Erfahrungen von Menschen
Mit Gott und der Welt

Aufgeschrieben für Menschen
Begeistert – am Boden zerstört

Heilig und ganz alltäglich

Fragt wie Kinder
Findet sich nie ab, dass alles so ist

Lied, Schrei und Märchen
Wirklichkeit Gottes – und der Welt                (Wolfgang Baur)

 

 

Informationen zur Einheitsübersetzung 2016

Einheitsübersetzung 2016

Am 20. September 2016 stellte die Deutsche Bischofskonferenz nach zehnjähriger Arbeit die überarbeitete EInheitsübersetzung der Öffentlichkeit vor. Mit großer Deutlichkeit benannte der Vorsitzende des Leitungsgremiums, Bischof em. Dr. Joachim Wnake, dabei die Herausforderung und Chance jeder Revision eine Übersetzung: "Viel Vertrautes bleibt, und einiges wird uns ungewohnt vorkommen - eine wunderbare Chance, dass wir wieder genauer hinhören und Gottes Wort neu an uns heranlassen." 

Die Einheitsübersetzung ist die katholische Übersetzung für alle Bereiche kirchlichen Lebens (Liturgie, Katechese, erkündigung, private Lektüre, etc.) im gesamten deutschsprachigen Raum.

Den Anfangsimpuls gab 1960 das Katholische Bibelwerk e.V., schließlich konnte nach 10jähriger Testphase im Jahr 1980 eine approbierte Textfassung von den deutschprachigen Bischofskonferenzen herausgegeben werden. Die Überarbeitung der "alten Einheitsübersetzung" war lange angemahnt worden, v.a. wegen neuerer theologischer, textkritischer als auch hermeneutischer Erkenntnisse. Seit 2016 liegt nun die erste Revision der Einheitsübersetzung vor. Die Überarbeitung hat zwei grundlegende Merkmale: Der Gottesname Jahwe wird nicht mehr verwendet, sondern als "HERR" umschrieben. Der Text ist stilistisch weniger glatt, weil Sprachbilder und Metaphern näher am Urtext belassen wurden. 

Das Katholische Bibelwerk e.V. ist als bibelpastorale Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz mit der pastoralen Begleitung betraut worden.

Der Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH ist für die Herausgabe verschiedenster Bibelausgaben, das Liturgische Institut für die Erstellung Liturgischer Bücher zuständig. 

Wenn Sie inhaltliche Fragen und Anregungen zur Übersetzung haben, schreiben Sie uns gerne!

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Weitere Texte und Videos: Die Kunst des Übersetzens - Zur Einführung ab Advent 2018 - Die Bibel neu übersetzt - Wie die junge Frau zum Kind kommt -  

Zahlreiche bibelpastorale Materialien des Katholischen Bibelwerk e.V. unterstützen das neu vertraut werden mit dem Text. Informieren SIe sich in unserem aktuellen Prospekt oder scrollen Sie einfach nach unten in die Produktleiste.

Vergleich aktueller Bibelübersetzungen

Welche Bibelübersetzung ist wofür geeeignet? Die Unterschiede sind gewaltig.

Hier finden Sie eine Zusammenstellung der gebräuchlichsten deutschen Bibelübersetzungen mit Beschreibungen und Kommentaren.

Kurzeinführung in alle Bücher der Bibel

Ausführliche Erklärungen und Bibelarbeiten zu einzelnen Texten finden Sie im Materialpool

Die Bibel – das „Buch der Bücher“
Kurzeinführung in alle Bücher der Bibel von Wolfgang Baur

Die Bibel (= griechisch „Bücher“) ist eine Sammlung von 73 Einzelschriften, die im Laufe von etwa 1000 Jahren entstanden sind. Viele von ihnen hatten vor ihrer schriftlichen Fassung eine lange mündliche Geschichte. Sie wurden zuhause den Kindern weitererzählt oder im Gottesdienst als Lied gesungen, von Predigern in der Mission verkündet oder als Lehrstücke für Schüler verwendet.
Eines haben sie alle gemeinsam, so unterschiedlich sie sein mögen und so fremd, ja ärgerlich manches darin für unser heutiges Empfinden ist: Hinter ihnen stehen Menschen, die daran glauben, dass Gott in dieser Welt wirkt, und zwar im Großen wie im Kleinen.

