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Das Buch Josua

Schon in Dtn 31,14-15.23 und dann in Jos 1 wird von JHWH als Nachfolger des Mose Josua bestimmt und eingesetzt. Der Name „Josua“ ist Programm: „JHWH ist Rettung / Hilfe“, denn ganz in Übereinstimmung mit dem Buch Deuteronomium fordert Jos 1 nicht nur zum Gehorsam gegenüber der Weisung („Tora“) Gottes auf, sondern vertritt in Jos 24 auch die ausschließliche Verehrung JHWHs als Gott Israels.

Aufbau

Das Buch Josua lässt sich dreifach gliedern: Der erste Teil, der Jos 1-12 umfasst, schildert die kriegerische Eroberung des verheißenen Landes durch das Zwölfstämmevolk. Josua bekommt von JHWH dazu den Auftrag und überquert den Jordan. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Eroberung Jerichos in Jos 6.
Zu Beginn des zweiten Teils (Jos 13-22) wird Josua wiederum von JHWH beauftragt, das eroberte Gebiet an die Stämme zu verteilen. Während in Jos 13,8-33 das Ostjordanland verteilt wird, folgt in Jos 14,1-21,42 die Verteilung des Westjordanlandes inklusive der Asyl- und Levitenstädte.
Ganz in Anlehnung an die große Abschiedsrede des Mose im Deuteronomium folgen im dritten Teil (Jos 23-24) zwei Abschiedsreden von Josua, wobei die erste zur Umsetzung des mosaischen Gesetzes als realisierte Gottesliebe auffordert (Jos 23), während die zweite den Alleinverehrungsanspruch JHWHs betont (Jos 24). Josua verpflichtet Israel feierlich auf diese beiden Punkte und stellt einen großen Stein auf, der als Zeuge dieser Selbstverpflichtung Israels dienen soll (vgl. Jos 24,25-27).  

Entstehung

Den Anfang bilden Einzelgeschichten, die an bestimmte Orte gebunden sind und wo landschaftliche Auffälligkeiten oder kriegerische Auseinandersetzungen den Aufhänger bilden. Zu Beginn des 7. Jh.s v. Chr. (Assyrergefahr) wurden Einzelgeschichten redaktionell zu einem größeren Erzählzusammenhang (Exodus bis zur Landnahme) zusammengestellt. In exilischer und nachexilischer Zeit erfolgte die Einbindung des Josuabuchs in den Zusammenhang Jos-2 Kön. Eine spätere Bearbeitung bezieht auch noch den Pentateuch mit ein.

Inhalt

Das Josuabuch bietet massive Kriegstheologie, die deutlich macht, dass im Alten Orient Krieg vor allem eine religiöse Dimension hatte. Dies wird vor allem durch die Vernichtungsweihe an JHWH deutlich, wonach die besiegten Feinde und all ihr Besitz der Gottheit geopfert, d.h. vernichtet werden. Aufgrund unseres heutigen kritischen Verständnisses von menschlicher und göttlicher Gewalt, wirken solche Texte des Josuabuchs auf uns äußerst problematisch. Doch ist es sehr fraglich, ob diese kriegerische und gewalttätige Landnahme mit all der grausamen Vernichtung von menschlichem Leben historisch wirklich stattgefunden hat. Hier gibt es nicht zuletzt aus archäologischer Sicht berechtigte Zweifel. Wahrscheinlich hat man sich die „Landnahme“ wesentlich „friedfertiger“ vorzustellen als einen langen gesellschaftlichen Prozess, in dem sich Israel nicht nur durch die von außen kommenden Nomadengruppen, sondern vor allem auch durch die Bevölkerung der sich im kulturellen Niedergang befindlichen kanaanäischen Stadtstaaten konstituiert.
Und dennoch: Die Gewalttexte bleiben. Welchen Grund könnte es haben, dass die Autoren des Josuabuchs solche Bilder und eine solche Sprache verwenden? Vielleicht muss man das Buch als ein Werk verstehen, welches in großer Not und in großer politischer und / oder kriegerischer Bedrückung verfasst wurde. Die dadurch erfahrene Gewalt wird mit Hilfe von in die Vergangenheit projezierten Gewalterzählungen „verarbeitet“, indem JHWH als gewalt(ät)iger Gott auftritt und so den Bedrängten die Hoffung gibt, dass er auch in Zeiten des drohenden Landverlustes sein Volk Israel und sein Land beschützen wird.

Offener Bereich  Hier finden Sie:

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