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Beten – aber wie?

Stuttgart, 14.10.2026        Laut sprechen oder schweigen, singen oder still werden, jubeln, klagen, danken, bitten: Beten hat viele Gesichter. Doch was ist eigentlich ein Gebet? Braucht es dafür bestimmte Worte? Und was, wenn die Worte fehlen oder Gott zu schweigen scheint? Die neue Ausgabe von Bibel heute erkundet die Vielfalt des Betens. Sie macht Mut, eigene Ausdrucksformen zu finden und mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Wer beten möchte, muss nicht bei null anfangen. Die Bibel hält einen reichen Schatz an Worten, Bildern und Erfahrungen bereit. Der Bibelwissenschaftler Egbert Ballhorn erschließt einen ganzen Wortschatz des Betens: von „atmen“ bis „zweifeln“. Seine Sammlung lädt dazu ein, Worte zu entdecken, zu bejahen oder auch zu streichen – und so der eigenen Vorstellung vom Beten auf die Spur zu kommen. Psalmverse mit kurzen Impulsen eröffnen weitere Zugänge: zum Mitbeten, Nachsinnen, Ausprobieren und Sich-berühren-Lassen. „Wenn du selbst keine Worte hast, lies die Worte von anderen“, empfiehlt die Theopoetin Christina Brudereck im Interview. „Die Bibel will das Herz, die Fantasie, den Möglichkeitssinn füttern. Das ist für mich eine Art Beten.“ Diesem Gedanken folgt auch die neue Ausgabe von Bibel heute: Sie spricht nicht nur den Kopf an, sondern ebenso Herz, Fantasie und Körper. Neben biblischen Gebeten finden sich poetische Texte, Gedichte, Lieder und Gebete aus jüdischer Tradition. Sie zeigen, wie vielfältig Menschen ihre Beziehung zu Gott ausdrücken – und wie fremde Worte zu eigenen werden können.

Der Neutestamentler Christian Schramm porträtiert Jesus als Beter in entscheidenden Momenten seines Lebens. Ein Blick auf die alttestamentlichen Wurzeln und die jüdische Gebetspraxis eröffnet neue Perspektiven auf vertraute christliche Gebete wie das Vaterunser. Sonja Weeber öffnet den (Beziehungs-)Raum der Namen Gottes: Wie nenne ich Gott? Und was verändert sich, wenn wir Gott mit einem bestimmten Namen anreden? Auch die Erfahrung eines scheinbar schweigenden Gottes kommt zur Sprache. 

Dass Beten weit mehr ist als eine Sache der Worte, zeigt der Kirchenmusiker Norbert Hoppermann. Beim Singen schwingen Gefühle und Körper mit – und eröffnen eine besondere Weise, Gottes Gegenwart zu erfahren. Wie sich biblische Gebete ganz persönlich erschließen lassen, zeigen die vielfältigen Praxisimpulse des Heftes: durch leibliche Lektüre, die Betrachtung eines Bildes oder das Schreiben eines eigenen Psalmgebets. 

So lädt Bibel heute dazu ein, nicht nur über das Beten nachzudenken, sondern es selbst auszuprobieren. Ob mit überlieferten oder eigenen Worten, singend, schreibend oder schweigend: Es gibt nicht nur einen Weg zu beten. Manchmal beginnt ein Gebet schon dort, wo jemand nach Worten sucht.


Einblick
Beten in allen Tonlagen
Die Bibel ist voller Menschen, die Gott etwas zu sagen haben

Impuls
Was ist Beten für mich?
Eine Wortsammlung

Lukasevangelium
Beten, wenn es darauf ankommt
Wie das Lukasevangelium Jesus konsequent als Betenden zeichnet

Auf ein Wort mit Christina Brudereck
Das Herz füttern
Ein Gespräch über eigene Sprachlosigkeit, Herzenstexte und das Beten

Blick in den Text
Das Vaterunser: Worte, die tragen
Ein vertrautes Gebet neu entdecken

In der Mitte
Biblische Stoßgebete

Liturgie
„Alles, was atmet, lobe den Herrn“
Was macht Singen zu einer besonderen Form des Betens?

Horizonte
Namen, die Raum geben
Herr, Vater, Mutter, Ewige, Lebendiger…Spielt es eine Rolle, wie wir Gott nennen?

Psalmen
Wortschatz
Psalmworte mit Impulsen, die die Psalmen ins eigene Leben sprechen lassen

Spiritualität
Was passiert, wenn nichts passiert?
Biblische Erfahrungen mit dem Schweigen Gottes

Klartext
Was sage ich, wenn …
Antworten auf fundamentalistische Bibelauslegungen

Blick in den Text
Leibliche Lektüre
Welche Gefühle löst ein biblischer Text aus?

Kunst
Maria, hilf!
Hans Holbeins sog. „Darmstädter Madonna“ erzählt vom Beten – mit erstaunlichen Details

Praxis
Wortsuche
Methoden, um selbst Psalmen zu schreiben