Die Hebräische Bibel (Das „Alte Testament“)

46 Schriften haben wir Christen vom Judentum übernommen: Es ist die Bibel Jesu. Man könnte sie auch das „erste Testament“ nennen, denn unsere christlichen Bücher wollen es nicht ersetzen, sondern weiterführen. Die Hebräische Bibel besteht aus der Tora („Weisung“, die ersten 5 Bücher), den Büchern der Geschichte Israels (Josua – Makkabäer), den Bücher der Lehre und des Gebets (Ijob – Jesus Sirach) und den Propheten (Jesaja – Maleachi). Einige Spätschriften fanden nur Eingang in die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (die „Septuaginta“). Sie fehlen in manchen Bibelausgaben oder stehen zwischen  den Texten des Alten und Neuen Testamentes: Tobit, Judit, Ester, Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch, Daniel.

Das Buch Genesis (1. Mose, „Entstehung“)

Das erste Buch der Bibel erzählt von der Entstehung der Welt, der Menschheit in ihrer Vielfalt und der Geburt des Volkes Israel. Die ersten Kapitel, die sog. „Urgeschichte“ verstehen sich nicht als naturwissenschaftlicher oder historischer Bericht, sondern als Glaubensaussage über das Wesen der Welt und des Menschen und über deren Beziehungen zu Gott. Die Geschichte der Mütter und Väter Israels begründet die große Hoffnung Israels, von Gott selbst geführt zu werden. Das Buch schließt mit der Auswanderung der Vorfahren Israels nach Ägypten.

Das Buch Exodus (2. Mose, „Auszug“)

Das Buch Exodus schildert die Ereignisse von der Volkwerdung Israels bis zum Bundesschluss am Berg Sinai. Wesentlicher Bestandteil ist der Auszug („Exodus“) der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des Mose. Die Erzählung verbindet den Aspekt der Befreiung aus der Sklaverei mit dem Bundesschluss am Sinai, wobei der gewonnenen Freiheit durch die Gesetzgebung Form und Gestalt gegeben wird. Neben den Zehn  Geboten (Ex 20) gehört die Vorstellung Gottes durch seinen Namen (Ex 3) und seine Selbstcharakterisierung (Ex 34,6-7) zu den zentralen Aussagen des Buches.

Das Buch Levitikus (3. Mose, „das Priesterliche“)

Das Buch besteht fast ganz aus Vorschriften für den Kult und für die Priester aus dem Stamm Levi. Lev 8 ‑10 greift auf Ex 40 (Einsetzung der Priester aus dem Stamm Levi) zurück. In Kap. 1‑ 7 stehen Anweisungen für verschiedene Opfer; in Kap. 11‑15 folgen Vorschriften über die kultische Reinheit; Kap. 16 ist das Ritual für den Versöhnungstag. In Kap. 17‑26 folgt das sogenannte Heiligkeitsgesetz, eine Gesetzessammlung, die in ihrem Grundbestand alte Vorschriften ethischer und kultischer Art enthält. Ein Höhepunkt ist Kap. 19 mit dem Gebot der Nächsten und Feindesliebe.

Das Buch Numeri (4. Mose, „Zählungen“)

Numeri beginnt mit der Zählung der wehrfähigen Israeliten. Die Geschichtsdarstellungen und die Gesetze im Buch Numeri erinnern Israel an die verhängnisvollen Folgen des Murrens gegen Gott, des Aufbegehrens gegen Mose und gegen die priesterliche Kultordnung, und des Götzendienstes. Sie zeigen, dass Gott von seinem Volk auch in Zeiten der Not Treue erwartet und bei Versagen des Volkes schwere Strafen verhängt, dass er aber auch zur Vergebung bereit ist, wenn sich Fürsprecher wie Mose für ihr Volk einsetzen. Wie Gott Israel durch die Wüste geführt hat, so wird er es auch weiter durch die Geschichte führen.

