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Die Landnahme

Das Josuabuch erzählt in den ersten zwölf Kapiteln die Einnahme des Westjordanlandes (in der Bibel als „Kanaan“ bezeichnet) durch die zwölf Stämme Israels. Unter der Führung Josuas ziehen sie bei Jericho durch den „trockengelegten“ Jordan,  zerstören die befestigten Städte Jericho und Ai und erobern von dort aus erst  den Süden und anschließend den Norden des Landes. Folgt man der alttestamentlichen Chronologie, sollten diese Ereignisse um das Jahr 1200 v. Chr. stattgefunden haben. Die Archäologie Palästinas kennzeichnet diese Epoche als den Übergang von einer städtisch geprägten Kultur der Spätbronzezeit (ca. 1550 bis ca. 1200 v. Chr.) zu einer Dorfkultur der frühen Eisenzeit (ab ca. 1200 v. Chr.). Im Laufe des 20. Jh., als zunehmend archäologische Befunde und außerbiblische Schriftdokumente vorlagen, wurden drei Erklärungsmodelle zur Landnahme der Israeliten entwickelt, in denen sich die bis in unsere Tage reichenden Auseinandersetzungen um die Siedlungsrechte auf dem Boden des „Heiligen Landes“ spiegeln.
 Offener Bereich Die drei Erklärungsmodelle zur Landnahme der Israeliten finden Sie hier.
Die Landnahme – eine Mutmachgeschichte für Heimatlose
Als König Kyrus von Persien im Jahr 538 v. Chr. den nach Babylon verschleppten Israeliten erlaubte, in ihr Land heimzukehren und den Tempel wieder aufzubauen, erwartete diese „Spätaussiedler“ gar kein romantischer Anblick: Das soll wirklich „unser Land“ sein?
Zur Stärkung des Wiederaufbauwillens und des religiösen und nationalen Selbstbewusstseins des nun gleichsam zum zweiten Mal gegründeten und geerdeten Volkes knüpften die Redaktoren der alten Überlieferungen Israels einen kühnen Bogen: Die Erzählung vom Einzug der Israeliten in „ihr“ Land wird spiegelbildlich zur Exodus-Erzählung gestaltet: Während die eine Geschichte das Volk hinaus in die Wüste führt, wird es in der anderen aus der Wüste ins Kulturland geführt. Beide Male durchziehen die Israeliten Wassermassen, die auf wunderbare Weise von Gott aufgehalten werden. Beide Male wird ein Pessachfest gefeiert – Inbegriff des Bewahrt-Werdens vor allem Bösen. Nicht aus purem Zufall ist Josuas Heerführer gerade beim Einzug ins Gelobte Land 40 Jahre alt, also in der Stunde des Auszugs aus Ägypten geboren! (Jos 14,7) Gott hat sein Volk durch die Zeit der Prüfung (40 Jahre) begleitet und ist ihm nahe.
 Offener Bereich Erfunden und wahr zugleich – Die Landnahmegeschichten der Bibel. Mehr ...
         Häufig gestellte Fragen