleichnisse beginnt häufig mit einer Aufforderung, die dann folgende Erzählung mit der basileia tou theou zu vergleichen.
Dieses Vergleichen sollte laut Luise Schottroff nicht als Gleichsetzen verstanden werden, das führt dann bei manchen schwierigen Herren-Gleichnissen zu extremen Fehldeutungen. Gleichnisse leiten die Hörenden an: Vergleiche Gott und das Reich Gottes mit den Herren dieser Welt. Erinnere dich an die Geschichte dieses Gottes mit den Menschen. 
In vielen Gleichnissen stoßen wir auf solche ungerechte Herren und auf ungerechte Verhältnisse: Auf einen Sklavenhalter, der seine Sklaven foltern lässt (Mt 18,21-35), einen reichen Mann, der nicht angemessen gekleidete Gäste ins Gefängnis werfen lässt (Mt 22,1-14), einen Bräutigam, der jungen Frauen die Tür vor der Nase zuschlägt (Mt 25,1-14). Im Vergleich mit dem Verhältnissen im Gleichnis wird deutlich: Gott ist anders, Gott ist nicht so – das kann als Faustregel für diese „Herren“- Gleichnisse dienen.

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