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Gottes Volk - Mustergottesdienst

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Homiletische Besinnung auf die biblischen Texte


Erste Lesung (Jes 43,16-21)
Die Kapitel Jes 40-55 werden dem Deuterojesaja zugeschrieben, der etwa zwischen 555 und 530 v. Chr. im Babylonischen Exil aufgetreten ist. Was der „zweite Jesaja“ verkündet, ist ein kraftvolles Plädoyer für eine neue Zukunft. Es ist eine Ermutigung zur Hoffnung wider alle Hoffnung. Der Gott Israels ist ein Gott, der auch im Exil da ist und das Heil der Seinen will.
Angesprochen sind die deportierten Juden am Ende der Babylonischen Gefangenschaft. Sie hatten alle Hoffnung verloren und zweifelten an Gott: Einst hat doch Gott sein Volk aus Ägypten befreit. Warum tut er jetzt nichts mehr? Steht er überhaupt noch zu seinem Volk? Der Prophet tröstet Israel mit der Zusage einer „neuen“ Zukunft: Der gleiche Gott, der die Vorfahren aus Ägypten heraus und durch die Wüste geführt hat, wird auch sein Volk aus der Gefangenschaft in Babel befreien. Und diese Hoffnung gipfelt in der Zusage: „Ich mache etwas Neues.“ „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht denken.“ Der Prophet – ein guter Rhetoriker – will gerade durch dieses Wort seine Zeitgenossen aufhorchen lassen, im Grunde durch die Wendung seiner Worte das Gegenteil erreichen: Denkt doch an die Rettung aus Ägypten, und denkt jetzt nicht ständig an euer Elend. Öffnet euch für das, was Gott mit euch vorhat: Heimführen wird er euch. Und denkt nicht an eure Schuld, die euch tötet. Der unmittelbar folgende Text zu unserem Abschnitt handelt ausdrücklich von Israels Schuld und Jahwes Gnade: „Ich, ich bin es, der um meinetwillen deine Vergehen auslöscht, ich denke nicht mehr an deine Sünden“, Jes 43,25. Der Kontext ist zu beachten.
Nehmt Gottes Vergebung an! Eure Angst vor einer ungewissen Zukunft macht euch nur krank. Lasst euch nicht festmachen von lebenstötenden Mächten, die euch lähmen und verwüsten. „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ D.h. Die Rettung ist euch ganz nahe. Begreift ihr es immer noch nicht? Lasst euch suchen – von mir, der euch eine Straße durch eure Wüste bahnt und euch einen Weg aufzeigt zum Leben. Der Prophet eröffnet seinen Zeitgenossen und damit auch uns heute im Namen Gottes eine Vision der Zukunft, die alles Erwartete übertrifft, Bilder, die eine endzeitliche Neuschöpfung anklingen lassen – in dem, der den Tod und alles, was zum Tode führt, überwunden hat. Der die Kraft hat, völlig Neues hervorzubringen, was einmal die ganze Schöpfung umfassen wird. Diese Vision wird durch die Zweite Lesung und das Evangelium vertieft und erläutert, an Ostern neu verkündet.

