1. Bibelwerk
  2. Serie zur Bibel

Weizen, Gerste, Hirse

 Weizenähren Foto
Der Anbau von Getreide war schon im Altertum sehr wichtig: Funde von Gersten- und Weizenkörnern in Jericho stammen dem 8. Jt. v. Chr. Im gesamten fruchtbaren Halbmond wurden diese Getreide durch Ackerbau kultiviert, was auf Sesshaftigkeit in dieser Zeit und Region hindeutet. Gerste ist ein frühes Getreide: Es wurde im November gesät und im April geerntet, Weizen jeweils einen Monat später (Ex 9,31f).
Gerste und Weizen sind die wichtigsten Pflanzen des Heiligen Landes, die in Dtn 8,7-11 darum auch zuerst aufgezählt werden. Zwei Feste im jüdischen Jahreskreis fallen mit der Gersten- bzw. Weizenernte zusammen: Pessach und Schawuot (Ex 23,14-16; 34,18.22; Dtn 16,1.9). Diese Erntezeiten werden in der Bibel oft erwähnt: Ruben findet zur Zeit der Weizenernte Alraunen auf dem Feld (Gen 30,14). Noemi und Rut kommen zu Beginn der Gerstenernte in Betlehem an (Rut 1,22). Rut darf auf Boas Feldern Ähren lesen, bis die Gersten- und Weizenernte beendet ist (Rut 2,23). Die Gibeoniter bringen ihre Feinde zu Beginn der Gerstenernte um (2 Sam 21,9).
 Weizen ZeichnungWeizen
Weizen war dreimal so wertvoll wie Gerste (Offb 6,6) und galt als vornehmstes Getreide.
Salomon bezahlte das importierte Zedernholz mit Weizen, der Weizen wird am Königshof von Tyrus verbraucht (1 Kön 5,24f).
Jesus erwähnt Weizen oft in seinen Gleichnissen: Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein ... Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. (Mt 13,25f.28b-30a). Die Weizenkörner werden durch Dreschen von der Spreu getrennt (Mt 3,12). Bis heute ist dieses jesuanische Bildwort „die Spreu vom Weizen trennen“ gebräuchlich.

Dinkel (Triticum durum, rechts) ist eine der ursprünglichen Vorformen des heutigen Saatweizens (Triticum aestivum, links). Vermutlich sahen die Weizenähren in biblischer Zeit eher wie Dinkel aus als wie die heute gezüchteten Weizensorten.


 Gerste ZeichnungGerste
Gerste ist robuster und früher reif als Weizen. Typisch sind ihre langen Grannen, weshalb sie auf Hebräisch „die Behaarte“ genannt wird. Sie gedeiht mit weniger Wasser als Weizen und auf eher mageren Böden.
Daher war Gerste billiger, sie kostete halb soviel wie Weizen (2 Kön 7,1) oder gar nur ein Drittel (Offb 6,6) - und war das Nahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung oder auch Viehfutter (1 Kön 5,8). Arme Leute aßen auch Brote aus Gerste wie z.B. der kleine Junge, der seine fünf Gerstenbrote und zwei Fische für die Speisung der großen Volksmenge gab (Joh 6,9).
Beim Pessachfest wird mit den Erstlingsfrüchten der Gerstenernte Gott ein Dankopfer gegeben (Ex 23,14-16). Durch Hagel, eine der sieben Plagen über Ägypten, wurde die Gerstenernte zerschlagen (Ex 9,31). 
 Hirse ZeichnungHirse
Der Anbau von Hirsearten ist seit etwa 2000 v.Chr. bekannt. Gerste, Weizen/Dinkel und Hirse wurden für die Herstellung von Brot genutzt (Ez 4,9). Bevor die Menschen jedoch lernten, Brot zu backen, aßen sie geröstete Körner (2 Sam 17,27-29). Die Körner können zu einer Grütze verkocht, geröstet gegessen oder gemahlen und dann zu Brot oder Kuchen verbacken werden (Lev 23,14; Rut 2,14; 2 Sam 17,28).

Der Getreideanbau symbolisierte den Kreislauf von Werden und Vergehen, von Leben und Tod. Das Weizenkorn symbolisierte dabei Fruchtbarkeit und Reichtum – für religiöse Menschen Gottes Segen. Deshalb wurde die erste Garbe der Ernte dem Priester dargebracht (Lev 23,10f).
Im NT wird das Wachstum des Weizens zum Bild für die Ausbreitung des Reiches Gottes (Mk 4,2-9). Im Johannesevangelium bezeichnet sich Jesus selbst als Brot des Lebens (Joh 6,35.41.48), im Bild des Weizenkorns, das sterben muss, deutet er seinen Tod (12,24). Hunger und Mangel in biblischer Zeit sind präsent, wenn die Jünger am Sabbat Ähren abreißen und essen (Mt 12,1 parr) oder wenn  Jesus auffordert, um das tägliche Brot zu bitten (Mt 6,11). Missernten gefährdeten die Existenz ganzer Gesellschaftsschichten. Selbst in normalen Jahren konnten einfache Bauern oft keine Vorräte anlegen. Eine schlechte Ernte brachte dann nicht nur zu wenig Nahrung, sondern auch zu wenig Saatgut für das folgende Jahr.

  Weiter Informationen zu Pflanzen der Bibel finden Sie hier.

Zurück
Weiter