"Ihr sollt ein Segen sein" - Verweigerung des Segens biblisch nicht begründbar

Die Weigerung, homosexuelle Lebensgemeinschaften zu segnen, wird häufig mit Bibeltexten begründet. Ein genauer Blick auf die biblische Überlieferung zeigt jedoch, dass die Texte damit falsch ausgelegt werden.

Prof. Dr. Thomas Hieke von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt in einem Beitrag auf, wie die entsprechenden biblischen Textstellen in ihrem Kontext zu verstehen sind - und warum sie nicht verwendet werden dürfen, um Homosexualität zu verurteilen. 

Die päpstliche Bibelkommission legt in ihrem Dokument "Was ist der Mensch? Eine Wegstrecke der biblischen Anthropologie" von 2019 (§ 189-195) Wert darauf, dass für die ethische Betrachtung des Phänomens menschlicher Homosexualität ein wörtliches Verständnis der Bibeltexte nicht angebracht sei, dass vielmehr die kulturellen Prägungen der Entstehungszeit mit berücksichtigt werden müssen sowie auch moderne humanwissenschaftliche Erkenntnisse.

So heißt es in § 195 zusammenfassend:

Bestimmte Formulierungen der biblischen Autoren sowie die disziplinarischen Richtlinien des Levitikus (= Lev 18 und 20, Anm. Bibelwerk) erfordern eine intelligente Auslegung, die die Werte, die der heilige Text fördern will, bewahrt und so eine wörtliche Wiederholung dessen vermeidet, was auch kulturelle Züge der damaligen Zeit mit sich bringt. Der Beitrag der Humanwissenschaften, zusammen mit den Überlegungen der Theologen und Moralisten, wird für eine angemessene Darstellung der in diesem Dokument nur skizzierten Problematik unerlässlich sein. Darüber hinaus wird die pastorale Aufmerksamkeit vor allem in bezug auf die einzelnen Personen erforderlich sein, um jenen Dienst am Guten zu leisten, den die Kirche in ihrer Sendung für die Menschheit zu übernehmen hat. (Übersetzung nicht autorisiert)

 

Wir sind im Katholischen Bibelwerk e.V. davon überzeugt, dass der Spender des Segens immer Gott selbst ist und bringen unsere Position daher auch weiterhin aktiv im Forum IV „Leben in gelingenden Beziehungen“ des Synodalen Weges ein.