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Bund Gottes mit den Menschen

Mit "Bund" wird in der Bibel das Ver­hältnis zwischen Gott und dem Volk Israel beschrieben, wie es in der sogenannten  Bundesformel festgehalten ist: JHWH ist der Gott Israels, Israel ist das Volk JHWHs (Dtn 26,17-18). Durch den Bundeschluss entsteht zwischen den Partnern des Bundes eine Beziehung, die von gegenseitiger Treue und Zugehörigkeit geprägt ist.


Mehrfache Bundesschlüsse

Das AT kennt mehrfache Bundesschlüsse:

Der erste Bund wird nach der Flut mit Noach und durch ihn mit allen Lebewesen geschlossen (Gen 9,8-17). In diesem Bund sichert Gott den Bestand der Schöpfung zu, unabhängig vom Verhalten der Menschen.

Der Bund mit Abraham (Gen 15) begrün­det in Verbindung mit dem Bundesschluss vom Sinai (Ex 19,5-8) die Erwählung des Volkes Israel durch Gott. Zeichen für diesen Bund sind die Beschneidung und der Sabbat; als Bundesurkunde gilt der Dekalog. Inhalt des Bundes ist die gegenseitige Treue: JHWH schützt sein Volk und gibt ihm das verheißene Land; Israel bemüht sich um ein Leben entsprechend den Geboten Gottes. Der Bund wird als Gabe Gottes ver­standen: Auch wenn er von Seiten des Volkes immer wieder gebrochen wird, ist er von Gottes Seite aus unzerstörbar und ewig, sodass er jeweils erneuert werden kann.

Der Gedanke eines neuen bzw. erneuerten Bundes wird in Jer 31,31-34 aufge­nommen: er wird dem Volk auf das Herz geschrie­ben und ist mit der Gabe des Geistes verbunden, welcher einen erneuten Bundesbruch verhindert.

Der David-Bund beinhaltet die Zusage, dass das davidi­sche Reich und die Dynastie Bestand haben (vgl. 2 Sam 7). Dieser Bund wird in Jes 55,3-5 umgedeutet in einen Bund zwischen Gott und Volk, wobei Israel gegenüber den anderen Völkern die herrschende Rolle Davids übernimmt. Die Völker werden in den Bund einbezogen und bringen dies durch die Wallfahrt zum Zion zum Ausdruck. Dies wird im NT auf­gegriffen, indem der in Jesus Christus geschlossene neue Bund für alle Völker gilt. Der Bund Gottes mit Israel und die Erwählung Israels als Volk Gottes ist damit nicht beendet, sondern erneuert und besteht nach wie vor.

Neuer Bund/ Neues Testament

Das deutsche Wort "Bund" steht meist für das hebräische Wort berit oder das griechische Wort diatheke, die jeweils mit "Bund" oder "Testament" übersetzt werden können.
Die Begriffe Neuer / Alter Bund und Neues / Altes Testament sind
zum entscheidenden Schlüssel für das Verhältnis der beiden Teile der christlichen Bibel geworden. Doch diese Funktion wächst ihnen erst in nachbiblischer Zeit zu. Das NT verwendet diatheke im Sinne der bleibenden Beziehung zwischen Gott und Israel (Lk 1,72f; bes. Röm11,26-27). Die ntl. Aussagen über einen "neuen Bund" beziehen sich alle auf Jer 31,31-34, wobei das Neue des neuen Bundes darin besteht, dass die alte Tora Israel und Juda ins Herz geschrieben wird, so dass die Menschen von innen heraus den Willen Gottes tun. Der Hebräerbrief zitiert diese Passage wört­lich (8,8-12; 10,16f). Auch 2 Kor 3 und die Abendmahlsworte (1 Kor 11,25; Lk 22,20) sehen die erwartete Erneuerung des alten Bundes mit Christus begin­nen, wie es in Jer 31 verheißen ist. Obwohl Jer 31 nur von Israel spricht, sieht das frühe Christentum zunehmend auch die Menschen aus den Völkern einbezogen (vgl. Mk 14,24). Der neue Bund ist also ein "erneuerter Bund", der die auf dem Boden der vorhergehenden Bundesschlüsse von der Treue Gottes zu Israel und zu allen Menschen spricht.

Es ist theologisch bedeutsam, dass Jesus in den Evangeliendie Erwählung Israels und den ewigen Bund Gottes mit seinem Volk anerkennt, der auch durch menschliches Nein nicht aufgehoben werden kann. Das würde Zweifel an der Treue Gottes aufkommen lassen. Jesus selbst hat die Tora nicht verändert oder überboten, wohl aber ausgelegt und die universale Dimension der Tora, des Gottesbundes und der Propheten neu in den Blick gerückt.


 Offener Bereich Aus unserer Zeitschrift "Bibel heute"

 Die Sintfluterzählung der Bibel

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 Gottes ungebrochene Treue (entdecken: Jeremia)