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Das Buch der Sprichwörter

Während in der biblischen Überlieferung König David als der Psalmendichter par excellence gilt, trifft dies für König Salomo im Bereich der Weisheitsliteratur zu (vgl. 1 Kön 3; 5). Viele Weisheitsschriften des Alten Testaments werden ihm zugeschrieben: Spr 1,1 „Die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids“;  Koh 1,1 „Die Worte Kohelets, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem“;  Hld 1,1 „Das Lied der Lieder Salomos“. Hierzu gehört auch die Überschrift „Weisheit Salomos“ des in der Septuaginta (griechische Bibelübersetzung) vorliegenden Weisheitsbuches.

Aufbau

Das Buch der Sprichwörter ist durch sieben Überschriften gegliedert (Spr 1,1; 10,1; 22,17; 24,23; 25,1; 30,1; 31,1), wobei Spr 1,1; 10,1 und 25,1 die jeweils nachfolgende Spruchsammlung als salomonische Sammlung ausgeben. Insofern ergeben sich folgende Sammlungen: Spr 1,1-9,18; 10,1-22,16; 22,17-24,22 (mit dem Zusatz 24,23-34); 25,1-29,27 und 30,1-31,31.

Entstehung

Kontrovers wird die Frage diskutiert, ob die Sprichwörter einer mündlichen Volksweisheit entstammen oder im Kreise von Weisheitslehrern (Schule oder königlicher Hof) entstanden sind. Bei den kurzen ein- und zweizeiligen Sprüchen, die sich vor allem in Spr 10-22 und 25-29 finden lassen, legt sich eine Verortung in der mündlichen Volksweisheit nahe. Zeitlich gesehen befindet man sich dann auch in vorexilischer Zeit (Spr 25-29 weisen z.B. in die Zeit von König Hiskija, 8. Jh. v. Chr.). Für die weisheitliche Lehrrede, die vor allem in Spr 1-9 vorliegt, wird man nicht nur einen schriftlichen Ursprung im Kreis der Weisheitslehrer annehmen dürfen, sondern zeitlich wird man hier in die nachexilische Zeit gehen müssen. Letzte Überarbeitungen des Sprichwörterbuches können dann noch in hellenistischer Zeit (3. Jh. v. Chr.) erfolgt sein. Grundsätzlich gilt, dass jede Sammlung einen komplexen Entstehungsprozess hinter sich hat und daher auch für sich analysiert werden muss.

Inhalt

Spr 1-9: Diese Sammlung von Sprichwörtern hat eine einleitende Funktion für das gesamte Buch und ist erst im Rahmen der Endfassung den übrigen Spruchsammlungen vorangestellt worden. Im Mittelpunkt dieser Sammlung stehen Frauengestalten (die fremde, verführerische Frau; die eigene Ehefrau; die Mutter; Frau Weisheit und Frau Torheit). Zusammen mit dem „Lob der tüchtigen Frau“ am Ende des Sprichwörterbuchs (Spr 31,10-31) liegt mit diesen unterschiedlichen Frauengestalten eine Rahmung des Gesamtbuchs vor. Vor allem in Spr 9 geht es anlässlich der Einladung von Frau Weisheit und Frau Torheit zum Festmahl für den Weisheitssuchenden um Leben und Tod.
Spr 10,1-22,16: Diese erste salomonische Sammlung, die aus über 370 Einzelsprüchen besteht, kreist vor allem um die Gegenüberstellung von dem Gerechten und den Frevlern / dem Frevler, wobei eine einfache schwarz-weiß Malerei, die beim ersten Lesen vorzuliegen scheint, beim näheren Meditieren des Textes, welches auch die vielfältigen Beziehungen zwischen den einzelnen Sprichwörtern und Sprichwortsammlungen berücksichtigt, in ein facettenreiches Bild hinsichtlich von gut und böse übergeht.
Spr 22,17-24,22 mit dem späteren Zusatz Spr 24,23-34: Dass die Weisheit Israels auch Weisheitsgut anderer Völker aufgreift und in die eigene Sammlung der Sprichwörter integriert, zeigt vor allem der Abschnitt Spr 22,17-23,11, der erstaunliche, teilweise wörtliche Parallelen zu der ägyptischen Lehre des Amenemope (ca. 1100 v. Chr.) aufweist.
Spr 25,1-29,27: Hier liegt die zweite salomonische Spruchsammlung vor, die vor allem Erfahrungswissen aus der Natur, der Landwirtschaft und des Handwerks bietet. 
Spr 30,1-31,31: Der Schluss des Sprichwörterbuchs wird durch die „Worte Agurs“ (Spr 30,1-33), die „Worte Lemuels“ (Spr 31,1-9) und durch das „Lob der tüchtigen Frau“ (Spr 31,10-31) gebildet.
Dem Sprichwörterbuch geht es in all seinen Aussagen weniger um Wissensvermittlung, sondern vielmehr um die „Unterscheidung der Geister“, damit der Mensch für sein Leben in einer komplexen Welt Orientierung und Halt findet.