Das Buch Deuteronomium (5. Mose, „das zweite Gesetzbuch“)

Im 8. Jh. v. Chr. ließ König Hiskia von Israel eine überarbeitete  Zweitschrift (Deuteronomium) der überlieferten Weisung anfertigen. (vgl. 17,18). Sie erzählt von den letzten Lebenstagen des Mose und schließt den Pentateuch (das „Fünfbuch“) ab). Das Buch enthält zum Teil sehr alte Texte. Doch in seine jetzige Gestalt wuchs es im Exil (6. Jh. v. Chr.) und nach dem Exil hinein. Assoziationen aus der jeweiligen Gegenwart fließen ein. Z. B. erscheint der Perserkönig Kyros in der Rolle des Mose.  Indem Israel seine späteren Ordnungen und Einsichten bis in die Zeit des Mose zurückverlegt, bekennt es, dass es sich dabei um Gottes Weisung und Setzung handelt, an der man für immer festhalten soll.

Die Bücher der Geschichte des Volkes Gottes

Das Buch Josua („Der HERR ist Hilfe“)

Es ist nach dem Nachfolger des Mose benannt und berichtet vom Einzug Israels in das verheißene Land. Der erste Teil erzählt von der Landnahme als einem riesigen Feldzug. Der zweite Teil berichtet über die Aufteilung des Landes unter die 12 Stämme. Im dritten Teil wird Israel durch Josua zum Gehorsam gegen Gott verpflichtet. Das ganze Buch bezeugt, dass Gott die Landverheißung eingelöst hat.

Die Darstellung ist nicht historisch zu belegen.  Sie dient zur  Ermutigung für die Israeliten des 7. Jh. v Chr., die miterleben mussten, wie Stück um Stück ihres Staates von Feinden erobert wurde. Der Verfasser (evtl. beauftragt von König Josias) führt dem Volk Israel weniger die Faszination militärischer Erfolge vor Augen als das Wunder, dass das kleine Völkchen Israel einer Übermacht standhielt.. In dem auf diese Texte folgenden Jahrhundert, im Exil, hatten die Kinder Israels solche Ermutigung bitter nötig.

Das Buch der Richter

Es hat seinen Namen von den »Richtern«, die in der Zeit der Sesshaftwerdung Israels in Palästina wichtige Funktionen erfüllten.. Das Buch schildert, wie Israel immer wieder sein Verhältnis zu Gott aufs Spiel setzt. Jedes Mal folgen als Strafe Niederlagen und politische Schwierigkeiten. Als von Gott gesandte Retter treten dann die »Richter« auf. So lernt Israel in seiner Geschichte, dem HERRN allein zu vertrauen.

Das Buch Rut

Die novellenartige Erzählung gehört zu den »Geschichtsbüchern«. Sie entstand kurz nach dem »Exil« der Israeliten in Babylon. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Verhältnis Israels zu den Heidenvölkern. In dem Bekenntnis der nichtisraelitischen Frau Rut: »Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott«, wird gezeigt, dass Gott auch den Heiden, die sich zu Abraham und seinen Nachkommen bekennen, Segen und Heil schenkt. Rut als bodenständig‑bäuerliche Frau und heimatlose Ausländerin ist interessanterweise eine Stammmutter Jesu (vgl. Mt 1,5).

Die Samuelbücher

Sie berichten vom Ende der Richterzeit und dem Anfang des Königtums in Israel unter Saul und David. Der Richter und Prophet Samuel wirkt an der Entstehung des Königtums maßgeblich mit. Dieses wird von Anfang an ambivalent geschildert: Als Versuchung zu Selbstherrlichkeit und Unrecht sowie als unzerstörbare Mitte des Volkes Gottes. So wird in 2 Sam 7 der Grund für die messianische Erwartung gelegt, die bis ins Neue Testament weiterwirken sollte.

Die Königsbücher

Zwei weitere Schriftrollen führen die Darstellung der Samuelrollen fort: Am Anfang steht das, was Israel sich vielleicht bis heute als Traumzustand erhofft: das Königtum Salomos und der Tempelbau, Inbegriff der Harmonie von Gott, König und Volk. Dann aber folgt der Zerfall Israels in ein Südreich (Juda) und in ein Nordreich (Israel). Die Könige des Nordreichs werden wegen des Kultes in Bet‑El getadelt, der im Widerspruch zum Gottesdienst in Jerusalem steht. Am Ende ist von Israel nichts mehr übrig außer das winzige Hoffnungszeichen des um 560 v. Chr. begnadigten Königs Jojachin. Politisch unterlag es den Assyrern (722) und Babyloniern (586). Als Grund für den Verlust des Landes nennen die Königsbücher aber die Gottvergessenheit Israels. Es geht ihnen darum, Lesern die Augen dafür zu öffnen, dass Gottes Wort – vermittelt durch Propheten – die einzig wirkliche Macht der Geschichte ist.

