Das Buch Jesaja

Der Prophet Jesaja („Rettung ist/bewirkt JHWH“) trat entsprechend der Buchüberschrift Jes 1,1 in der zweiten Hälfte des 8. Jh.s v. Chr. als Prophet in Jerusalem auf. Wahrscheinlich stammt er aus der Oberschicht. Von seinem Vater Amoz ist nichts Näheres bekannt. Seine beiden Söhne Schear Jaschub („ein Rest kehrt um“) und Maher-Schalal-Hasch-Bas („schnelle Beute“) tragen symbolische Namen. Die Mutter des zweiten Sohnes wird als Prophetin vorgestellt, allerdings ohne Namensnennung (Jes 3,8). Ansonsten ist das Jesajabuch weniger an der Person des Propheten interessiert (ab Jes 40 fehlt der Name „Jesaja“) als vielmehr an seiner Botschaft, deren theologische Fortschreibungen sich in der Endgestalt des Jesajabuchs widerspiegeln.

Aufbau

Traditionell wird das Jesajabuch dreifach untergliedert in Jes 1-39 (erster Jesaja / Protojesaja), Jes 40-55 (zweiter Jesaja / Deuterojesaja) und Jes 56-66 (dritter Jesaja / Tritojesaja). Allerdings gibt es in der neueren Forschung auch Vorbehalte für die Zuweisung von Jes 56-66 an einen einzelnen, anonymen Propheten. Als erste grobe Untergliederung des Jesajabuchs ergibt sich:

Jes 1,1-12,6     (Gerichts- und Heilsworte über Jerusalem/Zion und Juda)
Jes 13,1-23,18 (Drohworte über bzw. gegen einzelne Völker)
Jes 24,1-27,13 (endzeitliche Bilder; die sog. Jesaja-Apokalypse)
Jes 28,1-35,10 (Gerichts- und Heilsworte über Israel und Juda/Jerusalem)
Jes 36,1-39,8   (Erzählungen über die Rettung Zions und Heilung Hiskijas)
Jes 40,1-55,13 (Heimkehr aus Babylon und Wiederherstellung Zions)
Jes 56,1-66,24 (innere Erneuerung der Zionsgemeinde und ihres Verhältnisses
                          zu den Völkern)

Im Unterschied zur früheren Forschung, die vor allem die authentischen Worte Jesajas aus dem Buch herausfiltern wollte, steht heute vor allem das Buch als Ganzes mit seinem Beziehungsgeflecht im Mittelpunkt der Jesajaforschung.

Entstehung

Sucht man Worte, die auf den historischen Propheten Jesaja zurückgehen, dann wird man vor allem im ersten Teil des Buchs (Jes 1-39) fündig (besonders im Bereich 1-12 und 28-32). Auch wenn es wahrscheinlich keine „jesajanische Schule“ gegeben hat, haben Theologen in einem komplexen Fortschreibungsprozess die Worte Jesajas jeweils neu ausgelegt und damit auf die jeweiligen Zeitumstände aktualisiert. Durch diese redaktionelle Arbeit entstanden Vorformen des heutigen Jesajabuchs.

Inhalt

Indem das Jesajabuch JHWH mehrfach als „heilig“ bezeichnet, wird besonders die Weltüberlegenheit und (All-)Mächtigkeit Gottes betont. Dies zeigt sich auch in seinem Gericht über Juda/Jerusalem und die Völker, wobei dieses Gericht als Läuterungsgericht auch die Möglichkeit des neuen Heils bietet, denn neben der Heiligkeit JHWHs ist das JHWH-Bild im Jesajabuch auch von einem unbedingten Heilswillen geprägt (JHWH als Schöpfer und Erhalter der Welt). So wechseln im ersten Teil 1-39 Gerichts- und Heilsworte einander ab, während der Hauptinhalt von 40-55 die unbedingte Heilszusage bildet.
Neben „heilig“ ergibt sich als weiteres Leitwort des Jesajabuchs der „Zion“. In Sorge um den Zion eröffnet das Läuterungsgericht JHWHs über Jerusalem/Juda und die Völker eine heilvolle Zukunft, in der die JHWH-Gemeinde aus der Diaspora Babylons samt der geläuterten Völkerwelt friedlich zum Zion wallfahren, um dort den einen, wahren und heiligen Gott zu verehren. Eine besondere Rolle in diesem eschatologischen Heilsgeschehen übernimmt der „Gottesknecht“ (vgl. die sog. Gottesknechtslieder in 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12). Hinter diesem Bild steht die Exilsgemeinde, die nach ihrer Rückkehr aus Babylon ihre prophetische Aufgabe sowohl gegenüber der resignierten Bevölkerung Jerusalems als auch gegenüber den Völkern („Licht für die Völker“) wahrnimmt. So steht am Ende des Jesajabuchs das „Evangelium“ von der Wallfahrt „allen Fleisches“ zum Berg Zion (Jes 66,23).

Jes 7, 9, 11 Messiastexte

Jes 11 Vision vom Davidsspross

Jes 40-55 Krise als Chance

Jes 53 Viertes Gottesknechtlied

Jes 56 Andacht zum Thema Gerechtigkeit