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Die Anfänge der Kirche nach der Apostelgeschichte

Wer das Neue Testament durchblättert, stößt nach den vier Evangelien auf die „Apostelgeschichte (Apg)“.Gegen Ende des 1. Jh. wird hier geschildert, wie Christen der ersten Generation die Botschaft vom auferstandenen Messias Jesus verbreiten - bis an die Grenzen der Erde.
Die Apg ist eine Erzählung von den Anfängen der Kirche. Praxeis Apostolon nannte man die Schrift Ende des 2. Jh., was man mit „Das vielgestaltige Handeln der Boten (Jesu Christi)“ übersetzen kann.

Wer hat sie aufgeschrieben?
Dieselbe Person (oder dasselbe Team?), die auch das Lukasevangelium verfasst hat. Beide Schriften kamen als anonymes Doppelwerk um 85 n. Chr. in Umlauf. Erst gegen Ende des 2. Jh. hat man es dem Arzt „Lukas“ zugeschrieben, der eine Zeit lang Mitarbeiter des Paulus war (Kol 4,14). Offenbar konnte man sich gut vorstellen, dass dieser Mann – gelehrt und nah am Apostel Paulus – der Schreiber war. Wenn der Schreibstil auch eine römische Bildung verrät – der Verfasser benutzt etwa klassische rhetorische Figuren –, so kannte er doch die hebräischen Schriften der Juden sehr gut und deutet Jesu Auferstehung als Erfüllung der Schrift und der Verheißungen Gottes an Israel.

Worüber erzählt sie?
Wenn man weiß, dass es sich um ein zusammengehöriges Doppelwerk handelt, kann man den Inhalt beider Bücher besser verstehen. Der erste Teil, das Lukasevangelium, erzählt die Geschichte von Jesus, der zweite Teil, die Apostelgeschichte, wie es mit der Sache Jesu nach Tod und Auferstehung weiterging: wie die Kirche entstand und wie das Christentum begonnen hatte, sich auszubreiten. Beide aber erzählen die gute Nachricht vom Reich Gottes, von Gottes befreiendem Handeln und in der Apostelgeschichte besonders, wie dieses göttliche Handeln in der Welt weiterhin zu erfahren ist: Jesus hatte sich nach der Auferstehung 40 Tage lang den Aposteln gezeigt, ihnen Anweisungen gegeben sowie die Verheißung, dass Gottes Geist ihnen die Kraft geben werde, bis an die Grenzen der Erde Zeugnis abzulegen (Apg 1,8). Einige sehr bekannte Begebenheiten finden sich in der Apostelgeschichte: Himmelfahrt, Pfingstereignis, Steinigung des Stephanus, Bekehrung des Saulus, Missionsreisen des Paulus, Apostelkonzil, die Areopagrede in Athen, Aufruhr der Silberschmiede in Ephesus, ...
Ganz wichtig ist dem Verfasser aber eines: Die Jesusbewegung ist politisch absolut unbedenklich und stellt sich in keiner Weise gegen die römische Obrigkeit. Im Gegenteil, die jungen Christen halten sich akribisch an Recht und Gesetz. Und wo immer jemand versucht, die Botschaft aufzuhalten, bewirkt das nur, dass sie sich noch weiter ausbreitet. Sobald beispielsweise die Boten im Gefängnis landen, befreit sie der Heilige Geist auf wundersame Weise und bekehrt gleich noch die Gefängniswärter; schwere Verfolgungen in Jerusalem zerstreuen die Jesusanhänger/innen nach Judäa und Samarien (8,1b), Phönizien, Zypern und Antiochia; die Verfolgung des Paulus bringt die Botschaft schließlich nach Rom und darüber hinaus.
Petrus und Johannes formulieren vor dem Hohen Rat ein Kernanliegen: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (4,20). Wer die Apostelgeschichte liest, soll verstehen, was die Nachfolger Jesu bewegt, er oder sie soll begreifen, warum Petrus, Paulus und all die anderen auf diesen Gott vertrauen und in den christlichen Gemeinden leben.

Ist sie historisch zuverlässig?
Die Apg birgt viele Namen, Orte und Zeiten – der Verfasser muss gute Informationsquellen gehabt haben. Besonders über die Reisen des Paulus gab es offenkundig Wegbeschreibungen. Dennoch geht es vor allem um eine theologisch deutende Geschichtsschreibung.
Sonderbarerweise erwähnt die Apostelgeschichte die Briefe des Paulus nicht. Kannte der Verfasser sie nicht? Oder wollte er über Paulus unabhängig von dessen persönlichen Zeugnissen berichten?

Wer sind die Hauptpersonen?
Das Verwirrende ist: Die Apostelgeschichte erzählt nicht viel über die zwölf Apostel.  Hauptsächlich geht es um Petrus und Paulus. Die Spur der übrigen elf Apostel verliert sich bald. Paulus dagegen ist für die Apostelgeschichte kein „Apostel“: Das sind für den Verfasser des Buches nur die Männer des Zwölferkreises, die Jesus persönlich gekannt hatten.
Dennoch erzählt die Apostelgeschichte von vielen Zeugen Jesu, die Auspeitschungen und Gefängnisaufenthalten standhalten, mutig für die Botschaft arbeiten oder ihr Haus bereitstellen. Petrus,  Stephanus, Philippus, Hananias, Barnabas, Silas, Timotheus, Priszilla, Aquila, Lydia ...  Viele Namen der frühesten Jesusanhänger kennen wir aus der Apostelgeschichte und einige stimmen mit den Paulusbriefen überein. Der Verfasser bezeichnet sie als „Anhänger des Weges“ (9,2 u. ö.). Die Hauptpersonen sind also Menschen auf dem Weg mit der Botschaft zu den Enden der Erde.

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite "Apostelgeschichte"

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 Bis an die Grenzen der Erde: Die Konzeption der Apostelgeschichte
Das Kirchenverständnis in der Apostelgeschichte von Ralph Neubert (aus Bibel und Kirche 2/2013)