Zweite Lesung (Phil 3,8-14)
In der Gemeinde von Philippi stiften Irrlehrer Unruhe. Es sind die Gegner des Apostels, die Paulus nahezu überall verfolgen. Paulus setzt sich mit den Irrlehren auseinander, die den rechten Glauben gefährden. So meinen einige unter ihnen, durch die Taufe seien sie schon am Ziel. Dieser geistige Hintergrund bestimmt die Tonart der Perikope. Paulus stärkt seine Gemeinde, und er tut es mit allem Freimut: „Gebt acht auf diese Hunde, gebt acht auf die falschen Lehrer, gebt acht auf die Verschnittenen“, Vers 3,2.
Paulus weist auf seine jüdische Vergangenheit hin, um sich dann entschieden davon zu distanzieren: Jetzt ist für ihn Christus sein ganzer Lebensinhalt. Auf ihn richtet sich sein ganzes Sinnen und Trachten. Angesichts der Wirklichkeit „Jesus Christus“ ist alles andere Verlust, „Unrat“, „Dreck“, „Kot“, wenn man es wörtlich übersetzt. Warum? Weil er die Erfahrung gemacht hat, dass Gott ihm in Jesus das schenkt, was er vergeblich sich selbst erkämpfen wollte: anerkannt und angenommen zu sein von Gott. Vers 9b betont das zentrale paulinische Thema: Gerechtigkeit nicht aus dem Gesetz, sondern aus dem Glauben. Paulus stellt seine Abkehr vom früheren Leben und die totale Hinwendung zu Christus der Gemeinde vor Augen: „Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.“ „Christus gewinnen“ und „in Christus sein“ bedeutet für Paulus die neue Existenz in Jesu Gemeinde. Dabei weiß Paulus sehr wohl um die Spannung des „Schon“ und des „Noch nicht“: Wir sind noch nicht am Ziel, wir sind auf dem Weg, durch die Taufe auf die rechte Bahn gebracht. Das Ziel ist die Auferstehung der Toten, die Fülle der Gottesgemeinschaft.
Wenn wir in unser Leben zurückschauen, quält uns vielleicht das eine oder andere, was wir getan oder unterlassen haben. Verändern können wir es nicht mehr. Aber wir dürfen es loslassen, müssen die alte Last nicht mitschleppen, im Gegenteil: Je mehr wir Altes loslassen, desto eher sind wir fähig, uns, wie Paulus es formuliert, auszustrecken nach dem, was vor uns liegt: „Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis, der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“

Evangelium (Joh 8,1-11)
Die Perikope gehört nicht zum ursprünglichen Bestand des Johannes, wie der textgeschichtliche Befund zeigt und auch sprachliche Gründe darlegen. Obgleich die ältesten Textzeugen dieses Evangelium nicht enthalten, so gehört es doch zur Charakteristik der Jesusüberlieferung. Das Geschehen wird dargestellt in der Form eines Streitgesprächs, das der rabbinischen Lehre ähnelt. Jesus gerät in eine politisch sehr kritische Lage, man will ihm eine Falle stellen:
Lehnt er die Bestrafung der Ehebrecherin ab und verbleibt er folgerichtig bei seiner Verkündigung der grenzenlosen Liebe Gottes, so wendet er sich gegen das Gesetz des Mose (Lev 20,10). Bejaht Jesus hingegen die Steinigung, dann verstößt er gegen das geltende Recht der römischen Besatzung, die sich allein das Urteil über Taten vorbehielt, für die man die Todesstrafe verhängen wollte. In diesem Fall würde Jesus gegen seine eigene Sendung handeln, die doch „Gnade und Barmherzigkeit“ walten lässt. Jesus reagiert ganz anders. Er entzieht sich der Falle: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ Mit diesem Wort macht er die Fragesteller „betroffen“. Er zwingt sie zum Nachdenken. Mit dem Bild vom „ersten Stein“ wird im Grunde das Gleiche gesagt, was an anderer Stelle direkt ausgesprochen ist: „Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt“, Lk 6,37f. Jesus überführt die Ankläger, die sich hinter dem Gesetz verschanzen wollen, ihrer eigenen Schuldhaftigkeit.
Dann aber kommt das Geschehen zum Höhepunkt: Zurückgeblieben sind nur Jesus und die Frau. Von dieser aber wird immer noch gesagt, dass sie bloßgestellt „in der Mitte“ stehe. Die Zeugen, die sie zuvor „in die Mitte“ stellten, fehlen. „Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?“ – „Keiner, Herr.“ „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Jesus übersieht nicht die Schuld, verharmlost ihr Vergehen nicht. Er sieht das Innere der Frau, ihre Angst, und führt sie feinfühlig zur Umkehr. Er spricht ihr Vergebung zu und gibt ihr die Chance, ein neues Leben zu beginnen. So tritt Jesus hier nicht als Richter, sondern als Retter auf. An seinem Handeln wird die überwältigende Gnade Gottes offenbar. Die Sünderin wird zwar nicht für unschuldig erklärt, aber weil sie in Jesus Gottes Erbarmen erfährt, bekommt sie ein neues Leben.


