1. Bibelwerk
  2. Materialpool
  3. Material zu biblischen Themen

Die Anfänge des christlichen Mönchtums

Im 3./4. Jh. beginnt ein Auszug aus den christlichen Gemeinden: Junge Männer und Frauen gehen in die Wüste. Erst sind es nur wenige, dann finden sie Nachahmer und plötzlich, im 4./5. Jh., wird das Mönchtum zu einer Massenbewegung.
Die ersten Mönche im 3. Jh. waren Einsiedler. Das Wort Mönch, vom griechischen monachos, heißt soviel wie „Einzelner“ oder „Single“. Die Lebensform der Mönche nennt man Anachorese (griechisch für „Rückzug“ oder „Abgeschiedenheit“) oder Eremitentum (vom griechischen eremos: „Einöde, Wüste“).
Anfang des 4. Jh. entstanden dann die ersten Klöster. Der Kopte Pahom (Pachomios) gründete an der Nilschleife bei Theben mehrere Klöster, darunter auch zwei Frauenkonvente. Mitte des 4. Jh. tauchen Mönche überall in der Mittelmeerwelt auf: in Kleinasien, in Syrien und im Heiligen Land, aber auch in Spanien, Gallien und Italien.

Biblische Asketen beeindruckten die ersten Mönche
Die ersten Mönche sahen sich in einer altehrwürdigen Tradition, die mit Abraham begonnen hatte. Für Antonios ist Abraham der „erste Vorläufer des Mönchtums“ (Epistula 1,1): Dem Ruf Gottes folgend hat er Heimat und Vaterhaus verlassen. Noch häufiger als auf den Stammvater berufen sich die ersten Mönche aber auf die Propheten des alten Bundes von Elija bis zu Johannes dem Täufer.
Auch Jesus selbst wurde zum Modell. Durch seine Nachfolgeworte fühlten sich viele junge Leute angesprochen, ihre Familie zu verlassen, Berufe aufzugeben und bereit für ein ungesichertes Leben bis hin zum Martyrium zu sein: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26f). Ein besonderes Motiv bot das Gespräch Jesu mit den Pharisäern über die Auferstehung in Lk 20,34ff, wo der Verzicht auf die Ehe gewissermaßen das Leben nach der Auferstehung vorwegnimmt und den Menschen den Engeln gleich macht. Bios angelikos – „engelgleiches Leben“ wurde zum Synonym für das Mönchtum.
Den ehelos lebenden Apostel Paulus, der angesichts der Vergänglichkeit der Welt die Ehelosigkeit höher einschätzte als die Ehe (1 Kor 7,29-31), aber auch die anderen Apostel nahmen die ersten Mönche in ihren "Stammbaum" auf.

Aus einem Beitrag von Andreas Merkt in:
Der Weg in die Wüste. Die Anfänge des christlichen Mönchtums.
Welt und Umwelt der Bibel 2/2011

 Symbol Nur für Mitglieder Für unsere Mitglieder:

 Gab es Vorbilder für das Mönchtum in der Umwelt der frühen Christen?
 Byzantinische Klöster in der judäischen Wüste