Licht auf den Pentateuch - Neue Publikation navigiert durch das Labyrinth der Forschung

Stuttgart, 20.02.2024 Die ersten fünf Bücher der Bibel – Genesis, Exodus, Numeri, Levitikus und Deuteronomium – werden als Pentateuch bezeichnet. Zur Entstehungsgeschichte des Pentateuchs hat sich mittlerweile fast jeder wissenschaftliche Konsens in Luft aufgelöst. Eine neue Publikation versucht, den oft verwirrenden Zustand der aktuellen Pentateuch-Forschung zu entwirren und neue Perspektiven zu eröffnen.

Bereits im späten 19. Jahrhundert legte Julius Wellhausen mit seiner Urkundenhypothese einen Grundstein für das Verständnis der Zusammensetzung des Pentateuchs. Diese Hypothese, die von vier eigenständigen Quellen ausgeht, verlor jedoch in den 1970er-Jahren an Plausibilität. Seither hat die Forschung kein neues einheitliches Modell hervorgebracht. „Besonders in der katholischen Exegese gibt es seit Jahrzehnten ein beredtes Schweigen“, wie Eleonore Reuter, Professorin für Biblische Theologie, in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Bibel und Kirche feststellt. Dieses Schweigen deutet auf die zunehmende Komplexität in der Erforschung der Pentateuch-Entstehung hin, die viele dazu veranlasst hat, sich auf die Analyse des Endtextes zu beschränken. Ein Verlust, wie Reuter findet: „Der Versuch, herauszufinden, in welchen historischen, politischen, sozialen Situationen – und für welche Menschen – die Texte geschrieben wurden, nimmt die Bibel als Gotteswort im Menschenwort ernst und verhindert fundamentalistische Deutungen.“ Besonders in Gemeinden oder Schulen könne an den ersten fünf Büchern deutlich werden, dass die Bibel zeitgebunden und mehrstimmig ist.

Die aktuelle Forschung tendiert in einem Minimalkonsens dazu, dass der Pentateuch aus Erzählkränzen zusammengewachsen ist. Aus kleinen wurden mittelgroße und schließlich vollständige Erzählzyklen, etwa die Urgeschichte oder die Erzählung vom Exodus. Dabei verliefen Aufschreiben und Erzählen, also schriftliche und mündliche Überlieferung, vermutlich parallel: Immer wieder entstanden neue – schriftliche und mündliche – Erzählfragmente. Verbindungen und Übergänge wurden geschrieben und spätere Überarbeitungen haben bereits begonnen, frühere Texte zu kommentieren. Im 4. Jahrhundert v. Chr. kam dieser Prozess zu einem Abschluss. Besondere Beachtung in der Forschung erhält derzeit das Buch Numeri, das lange stiefmütterlich behandelt wurde. Mit dem jüngsten der fünf Bücher banden seine Redaktoren vermutlich den ganzen Pentateuch – der zur jüdischen Tora wird – zusammen.

Die Fragen aber, wer und wann die Erzählkränze erstmalig zu einem durchgehenden Werk von der Schöpfung bis zur Landnahme nach der Wüstenwanderung zusammenfügte und wie die gesetzlichen Texte in diese Erzählungen integriert wurden, bleiben weiterhin offen und hochaktuell. Die neue Publikation bietet nicht nur einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung, sondern auch Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen in diesem komplexen Feld.

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Mehr erfahren: Inhalt „Update Pentateuch“ (Bibel und Kirche 1/2024)

Eleonore Reuter
Editorial 

Thomas Römer
Wege aus dem Labyrinth der Pentateuchforschung 

Friederike Neumann
Von Urkunden, Erzählkernen und Redaktionen: Neue Überlegungen zur Entstehung der Jakoberzählung

Christophe Nihan
Die Priesterschrift: Entstehung, Umfang und Dynamik einer Haupttradition des Pentateuchs

Katharina Pyschny
Das Buch Numeri im Kontext der Pentateuchforschung 

Eleonore Reuter
Eine »Umfrage« unter Pentateuchforschern 

Elisabeth Birnbaum
ZWISCHENRUF: Gebt den Schulen klare Worte!

Ruth Ebach
Zwischen allen Stühlen – die Sonderposition des Deuteronomiums 

Shimon Gesundheit
Benno Jacob als Impulsgeber für die Pentateuchforschung 

Literatur zum Heftthema 

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Weitere Informationen: 

Update Pentateuch
Bibel und Kirche 1/2024 

ISBN 978-3-948219-18-5, 60 S., 

Katholisches Bibelwerk e.V. 2024
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