Predigtentwurf
GNADE VOR RECHT


An die tödliche Grenze gekommen
„ Schuldig“ – „Schuldig“ – „Schuldig“ – urteilen die Geschworenen in einem Film. Das „Schuldig“ sitzt wie ein Peitschenhieb. Der Angeklagte zuckt bei jedem „schuldig“ zusammen. Aber dann ist da auf einmal eine Pause: Wo bleibt das letzte „schuldig“? Es fällt aus. Ein Geschworener zögert. – Höchste Spannung! Der Angeklagte hebt den Kopf: „Darf ich vielleicht doch noch leben?“

Freispruch
Ähnlich stelle ich mir die Augen der Frau im Evangelium vor. „Ich verurteile dich nicht!“, sagt Jesus. Was muss das in ihr ausgelöst haben? Zuerst die Schande: mit einem fremden Mann im Bett erwischt – Ehebruch, dann öffentlich „in die Mitte“ gestellt und angeklagt: „Was sagst du dazu?“ Jesus antwortet zunächst nicht, bückt sich und schreibt mit dem Finger auf die Erde – dann der Satz, der ins Gewissen ruft:
„ Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ Jesus bleibt allein zurück mit der Frau, die (immer) noch „in der Mitte“ steht. Er fragt nicht nach ihrer Tat, dem Wann, Wie und Warum, stattdessen: „Frau, wo sind sie geblieben?“ Deine Ankläger? „Hat dich keiner verurteilt?“ – „Keiner, Herr.“ Da sagte Jesus zu ihr: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Freispruch! Ihre Schuld ist vergeben. Es fliegen keine Steine. Nur einer, und der fällt vom Herzen der Frau. Sie darf aufatmen, neu aufleben.

Der neue Geist, der von Jesus ausgeht
Hier klingt ein Grundton an, der im ganzen Evangelium Jesu weiter schwingt: Lebe! Du sollst leben, sogar über den Tod hinaus. Leben schenkt Jesus allen, die ihm begegnen und ihm vertrauen. Dafür setzt er sich ein bis aufs Blut. Er heilt Gelähmte und Blinde, er spürt Dämonen auf und jagt sie davon. Er geht auf den Aussätzigen zu und lässt ihn aus der Todesgrenze des Aussatzes zurückkehren in den Lebensraum der Gesunden. Jesus geht den Verlorenen nach, richtet die gekrümmte Frau auf. Überall, wo er lebensfeindliche Schranken entdeckt, beseitigt er sie. Er befreit von Schuld. Wo immer Menschen ihm begegnen voll Vertrauen, gehen sie verändert weg, befreit zum Leben. Er verkündet nicht nur das Reich Gottes, ER setzt Zeichen. Was der Prophet seinem gefangenen Volk zuspricht, wird Wirklichkeit in Jesus: „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ Das Reich Gottes ist angebrochen, dafür ist ER sein Herold, Zeuge, Ausrufer. Und was Jesus begonnen hat, wird er einmal vollenden.