Die Chronikbücher

Der „Chronist" verfasste im 4. Jh. v. Chr. eine Geschichte Israels von Adam und Eva bis zur Gegenwart. Schwerpunkte setzt er bei David, dem „Idealkönig". Dieser hat seinem Reich eine Hauptstadt gegeben, den Tempelbau vorbereitet und einen Kult gegründet. In der königlich‑kultischen Verbindung zu Gott strömt das Glück des Volkes. Sobald dieser „Draht" gestört ist, erleiden König und Volk Schiffbruch. Darum gilt auch in der späteren Geschichte das Interesse des Chronisten besonders der Entwicklung des Tempels. Vor dem finsteren Horizont gottfernen Scheiterns entwirft der Chronist eine Vision des Reiches Gottes auf Erden.

Die Propheten Esra („Hilfe“) und Nehemia („der Herr hat getröstet“)

Diese beiden Bücher stammen aus der Zeit nach dem babylonischen Exil. Der Priester Esra („Hilfe“) verpflichtet Israel auf das überlieferte Gesetz. Der strenggläubige Nehemia („Gott hilft“) leitet den Wiederaufbau Jerusalems und die Einweihung des zweiten Tempels. Die Neubegründung des religiösen Lebens im Land nach dem Gesetz des Mose bezeichnen nach dem Verfasser der Bücher Esra und Nehemia die Wende vom Unheil zum Heil, von einer Zeit des Gerichts und des Zorns zu einer Zeit der neuen Zuwendung Gottes zu Israel und Israels zu seinem Gott.

Das Buch Tobit

Ein frommer Israelit namens Tobit, der nach dem Untergang des Nordreiches Israel in Assyrien lebt, erfährt während einer schweren Glaubensprüfung die Hilfe Gottes. Das Buch will nicht geschichtliche Ereignisse überliefern, sondern hat religiöse und sittliche Unterweisung zum Ziel. In der Person des Verbannten Tobit spricht der Erzähler das Volk Israel im Exil an. Als Trost für die Vertriebenen formuliert das Buch die Glaubensüberzeugung, dass jeder Israelit in den Nöten der Diaspora die rettende Hilfe seines Gottes erfahren kann, wenn er in Treue zu diesem Gott und seinem Gesetz steht.

Das Buch Judit

Die durch den Druck des machtvollen heidnischen Königs Nebukadnezzars (Kap. 1-3) hervorgerufene Glaubenskrise der Einwohner von Betulia (Kap. 4-7) wird durch Judit, einer gottesfürchtigen Frau, überwunden (Kap. 8-16). Sie führt den Ausweg aus der Bedrängnis vor: Die Umkehr zu Gott und das Vertrauen auf die in seinem Heilsplan beschlossene Offenbarung seiner universalen Königsherrschaft. Mutig setzt Judit ihr Leben ein und erfährt beispielhaft für ihr Volk die rettende Hilfe Gottes.

Das Buch Ester

Es entstand vermutlich im 3. Jh. v Chr. in der jüdischen Diaspora. Als Weisheitserzählung mit historischen Anknüpfungspunkten sollte sie einerseits Jüdinnen und Juden in einer oft feindlichen Umgebung ermutigen, andererseits deren Verfolger zum Nachdenken bewegen. Im Zentrum stehen zwei Gegenspieler: Ester verkörpert die Frau Weisheit, die listig und mutig agiert und zusammen mit Mordechai ein vorbildliches Judentum verkörpert. Haman verkörpert den gewalttätigen Judenhasser, der von seiner Frau Seresch (Inbegriff der Torheit) schlecht beraten wird. Der utopische Sieg der Juden am Ende der Erzählung will die Vergangenheit aus Sicht der Unterdrückten so darstellen, dass „die heutigen Unterdrücker darin eine erbärmliche Figur machen und die heute Besiegten als die einstigen Sieger erscheinen." (Jan Assmann) Am Purimfest wird die gerettete Gemeinschaft karnevalartig gefeiert und der Antisemiten gespottet.

