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Gendersensitive Bibelauslegung

Durch die feministische Bibelauslegung in den 1970er/ 80er Jahren wurde die Frage nach den Frauen in der Bibel gestellt. Dies hat ein großes Forschungsgebiet eröffnet, das sich zunächst auf die Frauengestalten in der Bibel konzentrierte. Bei den Forschungen wurde deutlich, dass die biblischen Texte allerdings meist von Männern verfasst, von Männern überliefert und über die Jahrhunderte der Kirchengeschichte von Männern ausgelegt worden waren. Die Entdeckung dieser patriarchalen (an Vätern orientierten) Kontexte und androzentrischen (auf Männer zentrierte) Textwelten erweiterte die Fragestellungen so, dass nach Frauenbildern und -konstruktionen in den biblischen Texten gefragt wurde. Die Einführung des englischen Begriffs „gender“ zeigt nochmals eine Erweiterung an, dass nämlich die soziale Prägung und Rollen von Männern und Frauen auch bei biblischen Forschungen stärker berücksichtigt wurden – und dass Männer und Frauen gemeinsam verstärkt im Blick sind. Im Unterschied zur feministischen Bibelauslegung gibt es aber eine „maskuline Bibelauslegung“ (im US-amerikanischen Raum gibt es immerhin „masculinity studies“) im deutschen Sprachraum noch kaum.
Dabei halten die biblischen Texte noch einige spannende Einsichten bereit: So reden z.B. die biblischen Texte der Urgeschichte in einer sehr differenzierten Art und Weise vom Menschen als zweigeschlechtliches Wesen. Sie verwenden in Gen 1f. die Bezeichnung Adam als Inklusivbegriff für „den Menschen“, der eigentlich als „Menschenwesen“ wiederzugeben wäre, eine Begrifflichkeit also, die sowohl männliche als auch weibliche Züge erkennen lässt. Der „Mann“ kommt nämlich als ein solches identifiziertes Individuum erst vor, nachdem ein anderes Individuum als „Frau“ identifiziert worden ist. Anhand des biblischen Befundes in den ersten Kapiteln der Genesis kann die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen Männern wie Frauen zugesprochen werden.
Auch viele Texte aus dem Neuen Testament tragen deutlich egalitäre Züge (Gal 3,28; Mt 23,8-12; Mk 3, 31-35; u.va.m.) und offenbaren damit die befreiende biblische Botschaft vom menschenfreundlichen Gott, der Leben in Fülle für alle Menschen bereit hält – jenseits von Geschlechter- oder anderen Grenzen.
      
Weiterführende Literatur:
Marie-Theres Wacker, Stefanie Rieger-Goertz (Hg.), Mannsbilder. Kritische Männerforschung und theologische Frauenforschung im Gespräch (Theologische Frauenforschung in Europa 21), LIT Verlag, Berlin 2006, 392 S., € 24,90,
ISBN 3-8258-9267-0
Sabine Bieberstein u.a. (Hg.), FrauenBibelArbeit Reihe in über 25 Bänden
Verlag Kath. Bibelwerk, Stuttgart, 1998 – 2010, Band 1-20: € 9,50 – ab Band 21€ 10,90

Bisher erschienene Bände:
1. Frauen-Bilder ISBN 978-3-460-25281-3
2. Frauen-Leben ISBN 978-3-460-25282-0
3. Frauen-Streit ISBN 978-3-460-25283-7
4. Frauen-Dinge ISBN 978-3-460-25284-4
5. Frauen-Gefühle ISBN 978-3-460-25285-1
6. Frauen-Gottesbilder ISBN 978-3-460-25286-8
7. Frauen-Stärke ISBN 978-3-460-25287-5
8. Frauen-Trauer ISBN 978-3-460-25288-2
9. Frauen-Rhythmus ISBN 978-3-460-25289-9
10. Frauen feiern Feste ISBN 978-3-460-25290-5
11. Frauen-Sehnsucht ISBN 978-3-460-25291-2
12. Frauen-Widerstand ISBN 978-3-460-25292-9
13. Namenlose Frauen ISBN 978-3-460-25293-6
14. Frauen-Freundschaft ISBN 978-3-460-25294-3
15. Böse Frauen ISBN 978-3-460-25295-0
16. Frauen-Prophetinnen ISBN 978-3-460-25296-7
17. Frauen schaffen Frieden ISBN 978-3-460-25297-4
18. Frauen-Körper ISBN 978-3-460-25298-1
19. Maria – Mutter Jesu ISBN 978-3-460-25299-8
20. Viele Frauen und ein Mann ISBN 978-3-460-25300-1
21. Frauen und Geld ISBN 978-3-460-25301-8
23. Frauen- und Männerstrategien ISBN 978-3-460-25302-5
23. Familienbande ISBN 978-3-460-25303-2
24. Fremde Frauen ISBN 978-3-460-25304-9
25. FrauenLeidenschaft ISBN 978-3-460-25305-6

 Offener Bereich Aus unserer Zeitschrift "Bibel und Kirche":

Verlorene Frauenämter. Witwen in der frühen Kirche (4/2010)
 

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Frauen in der Jesusbewegung und in den frühen Gemeinden
(Bibel und Kirche (4/2010)
Wichtige Bibelstellen zu Frauen in der Jesusbewegung und
in den frühen Gemeinden
(Bibel und Kirche 4/2010, Tabelle)

Aus unserer Zeitschrift "Welt und Umwelt der Bibel":
Was wissen wir über den Vater und Ehemann Josef
Arbeitsbereiche von Frauen im Neuen Testament
Fünf Frauen fließen in der Tradition zu Maria Magdalena zusammen