Darf man da noch zweifeln?
Manchmal begegne ich älteren Menschen, die mir sagen: „Im Kopf weiß ich schon, dass Gott mir verziehen hat. Ich habe auch alles gebeichtet, was ich gefehlt habe, aber die Schuldgefühle kommen immer wieder hoch und beunruhigen mich.“ Dem gegenüber verkündet uns Jesus Gott ganz anders; wir haben es in der Ersten Lesung gehört: „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten.“ Und wenn wir ein paar Verse dort weiter lesen, hören wir: „Ich, ich bin es, der um meinetwillen deine Vergehen auslöscht, ich denke nicht mehr an deine Sünden“, Jes 43,25. Das hat Paulus erfahren, der die Christen verfolgt hat, „maßlos“, wie er im Galaterbrief sagt. Aber seit seiner Begegnung mit dem Auferstandenen weiß er sich befreit von seiner schuldhaften Vergangenheit. „Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.“ Jesus hat auch die Ehebrecherin nicht auf ihre Vergangenheit festgelegt, sondern sie von ihrer Vergangenheit freigesprochen und sie in eine neu geschaffene Zukunft entlassen.

Glaubt doch endlich an die Frohe Botschaft,
ruft uns Jesus zu. Im Gleichnis zeigt er, wie der barmherzige Vater von weitem auf seinen verlorenen Sohn zuläuft, ihm um den Hals fällt und ihn küsst. Gott freut sich über jeden Sünder, der umkehrt und wieder heimkommt zu ihm.
Jesus geht auf den Zöllner Levi zu und ruft ihn in seine Nachfolge, isst mit den Zöllnern und Sündern und sagt: „Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten“, Lk 5,31. Der Gott Jesu Christi richtet nicht zugrunde, sondern richtet auf. Er schenkt „Leben in Fülle“. So ist Gott! Auf dieses Bild von Gott lässt sich Jesus festnageln.
Gott will, dass mein Leben gelingt. Es wird uns gut tun, dieses Bild von Gott in uns hinein sinken zu lassen, bis dorthin, wo ich so viel Unangenehmes mit mir herumtrage - vielleicht seit Jahren, wo ich Schuldgefühle hinschiebe, die mir massiv zusetzen und mich beunruhigen. Wenn ich es schaffe, mich diesem Gott zu öffnen und mich von ihm heilen zu lassen, darf ich aufatmen. Wenn ich den Mut habe, meine Schuld loszulassen, darf ich aufleben. Aus Schuld kann ich mich nicht selbst befreien, da muss ich mich befreien lassen. Ich brauche aber vor Gott keine Angst zu haben und sie krampfhaft herunterspielen oder sie Erziehern, der Umwelt oder sonst wem anlasten – ich darf mich ehrlich anschauen, wie ich bin, denn Gott liebt mich, so wie ich bin. Er sieht mich an und gibt mir Ansehen, sein Ansehen, und das macht mich froh. Ihm, der sich von den Tränen einer Sünderin die Füße berühren ließ, der sich beim Wucherer Zachäus zum Essen einlud, der dem Verbrecher am Kreuz den Himmel versprach - Ihm darf ich zutrauen, dass er auch mir alle Schuld verzeiht und sicher auch einer Frau, die mit ihrem Auto ein Kind angefahren und aus Panik Fahrerflucht begangen hat und seitdem mit Schuldgefühlen herumläuft.

Jesus gibt dir neues Leben

Du darfst dich wieder finden in der Rolle der Frau, der Ehebrecherin, aber auch in der Rolle Jesu, der jedem eine neue Chance zum Leben gibt, der ihm vertraut.
Wer sich auf die Botschaft des heutigen Sonntags einlässt, dem werden Steine vom Herzen fallen. Er darf seine Steinzeit hinter sich lassen. Er wird aufhören, selber mit Steinen oder Worten auf andere zu werfen, mit dem Finger auf sie zu zeigen.
Wir Menschen tun uns schwer, anderen zu verzeihen, aber auch uns selbst. Vielleicht tun wir uns gerade deswegen manchmal schwer mit Gott, weil er so ganz anders ist, weil ER immer verzeiht und damit aus dem Rahmen des Bildes fällt, den wir für ihn gebastelt haben. Keine Schuld ist so groß, als dass Gott sie nicht verzeihen würde. Es tut gut zu wissen, dass Jesus dir ganz persönlich zuspricht – im Sakrament der Buße. „Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“