Die Bücher der Makkabäer (Makkaba = „Hammer“)

Unter den Seleukiden im 2. Jh. v. Chr. tritt eine umfassende Hellenisierung Palästinas ein. Dagegen erhebt sich der Aufstand des Mattatias und seiner Söhne (1 Makk 2). Das zweite Buch der Makkabäer schildert parallel zum ersten den Kampf des Judas Makkabäus („Hammer“) gegen die Einführung griechischer Sitten, den Anschlag auf den Tempel und dessen Wieder-Einweihung (164 v. Chr.). Sie bildet die Grundlage für das im Judentum bis heute gefeierte Chanukka-Fest. Das Martyrium der sieben Brüder (2 Makk 7) enthält grundlegende Gedanken zur Frage des Lebens nach dem Tod.

Das Buch Ijob („Wo ist dein Vater“?)

Das Buch Ijob, eines der Hauptwerke der Weltliteratur, ist nach seiner zentralen Gestalt benannt, da sein Verfasser unbekannt blieb. Der Hauptteil besteht in einer Auseinandersetzung mit dem im alten Israel verbreiteten Vergeltungsglauben, nach welchem es dem guten Menschen in seinem Leben gut, dem Sünder aber schlecht ergeht. Ijob jedoch muss als tadelloser Mensch leiden. Er hadert mit Gott, hält ihm aber die Treue. Das Buch zeigt einen Menschen im Leid, der sich ganz und gar der unbegreiflichen Größe Gottes anvertraut. Das Leid bleibt ein ungelöstes Rätsel. Aber durch das Leid fordert Gott neu zur Glaubensentscheidung heraus.

Das Buch der Psalmen („Lieder“)

Die 150 Gebete sind zwischen dem 8. u. 2. Jh. v. Chr. entstanden. Alle Lebensbereiche kommen zur Sprache: Tempelgottesdienst, Geschichte Israels, Not und Hoffnung einzelner Menschen, Dank für die Schöpfung, Jubel und Krankheit, Tod und Aufleben. Der Psalter kann als Antwort Israels auf seine Geschichte mit Gott verstanden werden. Es gehört im Neuen Testament zu den am meisten zitierten Büchern und dient Juden und Christen bis heute als Lehrbuch des Gebets.

Das Buch der Sprichwörter

Sprichwörter sind bei allen Völkern sehr verbreitet und nehmen besonders in den Literaturen des Alten Orients eine bedeutende Stelle ein. Die Weisheitsliteratur vermittelt Lebensregeln, die teils bis heute als Redewendungen in Gebrauch sind.

Das Buch Kohelet („Versammlung“)

Die gebildete Oberschicht im 3. Jh. v. Chr. von Judäa war wohlhabend und weltoffen. Man versuchte, die Tradition Israels mit der die Welt beherrschenden griechischen Bildung und Lebensform zu einer neuen Einheit zu verschmelzen. Im modernen Denken wird man mit dem Buch Kohelet vor allem die Existenzphilosophie vergleichen können. Doch ist im Buch Kohelet bei aller Neigung zur Erfahrungsweisheit und zur kritischen Auseinandersetzung mit gängigen Meinungen zugleich eine radikale Bindung der Welt an Gott vorausgesetzt.

Das Hohelied

Diese Sammlung etwas 30 wunderschöner Liebeslieder und ‑gedichte entstand erst nach der Rückkehr der Israeliten aus dem Exil in Babylon (538 v. Chr.) Zeit, obwohl die mündliche Überlieferung sicher viel älter ist. Die Liebe zwischen Frau und Mann kann als einfühlsame Allegorie für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk gedeutet werden, ähnlich wie Hosea Gott als den Liebhaber schildert, der seiner Geliebten, dem untreuen Volk Israel immer wieder nachläuft.

Das Buch der Weisheit

Das jüngste Buch des Alten Testaments (80-30 v. Chr.) entstand im ägyptischen Alexandria. Es versucht die dort lebenden Juden davor warnen, sich der griechischen Oberschicht und ihrer Lebensweise zuzuwenden um Wohlstand zu erlangen. Besser sei es, Nachteile in Kauf zu nehmen, aber dem Glauben Israels treu zu bleiben. Der Verfasser wendet sich tröstend und mahnend an seine verfolgten Glaubensgenossen, aber auch drohend und warnend an ihre Verfolger, die abgefallenen Juden, und werbend an seine heidnische Umwelt, indem er die Offenbarungsreligion als Gabe der Weisheit darstellt.

