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Gebote / Weisung

Kaum ein Wort hat in den letzten Jahrzehnten in der christlichen Theologie des Alten Testaments einen so großen Bedeutungsaufschwung erfahren wie das Wort „Tora“. Es wurde früher mit „Gesetz“, heute aber eher mit „Weisung, Lehre“  übersetzt.

Tora
Das Wort „Tora“ ist abgeleitet vom hebräischen Verb jrh, das „unterweisen“, „lehren“ bedeutet. Die Bedeutung von Tora wäre damit zunächst einmal bestimmt als das, was gelehrt wird. Der Begriff wurzelt in der Belehrung  und Unterweisung z.B. eines Kindes oder Schülers durch seine Eltern und Lehrer (Spr 1,8; 7,2 u.a.). Er bezeichnet aber auch die Lehre der Priester (Jer 18,18, Hag 2,10-14) und die Kultgesetze (Lev 6,2.7) Auf diesem Hintergrund wird Tora im Buch Deuteronomium zur Bezeichnung der schrftlich vorliegenden Weisung Gottes (Dtn 4,4f; 30,10).
„Tora“ ist die Bezeichnung für die fünf Bücher Mose (vgl. Genesis/Tora), also für ein literarisches Gesamtwerk, in dem die unterweisenden Teile in ein Erzählwerk eingeschlossen sind - eine sorgfältig komponierte Verknüpfung von Erzählung und Gesetzgebung. Die gesetzgebenden Passagen sind die Höhepunkte des Zusammenhanges der Mosebücher. Umgekehrt aber bilden die erzählenden Teile die Voraussetzungen für die Offenbarung des Gesetzes: Das gilt zunächst und vor allem für die erfolgte Befreiung Israels aus Ägypten und die bevorstehende Landnahme. Die Offenbarung des Gesetzes steht hier am Übergang auf der Grenze zwischen Unfreiheit und Freiheit. Die Offenbarung des Willens Gottes ermöglicht somit die positive Gestaltung von Freiheit, indem sie Grenzen setzt.
Die Tora ist somit Kern und der hermeneutischer Schlüssel für den biblischen Kanon.
Im Neuen Testament wird tora meist mit nomos übersetzt (vgl. z.B. Mt 5,17).

Die Zehn Gebote
In der Überlieferung sind die zehn Gebote / der Dekalog der Inbegriff der Tora, des Gesetzes oder der Weisung. Die fundamentale Bedeutung des Dekalogs zeigt sich schon darin, dass er im Alten / Ersten Testament zweimal überliefert wird: im Buch Exodus in Kapitel 20 und im Buch Deuteronomium in Kapitel 5. An beiden Stellen folgt eine Sammlung von Gesetzen: in Ex 20,22-23,19 das so genannte Bundesbuch, in Dtn 12-26 das Deuteronomische Gesetz. Diese sind als Auslegungen und Anwendungen des Dekalogs zu verstehen.
Der Dekalog erfüllt die Funktion eines Grundgesetzes. Von allen am Sinai erlassenen Gesetzen ist nur der Dekalog in direkter JHWH-Rede an das Volk gerichtet. Die sich daran anschließenden Gesetze sind eine durch Mose vermittelte Rede Gottes an das Volk.
Mit Hilfe dieser Unterscheidung hebt die biblische Überlieferung die Zehn Gebote aus der gesamten Sinaigesetzgebung heraus und spricht ihnen eine besondere Würde zu.

Unterschiedliche Zählungen und Tafeleinteilungen
Der Text selbst bietet keine Zählung der Gebote. Dtn 4,13 spricht von „Zehn Worten" die JHWH auf zwei Steintafeln schrieb (ähnlich Dtn 10,4; Ex 34,28). Unter Wahrung der Zehnernorm existieren in der jüdischen und in den christlichen Traditionen unterschiedliche Zählungen und Tafeleinteilungen. Sie gründen in den beiden voneinander abweichenden Dekalogfassungen und in der unterschiedlichen Zuord nung des Elterngebotes zur ersten oder zweiten Tafel (s. Grafik unten).

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               Ein Beitrag mit Grafik aus der Reihe "entdecken":
               Grundsätzliches zu den Zehn Geboten und ihrer Einteilung