Elemente für die Eucharistiefeier

Eröffnungsgesang
- GL 165: „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“
- GL 499: „Ehre sei dir, Christe“ (wird dieses Lied gesungen, entfällt das Kyrie)
- GL 523: „Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld“ (auch hier entfällt das Kyrie)

Eröffnungsworte
Von Sünde und Schuld zu sprechen, ist nicht modern. Aber es gibt sie, Sünde und Schuld, in unserer Welt, in unserem Leben. Kein Mensch ist ohne Schuld. Wir können mit dieser Wirklichkeit nur fertig werden, wenn wir uns ihr stellen. Wir brauchen nicht zu verzweifeln, denn in unserer Mitte lebt einer, der uns nicht verurteilt. Ihm wenden wir uns jetzt zu mit dem uralten Ruf. (Wenn das Kyrie schon im Eröffnungslied enthalten ist: Ihm dürfen wir uns grenzenlos anvertrauen.)

Kyrie - Ruf
- GL 401: „Kyrie eleison“

Gebet
Wunderbarer und barmherziger Gott. Im Leiden und Sterben deines Sohnes hast du der Welt deine Liebe gezeigt. Öffne unsere Augen für das Geheimnis unserer Erlösung durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist in unserer Mitte lebt jetzt und in Ewigkeit.

Hinführung zur Ersten Lesung
Das Volk Gottes hat in der langen Babylonischen Gefangenschaft die Hoffnung verloren. Hören wir, was der Prophet im Namen Gottes ihm und damit auch uns heute zuspricht:

Antwortpsalm
- GL 753,1: „Der Herr hat Großes an uns getan“ mit Versen aus Ps 126
- GL 269,2: „Nicht sterben werd ich, sondern leben“

Hinführung zur Zweiten Lesung
Die Umwertung aller bisherigen Werte erfuhr Paulus bei seiner Begegnung mit dem Auferstandenen. Von diesem Gnadenereignis hören wir jetzt:

Ruf vor dem Evangelium

- GL 562: „Lob dir, Christus, König und Erlöser! Mit Vers: Herr, du bist der Retter der Welt. Wir loben dich, wir preisen dich. Schenke uns neues Leben. (siehe Münchener Kantorale, Lesejahr C, S.98)

Hinführung zum Evangelium

Menschen urteilen oft hart und erbarmungslos über andere. Jesus ist anders: Er übersieht nicht die Schuld, sondern schenkt Verzeihung und Erbarmen. Der neue Geist, der von ihm ausgeht, lässt Menschen neu aufatmen.

Fürbitten
Gott lädt uns ein, ihm unsere inneren und äußeren Nöte anzuvertrauen. Darum beten wir voll Vertrauen zu ihm:
- Wir beten um den Mut zu Umkehr und Buße und um die Kraft zu vergeben, wo Glieder unserer Gemeinde schuldig geworden sind.
- Wir beten um einen gerechten Frieden, wo Völker gegeneinander kämpfen, Bürger desselben Staates einander hassen, wo religiöser Fanatismus das Vertrauen im Zusammenleben zerstört.
- Wir beten um die Achtung menschlichen Lebens, wo Menschen um ihrer Herkunft oder ihres Glaubens wegen verhaftet und gefoltert werden.
- Wir beten um einen neuen Anfang, wo Eheleute zerstritten sind, Familien sich überworfen, Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern gebrochen haben.
- Wir beten für uns und für alle, denen wir unser Gebet versprochen haben.
Gott. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt. Für dein Erbarmen danken wir dir, loben und preisen wir dich jetzt und in Ewigkeit.

