Die gespaltene Gesellschaft ist ein Mythos - Wie biblische Impulse Zusammenhalt stärken
Stuttgart, 20.01.2026 Wer als Gruppe zusammenhält, hat nicht nur eine harmonische Gemeinschaft geschaffen. Gleichzeitig passiert eine Abgrenzung nach außen und zu anderen. Die neue Ausgabe von Bibel heute erzählt mit biblischen Texten von einem solidarischen „Wir“, von Geschwisterlichkeit als „Kampfruf“, vom Zusammenstehen gegen Hierarchien und Ungleichheiten und nimmt dabei sowohl biblische wie aktuelle gesellschaftliche Tendenzen zu Ausgrenzung und Polemik ernst.
Ein Blick auf die Headlines der aktuellen Tageszeitungen, in die Kommentarspalten gesellschaftlich-politischer Social-Media-Posts oder in die Berichterstattung von Funk und Fernsehen zeigen ein vermeintlich klares Bild: Spaltung, Hetze und Konflikte dominieren die Welt. Feindschaft statt Gemeinschaft? Gegen gesellschaftliche Frustration ermutigt die Ärztin und Autorin Gilda Sahebi in ihrem Buch „Verbinden statt spalten“: „Die gespaltene Gesellschaft ist ein Mythos.“ Die Gegenerzählungen sind jedoch oft keine Titelmeldung wert, passieren eher im Privaten. „Verbinden statt spalten“: Diesem Motto geht die neue Ausgabe von „Bibel heute“ nach. Sie verfolgt Spuren durch Texte des Alten und Neuen Testaments, die Visionen einer alternativen, friedvollen und gemeinschaftlichen Gesellschaft entwerfen, und zwar nicht nur als Utopie, sondern als gelebter Anfang eines großen Ganzen, bei dem alle mitmachen sollen. Dabei sind die Anfänge oft gar nicht von Zusammenhalt oder Geschwisterlichkeit geprägt. Bäuerinnen und Bauern wehren sich in Nehemia 5,1 gegen drohende Schuldsklaverei ihrer Söhne und Töchter mit dem Kampfruf „Wir sind Geschwister!“. Ps 133 entwirft ein Bild von Gemeinschaft, das in der Vorstellung des Vereintseins in Gott selbst – und zwar in vollkommener Verschiedenheit aller – wurzelt. Diese Vorstellung ist auch ein (Wunsch-)Traum in Zeiten, in denen das Volk Israel sich nach Frieden und Versöhnung sehnt. Ein solches „Einssein“ in Gott wird bei Paulus „einer sein im Christus Jesus“ und gibt neue Maßstäbe für Denken und Handeln vor. Die frühchristlichen Gemeinden probieren als Pionier:innen etwas ganz Neues aus, ein Miteinander, das verändert und verändern soll: Egal wo man herkommt, ob als Frau oder Mann, welche Rolle oder gesellschaftlichen Status man hat, „zu den Bürgerversammlungen Gottes [haben] alle Menschen [… ] gleichwürdigen und gleichwertigen Zugang, sie haben Stimme und Gestaltungsmöglichkeit“, führt Sabine Bieberstein, Professorin für Neues Testament in Eichstätt, aus. So weit, so gut. Doch wo ist diese friedfertige Gleichheit in Vielheit heute geblieben? Und wie realistisch ist ein solches Programm? Auch Hoffnungsbilder gehören kritisch hinterfragt, weiß die neue Ausgabe von „Bibel heute“. Transformationsprozesse hinterlassen Spuren. Der gleiche Paulus, der die Dynamik eines „Denkt neu!“ in Anerkennung der Würde aller fordert, teilt im 2. Korintherbrief polemisch und teils unsachlich gegen gegnerische Gruppierungen aus. Dabei stellten diese Gruppen offenbar weniger inhaltlich-theologisch ein Problem dar, sondern standen eher in der Rivalität um eine exklusive Beziehung mit der Gemeinde, wie Prof. Friederike Eichhorn-Remmel, Dekanin des theol. Studienjahrs in Jerusalem, es auf den Punkt bringt.
Die neue Ausgabe von „Bibel heute“ regt mit vielen Impulsen zum Nachdenken an: Im Hinblick auf die Hintergründe der jüdischen Regel, dass immer erst zehn Juden versammelt sein müssen, um Gottesdienst halten zu können, im Gespräch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, den eine Hochschulgemeinde stärken will, mit Fragen zum Gemeinschaftsverständnis Jesu selbst oder künstlerisch-kreativen Auseinandersetzungen zum Heft-Thema. Zudem gibt sie im „Klartext“ konkretes verbales Rüstzeug an die Hand, um Antworten auf fundamentalistische Bibelauslegungen zur „Unterordnung der Frau“ geben zu können und so auch Diskussionsgräben zu überwinden. Im besten Falle resultiert aus der Lektüre ein Schritt zu mehr Wir-Gefühl im Kleinen, der als ein Klebepunkt im Sinne der vorgestellten „BibleTapeArt“ den Anfang für Größeres macht: um Gespaltenes anzufragen, Zerbrochenes neu zu verkleben und Anreize zu schaffen, mehr Einheit in Vielfalt zu wagen!
Inhalt der Ausgabe „Zusammenhalt“
(Bibel heute 4/2025)
Einblick Von Verbindung erzählen
Psalm 133 Wir sind Geschwister Psalm 133 sieht den Himmel auf Erden.
Auf ein Wort mit Burkhard Hose Zusammenhalt stärken Wie kann eine Hochschulgemeinde den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?
Judentum Nur in Gemeinschaft vollkommen Aus jüdischer Sicht strahlen die Menschen in der Gruppe heller als einzeln
2 Korinther 10-13 Paulinische Feindbilder unter der Lupe Zusammenhalt in einer Gemeinschaft ist ein hohes Gut. Doch was ist, wenn das „Wir“ zu Ausgrenzung und Polemik führt?
In der Mitte
Markus 3,31-35 Die Familie hält zusammen? Wie Jesus eine traditionelle Gemeinschaft neu definiert – mit einer entscheidenden Lücke. | Galater 3,26-28 Wenn alle „einer“ sind … Im Glauben an den Christus entsteht eine Gemeinschaft, die alle gesellschaftlichen Hierarchien überwindet.
Klartext Was sage ich, wenn … Antworten auf fundamentalistische Bibelauslegungen
Kunst Bitte Platz nehmen! Abstand halten oder zusammenrücken? In Essen ist ein Corona-Denkort entstanden.
Praxis Zusammenhalt im Wort erleben Ein Rückblick auf zwei Veranstaltungen des Bibelwerks.
Apostelgeschichte 4,32-35 „Ein Herz und eine Seele“ Allen war alles gemeinsam.
Praxis BibleTapeArt Eine Methode, Bibel und Lebenserfahrung miteinander zu verkleben. |