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Das Buch Ijob (Hiob)

Im Mittelpunkt des Ijobbuchs steht ein Menschheitsthema, nämlich die Frage nach dem Leid. Anhand der literarischen Hauptfigur Ijob wird beispielhaft das Leid von unschuldigen und gottesfürchtigen Menschen im Zusammenhang mit der Verantwortlichkeit Gottes thematisiert. Ijob, unglaublich reich, verliert zunächst seinen Besitz, dann seine Dienerschaft und seine Kinder. Zuletzt ist er selbst von schwerer Krankheit gezeichnet. Wie soll ein Mensch auf dieses Leid reagieren?

Aufbau

Ijob 1,1-2,10 bildet die Rahmenerzählung. In einem Disput zwischen Gott und Satan lässt sich Gott auf den Vorschlag ein, Ijobs Gottesfrömmigkeit durch Leid zu erproben. Trotz seines Leids ist Ijob von seiner Schuldlosigkeit überzeugt und nimmt das Leid aus Gottes Hand an. In 2,11-13 besuchen die drei Freunde Elifas, Bildad und Zofar Ijob. Nach einem Monolog Ijobs (3,1-26) folgt ein großer Dialogabschnitt (4,1-28,28). In drei Redegängen (4-14; 15-21; 22-28) wird das Gespräch Ijobs mit seinen Freunden in der jeweiligen Abfolge Elifas – Ijob – Bildad – Ijob – Zofar – Ijob geschildert (nur im 3. Redegang fehlt der Redebeitrag Zofars). Der Dialogteil wird durch einen Monolog Ijobs in 29,1-31,40 rahmend abgeschlossen. Danach tritt der vierte Freund Elihu auf, der nach einer kurzen Vorstellung in 32,1-37,24 vier Reden hält. In 38,1-42,6 liegen zwei Gottesreden vor, auf die Ijob jeweils kurz antwortet. In der abschließenden Rahmenerzählung 42,7-17 wird Ijobs (An)Klage und Gottesrede im Gegensatz zur Rede seiner Freunde von Gott als angemessen und gerechtfertigt beurteilt. Ijob wird wieder gesund. Bevor er lebenssatt stirbt, bekommt er erneut Söhne und Töchter und erhält seinen Besitz doppelt zurück.

Entstehung

Aufgrund der Zweiteilung des Ijobbuchs in eine Rahmenhandlung und einen Dialogteil, läuft die Entstehung des Buchs möglicherweise in drei Phasen ab: Ausgangspunkt des Buchs bilden die beiden Rahmenerzählungen in 1,1-2,10 und 42,7-17, die eine in sich geschlossene weisheitliche Lehrerzählung bilden. Ijob nimmt demnach sein Leid an und preist Gott. In einer zweiten Phase ist die Lehrerzählung in zwei Teile getrennt worden. Dazwischen ist ein umfangreicher Dialogteil getreten, in dem Ijob sein Leid nicht mehr annimmt, sondern Gott anklagt. In einer dritten Phase sind die Reden des Elihu eingefügt worden. Als Entstehungszeitraum wird man für das Ijobbuch einen Zeitraum vom 6.-2. Jh. v. Chr. ansetzen müssen.

Inhalt

Kann menschliches Leid einen Sinn haben? Die vier Freunde Ijobs versuchen diese Frage traditionell zu beantworten: Leid als Strafleid für Sünden; Leid infolge der geschöpflichen Endlichkeit und Hinfälligkeit; Leid als Erziehungsleid; Leid als Prüfungsleid. Ijob kann diesen Lösungsvorschlägen nicht zustimmen und Gott schließt sich ihm in den Gottesreden an. Auch er widerspricht den Lösungsvorschlägen der traditionellen Theologie. Gott räumt Ijob im Gegensatz zu seinen Freunden das Recht auf (An)Klage ein. Andererseits erweist sich Gott aber auch als der große Schöpfergott und Bändiger des Chaos, der Ijob betont auf seine Geschöpflichkeit hinweist. Da Ijob eine direkte Begegnung mit Gott hat („jetzt aber hat mein Auge dich geschaut“ Ijob 42,5), gibt er seine (an)klagende Haltung auf. Ijobs Problem löst sich also nicht durch eine theologische Lehre über Gott, sondern durch eine direkte Begegnung mit der göttlichen Wahrheit. Kann so Leid einen Sinn bekommen?