Gabenbereitung
- GL 534: „Herr, wir bringen in Brot und Wein“ (dreimal: zu Beginn und vor den Priestergebeten)

Sanctus
- GL 403: „Sanctus, Sanctus, Sanctus“
- GL 481: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr der Mächte“
- GL 510: „Heilig, heilig, heilig“

Agnus Dei
- GL 161: „Gottes Lamm, Herr Jesu Christ“
- GL 404: „Agnus Dei“
- GL 511: „Herr Jesus!“

Kommuniongesang
- GL 503: „O wunderbare Speise“
- GL 483: „Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit“
- GL 493: „Lob sei dem Herrn“

Meditation nach der Kommunion
1) In der Novelle „Das Netz“ erzählt Werner Bergengruen (1892-1964):
In einem italienischen Fischerdorf auf einer Insel ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau, die des Ehebruchs überführt ist, von einem Felsen ins Meer gestürzt wird. Wieder einmal hat man einen Ehebruch aufgedeckt. Der Beschuldigten wird eine knappe Frist gewährt, in der sie ihren Mann ein letztes Mal sprechen kann. Aber der Mann ist im Dorf nicht zu finden. So wird das Urteil erbarmungslos vollstreckt. Am anderen Tag sehen die „Richter“ die Frau unversehrt am Herd ihres Hauses arbeiten. Staunen und Wut packt die Bewohner, als ihr Mann erzählt, er habe unter dem Felsen seine Netze ausgespannt, die seine Frau aufgefangen haben. Die Markgräfin wird zur Urteilsfindung herbeigerufen. Sie schenkt der schuldigen Frau ihr Goldenes Haarnetz zum bleibenden Andenken dafür, dass sie in der Liebe ihres Mannes „aufgefangen“ ist. – „Vergebung bewirkt Rettung.“

2) Bewahre mich, Gott in deinem reichen Erbarmen, wenn meine Füße straucheln – sie finden nicht immer den rechten Weg. Stütze du mich und führe mich: Zu viele Stimmen, zu viele Wege! Bewahre mich, Gott, wenn meine Füße straucheln und wenn ich falle – DU fängst mich auf wie im Netz des Fischers bin ich geborgen in deinem reichen Erbarmen, denn deine Liebe ist das Netz.
Otto Lutz, B. Smolka

3) Heute tut sie uns leid,
die Frau in der Mitte,
ein schuldiger Mensch,
weil wir wissen:

Das bin ja ich! – ausgetrickst
bloßgestellt
auf frischer Tat ertappt
aufs Kreuz gelegt –
ja, das könnte auch ich sein.

Wie gehen andere mit mir um,
wie gehe ich
mit anderen um,
wie gehe ich selbst
mit mir um ...
(Wie) geht Gott
mit mir ins Gericht?
B. Smolka

Schlussgesang
- GL 473: „Im Frieden dein“
- GL 178: „Wir danken dir, Herr Jesu Christ“

Beteiligung der Kinder
1) Die Kinder feiern einen eigenen Wortgottesdienst:
Darin eine Stein-Meditation vor dem Evangelium. Steine herumgehen lassen und blind fühlen lassen.
· Wie fühlt sich ein Stein an? – hart, schwer, kalt, unnachgiebig...
· Was kann man mit Steinen machen? – Häuser, Straßen, Brücken bauen...
· Mit Steinen kann man aber auch zerstören!
· Steine auf andere werfen = hassen, verletzen, strafen, verurteilen
Eigene Erfahrungen:
· Habe ich schon einmal auf andere Steine geworfen?
· Hat mich schon jemand mit Steinen beworfen?
· Wie fühle ich mich da?
Jetzt die Perikope vortragen und deuten.
Im Mittelpunkt steht der Satz: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ Wer von uns ist ohne Sünde? – Kein Mensch ist ohne Schuld! Vielleicht werfen wir nicht mit Steinen auf andere. Aber mit Worten und vernichtenden Urteilen. Man kann auch mit Worten andere fertig machen – kaputt machen, Freundschaft zerstören!

