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Die Chronikbücher

Die beiden Chronikbücher bilden eine Einheit und sind erst durch die griechische Bibelübersetzung (Septuaginta) in 1 und 2 Chr getrennt worden. Der Name „Chronik“ rührt von der lateinischen Übersetzung her. 1 Chr 1,1-2 Chr 36 erzählt die Geschichte des Volkes Israel von Adam bis zum Ende des Babylonischen Exils.

Aufbau

Die Chronikbücher sind dreigeteilt: Der erste Hauptteil 1 Chr 1-10 stellt in Form von Stammbäumen das Volk Israel von Adam über Abraham und seinen Söhnen bis zu König Saul vor. Im zweiten Hauptteil 1 Chr 11-29 steht König David im Mittelpunkt, nicht zuletzt auch deshalb, weil er den Tempelbau vorbereitet. Der dritte Hauptteil 2 Chr 1-36 befasst sich zunächst in 2 Chr 1-9 mit König Salomo. Im Vordergrund stehen der Tempelbau und kultische Regelungen für den Gottesdienst. 2 Chr 10-36 behandelt die Zeit nach der Reichstrennung, wobei im Unterschied zu 1 / 2 Kön nur noch von den Königen des Südreichs Juda berichtet wird. 2 Chr endet in 36,22-23 mit dem auch in Esra 1,1-4 vorliegenden Erlass des Königs Kyros von Persien. Die Geschichte des Nordreichs Israel wird nicht erzählt, da in den Chronikbüchern die Perspektive des nachexilischen Juda eingenommen wird.

Entstehung

Die Chronikbücher benutzen die Tora (griechisch „Pentateuch“), die Samuel- und Königsbücher, den Psalter und auch Esra und Nehemia als Quellen. Teilweise werden sie wörtlich wiedergegeben. Ob neben diesen biblischen Texten die Chronikbücher auch außerbiblische Quellen benutzt haben (vgl. 2 Chr 16,11 „Buch der Könige von Juda und Israel“ und 2 Chr 26,22 prophetische Quellen wie die Aufzeichnungen Jesajas), ist wissenschaftlich umstritten. Da die Chronikbücher ein stark nach innen auf die eigene Tradition gerichtetes Interesse haben, ist eine Datierung äußerst schwierig. Die Datierungsvorschläge schwanken vom Ende des 6. Jh.s v. Chr. bis in die erste Hälfte des 2. Jh.s v. Chr. Aufgrund der vielfältigen Unterschiede zwischen den Chronikbüchern einerseits und Esra und Nehemia andererseits, wird heute in der Forschung die Hypothese eines „Chronistischen Geschichtswerks“ (1 / 2 Chr; Esra; Nehemia) nur noch selten vertreten.

Inhalt

Die Chronikbücher bemühen sich nicht um eine historische Korrektheit im modernen Sinne, sondern legen in schriftgelehrter Weise ihre Quellen aus. Dies legt nicht nur den Schluss nahe, dass die „Chronisten“ aus dem Milieu des Tempels samt Tempelschule stammen, sondern ist auch an der kanonischen Stellung der Chronikbücher am Ende der hebräischen Bibel abzulesen, denn sie bilden die abschließende, schriftgelehrte Interpretation der beiden voraus gehenden Kanonteile „Gesetz“ (Tora) und „Propheten“ (Nebiim). Im Mittelpunkt der Chronikbücher steht der Jerusalemer Tempel samt der kultischen Verehrung des einen Gottes Israels. An dieser theologischen Mitte zeigt sich nicht nur die Umsetzung des Hauptgebots der Tora, sondern daran wird auch das Verhalten der judäischen Könige demonstriert: Wer gehorsam gegenüber JHWH ist und die mosaische Kultordnung befolgt, erlebt für sich und für sein Volk Segen. Wer ungehorsam ist, bringt über sich und sein Volk den Fluch („Tun-Ergehen-Zusammenhang“). Die Chronikbücher geben einen Einblick in die schriftgelehrte Auslegung ihrer biblischen Quellen und nehmen so eine Aktualisierung der Tora des Mose für ihre Zeit vor.

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