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Gottesbilder der Bibel und das Bilderverbot

Das Bilderverbot

Neben der Vielzahl an Gottesbildern spricht die Bibel davon, sich kein Bild von Gott zu machen. „Du sollst dir kein Gottesbild noch irgendein Gleichnis machen“, so beginnt das Bilderverbot in Ex 20,4, das zusammen mit dem Fremdgötterverbot am Beginn der „Zehn Gebote“ steht.

Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen (Ex 20,4-5, EÜ).

Die Einheitsübersetzung mit ihrer Wendung „Gottesbild und keine Darstellung“ kommt mit dem Wort „Darstellung“ dem nahe, was das hebräische Wort meint: Das hebräische Wort für das Verbotene heißt „etwas Behauenes“, etwas aus Stein oder Holz Gehauenes. Das soll man nicht herstellen, sich nicht davor niederwerfen und diesem nicht dienen.

Heute steht fest, daß dieser Text nicht in die Anfangszeit Israels gehört. Das Bilderverbot steht vielmehr am Ende einer Entwicklung, die von der Vielzahl von Göttern und Göttinnen in der Einzigkeit eines Gottes, dem Monotheismus, mündet. Die Bewegung, die zunächst Jahwe als den alleinigen Gott für Israel verkündet, gewinnt nach dem Untergang Jerusalems (586 v.Chr.) an Bedeutung. Die „Zuständigkeiten“ (Segen spenden, Fruchtbarkeit, Schutz, Hilfe etc.), die vorher einzelnen Göttern und Göttinnen zugeordnet waren, werden auf Jahwe übertragen. Es gibt nur einen Gott, „unser Gott ist der einzige Gott“, so lautet nach dem Exil in Babylon das Bekenntnis. Als sich jetzt der eigentliche Monotheismus durchsetzt, verbindet sich die Verehrung des einen Gottes mit dem Verbot, ein Kultbild anzufertigen.


Ein wichtiger Unterschied zwischen den im Bilderverbot untersagten Bildern und den biblischen Sprachbildern für Gott (s.u.) besteht darin, dass dreidimensionale Bilder verboten werden, kurz: Statuen. Solche Bilder konnte man handhaben, sie z.B. in Prozessionen durch die Stadt und über die Felder tragen und somit den göttlichen Segen zur Wirksamkeit bringen. Solche Bilder konnte man aber auch erobern, deportieren, zerstören  und damit die Gottheit beschädigen, auslöschen, vernichten - das ist vielen altorientalischen Gottheiten so geschehen. Gegenüber all diesen möglichen Machenschaften ist der bildlose Gott Israels unabbildbar, sagt das Bilderverbot - und unverfügbar.

Dazu kommt, dass eine Statue des Gottes Israels zwangsläufig einem bestimmten Typ Gottheit hätte entsprechen müssen. Bilder, Statuen vom Gott Israels wären in der damaligen Kultur und Landschaft der Vielgötterverehrung also Definitionen und  Begrenzungen gewesen.

Das Bilderverbot, das in seinem historischen Kontext zuallererst ein Verbot war, sich ein Kultbild, eine Götter- und Götzenstatue vom Gott Israels anzufertigen, spricht gegen die auch heute existierende Versuchung, Gott durch Bilder definieren und begrenzen, vielleicht ein Bild von Gott zementieren zu wollen und zu vergessen, dass Gott letztlich nicht verfügbar ist.


Biblische Gottesbilder

Wie können wir das Bilderverbot heute erfüllen? Dabei werden wir wieder zurück an die Bibel verwiesen. Denn die Bibel, gerade das Buch, das das Bilderverbot einschärft, redet ja wie kein anderes in Bildern von Gott: (wohlgemerkt sie redet in Bildern, die biblischen Gottesbilder sind Bildworte):Gott als Vater, Gott als Fels, Gott als König, Gott als Schild, aber eben auch Gott als Mutter, Gott als Quelle, Gott als Henne, Bärin, Gott als Licht, Gott als „Ich bin da“ (Ex 3).

Vielleicht ist diese Bildersprache und der Überreichtum an Bildern der Bibel die beste, ja vielleicht einzige Weise, von Gott zu sprechen und das Bilderverbot zu erfüllen. Die vielen Gottesbilder der Bibel leiten dazu an, sich kein festes und einseitiges Bild von Gott zu machen, in dem Gott zu einem handhabbaren Götzen wird.


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