2) Bleiben die Kinder beim Erwachsenengottesdienst, dann könnte man einen großen Stein zeigen
(vielleicht vor dem Friedensgruß oder vor dem Vater unser) und sprechen: Wer von uns ist ohne Sünde? – Pause
Wir alle sind auf Gottes Erbarmen angewiesen. Heute soll uns die Bitte „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ besonders nachdenklich machen.
(oder das Friedensgebet: Herr Jesus Christus, du bist unser Friede und unsere Versöhnung. Deshalb bitten wir: Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke uns die Kraft, einander zu verzeihen und Frieden zu stiften.)


Elemente für eine Wort-Gottes-Feier

ERÖFFNUNG

Eröffnungsgesang
- GL 168,1.4: „O Herr, nimm unsre Schuld“
- GL 813/Diözesanteil Augsburg: „Aus der Tiefe rufen wir zu dir“
- GL 160,1-4: „Bekehre uns, vergib die Sünde“

Kreuzzeichen – Liturgischer Gruß - Einführung

Der Herr des Erbarmens und allen Trostes sei mit uns allen! Wir Menschen reden gern über andere und sehen den Splitter im Auge des anderen, den Balken im eigenen Auge aber sehen wir nicht. Ja oft sind wir versucht, andere auf ihre Schuld festzunageln. Jesus sieht uns Menschen anders. Er entdeckt in jedem (jeder) von uns immer noch Gutes und öffnet uns so den Raum für einen neuen Anfang. Rufen wir voll Vertrauen zu ihm:

Christus - Rufe
Herr Jesus Christus. Du bist gekommen, um alles neu zu machen. - Kyrie, eleison
Du willst uns retten und nicht verurteilen. - Christe, eleison
Deine Liebe ist unsere Hoffnung und Zuversicht. - Kyrie, eleison
- Unterwegs 157: „Kyrie eleison“

Eröffnungsgebet
Erbarmender Gott. Sieh auf deine Gemeinde, die voll Sehnsucht unterwegs ist zum Osterfest, das du ihr bereitest. Sie sucht Versöhnung mit dir und den Menschen. Gib uns die Kraft, einander so zu vergeben, wie du uns vergibst. Öffne uns Augen, Ohren und Herz, damit wir deine befreiende Botschaft für unser Leben hören. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

VERKÜNDIGUNG DES WORTES GOTTES

Hinführung zur Ersten Lesung
Was der Prophet im Auftrag Gottes seinem Volk in hoffnungsloser Situation verkündet, ist ein kraftvolles Plädoyer für eine neue Zukunft, eine Ermutigung zur Hoffnung wider alle Hoffnung. Auch uns schenkt Gott immer wieder einen neuen Anfang, wenn wir uns in einer Sackgasse w ähnen und ihm vertrauen.

Psalm/Gesang
- GL 753,1.2: „Der Herr hat Großes an uns getan“
- GL 191,1.2: „Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung“
- GL 168,2.3: „Wir trauen deiner Macht“

Hinführung zur Zweiten Lesung

Paulus stellt seine Abkehr vom früheren Leben und die totale Hinwendung zu Christus seiner Gemeinde vor Augen. Für ihn gilt es, Christus zu erkennen, in Gemeinschaft mit ihm zu leben und die Macht seiner Auferstehung zu erfahren.

Ruf vor dem Evangelium

- GL 174: „Jesus Christus ist der Herr“
- GL 173,1: „Lob sei dir, Herr“ mit dem Vers: „Kehrt um zum Herrn von ganzem Herzen, denn er ist gütig und barmherzig, langmütig und reich an Güte“

Hinführung zum Evangelium
Jesus gerät in eine politisch sehr kritische Lage. Gesetzestreue Schriftgelehrte schleppen eine Frau vor ihn: Ehebruch, auf frischer Tat ertappt! „Was sagst du?“ Jesus schweigt zunächst, bückt sich und schreibt mit dem Finger auf die Erde Dann folgt ein Satz, der uns aufhorchen lässt.

