Die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12)

Die Erzählung von der Hochzeit zu Kana steht am Anfang des Johannesevangeliums. Inmitten des Festes geht der Wein aus und Jesus verwandelt Wasser aus sechs Steinkrügen in unglaublich viel guten Wein. Dieses Weinwunder ist das erste von sieben erzählten Zeichen Jesu, theologisch und symbolisch hoch aufgeladen.

Wo und wer ist die Braut?

Wenn der Text gründlich gelesen wird, fällt ein bemerkenswertes Detail auf. In der Szene haben zahlreiche Personen ihren Auftritt: der Bräutigam, der Verantwortliche für das Fest, Diener und Dienerinnen, Gäste, darunter Jesus, seine Mutter und die Jünger*innen. Aber es fehlt: die Braut. Wer heiratet eigentlich bei der Hochzeit zu Kana?

 

Wir sind nicht die ersten, die diese Frage stellen. Eine mittelalterliche Deutungslinie identifiziert die fehlende Braut mit dem namenlosen Jünger, „den Jesus liebte“ (Joh 13,23; Joh 21,20). Er lehnt beim letzten Abendmahl an Jesu Brust oder auch in Jesu Schoß (Joh 13,25) und wird als Zeuge und Schreiber des Evangeliums mit dem Evangelisten Johannes in Verbindung gebracht (Joh 21,24). 

Die Figur des geliebten Jüngers im Johannesevangelium und die mittelalterliche Minnetradition erhalten heute im Rahmen der queeren Bibelauslegungen neue Aufmerksamkeit. Sie überschreiten gewohnte Geschlechterordnungen und Denkgewohnheiten. 

Wer den ganzen Beitrag über die Hochzeit zu Kana lesen möchte - oder wessen Interesse für queere Bibellektüren geweckt ist, ist eingeladen, unsere neue Ausgabe von „Bibel und Kirche“ zu lesen.

 

Rechts: Mittelalterliche Handschrift: Die Hochzeit zu Kana im Johannes-Libellus aus dem Basler Klarissenkloster Gnadental von 1493, im Zentrum Johannes und Jesus. © Universitätsbibliothek Basel