Predigt/Auslegung - Stille

ANTWORT DER GEMEINDE


Glaubensbekenntnis
- GL 467: „Wir glauben an den einen Gott“
- GL 450: „Wir glauben an Gott Vater“

Fürbitten
Gott schaut voll Güte auf uns Menschen, er sieht auch in unser Herz.
- Wir empfehlen Gott die Menschen, die unbarmherzig behandelt werden: in Gefängnissen, Bürgerkriegen, Flüchtlingslagern, in Gebieten großer wirtschaftlicher Not.
- Wir empfehlen Gott die Menschen, die mit anderen heillos zerstritten sind: in Familien, Nachbarschaft, Vereinen und Gemeinschaften, am Arbeitsplatz, in Parteien und in Gruppen unserer Gemeinde.
- Wir empfehlen Gott die Menschen, deren Leben aus der Bahn geworfen ist: durch eine gescheiterte Beziehung, durch Alkohol- und Drogenkonsum, durch den Verlust des Arbeitsplatzes.
- Wir empfehlen Gott die Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben und die sich nach der Vergebung mit Gott und den Mitmenschen sehnen.
Gott. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt. Du lässt uns befreit vor dir leben. Wir danken dir und preisen dich jetzt und in Ewigkeit.

Vater unser
Oft beten wir das Vaterunser – manchmal vielleicht zu schnell und gedankenlos. Heute soll uns die Bitte „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ nachdenklich machen. Bitten wir um die Gesinnung Jesu, wenn wir nun beten, wie er uns gelehrt hat:

Loblied/Danklied
- GL 300: „Solang es Menschen gibt auf Erden“
- GL 298: „Herr, unser Herr, wie bist du zugegen“

Text zur Meditation

SIEBZIG MAL SIEBEN MAL
Siebzig Mal sieben mal
sollen wir verzeihen
siebzig Mal sieben mal
von der Schuld befreien
siebzig Mal sieben mal
schenkt man uns das Leben
siebzig Mal sieben mal
wir auch uns vergeben
siebzig Mal sieben mal
waren wir verloren
siebzig Mal sieben mal
sind wir neu geboren
siebzig Mal sieben mal
- Gleich vierhundertneunzig
siebzig Mal sieben mal

darauf gibt’s keinen Reim

(Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, Pfeifer Verlag,München 1971, S. 58)

Oder:
Du wirst lachen. Gott liebt dich und
ob du’s glaubst – oder nicht: Gott liebt dich.
B. Smolka

Oder:
Gott liebt den Sünder – welch ein Glück
für uns!
B. Smolka

ABSCHLUSS

Schlussgebet

Lebendiger Gott. Oft sind wir verlorene und hoffnungslose Menschen. Heute aber hast du uns dein rettendes Wort zugesprochen, das uns aus unserer Hoffnungslosigkeit herausgerufen hat. Dafür danken wir dir. Gib, dass wir nicht dem Vergangenen verhaftet bleiben, sondern uns ausstrecken nach dem, was du verheißen hast. Bewahre uns in unerschütterlicher Hoffnung und in der Geduld deiner unbeirrbaren Liebe. Herr, dir sei Lobpreis und Dank heute und in Ewigkeit.

Segensbitte/Entlassung

Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus. So segne und begleite uns der dreieinige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Schlusslied
- GL 642: „Eine große Stadt ersteht“
- GL 297: „Gott liebt diese Welt“

Fantasie und Kreativität
Frage an alle – sowohl beim Wortgottesdienst der Kinder als auch beim Erwachsenengottesdienst –
· Was könnte Jesus in den Sand geschrieben haben?
· Was geht Jesus da durch den Kopf?
· Will er Zeit gewinnen – vor den Anklägern?
· Ist ihm die Sache peinlich?
· Was man in den Sand schreibt, kann man ja wieder löschen.
· Hat er die Schuld der Frau aufgeschrieben - und dann wieder ausgelöscht?
Nach dem Gottesdienst könnte man jedem Kind einen Stein mit nach Hause geben als Zeichen (Erinnerung) an das Evangelium!

OTTO LUTZ