Das Buch Jesus Sirach

Der Verfasser dieses Buches, „Jesus, der Sohn Sirach", war zu Beginn des 2. Jh. v Chr. in Jerusalem als Weisheitslehrer tätig. Sein Enkel gab 50 Jahre später (um 132 v. Chr.) die gesammelten Worte heraus. Er stellt die Leser vor eine Entscheidung: Hellenistische Lebensweise und (äußererer Reichtum) oder israelitische Weisheit, Armut aber wahrer Reichtum. Er folgt damit der Tendenz des Buches der Weisheit, bietet darüber hinaus aber auch schon Argumente für den politischen Widerstand im Sinn der Makkabäer.

Die Bücher der Propheten

Die biblischen Propheten sind keine „Vorhersager“. Sie halten ihren Zeitgenossen einen Spiegel vor, entlarven Scheinheiligkeit und Gottlosigkeit und rufen zur Umkehr. Solange Israel als Staat mächtig und wohlhabend war, predigten die Propheten das kommende Gericht. Erst als die Macht verschwunden war (nach dem Exil) fangen Propheten an, das Volk zu trösten. Hoffnung geht in der Prophetie stets einher mit Machtlosigkeit und Gottvertrauen.

Der Prophet Jesaja („der Herr rettet“)

Das Buch stammt aus drei umwälzenden Epochen Israels:

Der Prophet Jesaja aus Jerusalem (etwa 740‑701 v Chr.) rief die Menschen auf zum Glauben und Vertrauen gegenüber dem heiligen und erhabenen Gott, der die Weltgeschichte und besonders die Geschicke seines Volkes lenkt. Glaube bedeutet auch Treue zur Tora im praktischen Leben: Ausbeutung der Armen und selbstherrliche politische Pläne verursachen Gewalt und führen zum Untergang.  Das Vertrauen auf die schützende Hand Gottes macht Krieg und Angst überflüssig und führt zum Weltfrieden (Jes 2). Zahlreiche Weihnachtstexte stammen aus dem „ersten Jesaja“.

Der zweite Teil des Buches (Kap 40-55) wendet sich an Israeliten im babylonischen Exil. Der Prophet verkündet die nahende Rettung durch Gott. Die so genannten „Gottesknechtslieder“ (Jes 42;49;50) wurden im Christentum als Vision des Lebens Jesu gedeutet.

Der dritte Teil des Jesajabuches (Kap. 56-66) mahnt das aus dem Exil heimgekehrte Gottesvolk, nun wahren Glauben und Gerechtigkeit zu leben. Es schildert Gott als Vater und Mutter (Jes 65). Mit dem Blick auf den neuen Himmel und die neue Erde (Kap. 66) schließt das Buch. Viele Motive aus Jesaja finden sich später in der Offenbarung des Johannes.

Das Buch Jeremia („der Herr erhöht“)

In den zwei Jahrzehnten vor der Zerstörung Jerusalems  (586 v. Chr.) trat ein scharfer Kritiker auf, der mit Worten und provozierenden Handlungen (27,2) den Königen ihre soziale Bosheit und politische Kurzsichtigkeit vorwarf. Er kritisiert Götzenverehrung und Treulosigkeit gegenüber dem Gott Israels. Klar zeichnet sich für ihn der nahe Untergang ab, dem dann später ein von Gott ermöglichter Neuanfang folgen wird. Im Jeremiabuch wird spürbar, wie es solch unbequemen Propheten damals erging: Einige wurden ermordet, Jeremia landet als Gefangener in einer Zisterne.

Die Klagelieder

Die Klagelieder dürften in Juda bald nach dem Untergang des Südreichs und der Zerstörung des Tempels (586 v Chr.) entstanden sein. In packenden Bildern schildern sie den übergroßen Schmerz Jerusalems und seiner Einwohner über die Katastrophe des Jahres 586 v Chr. Dabei ist das Buch getragen von einem unbesiegbaren Vertrauen auf Gott. Es will Reue und Umkehr bei denen wecken, die den Untergang der Stadt und des Tempels erlebt haben. Da Bedeutung und Vorrechte des alttestamentlichen Tempels im Neuen Testament auf Christus übertragen werden (vgl. Joh 2,19), wendet die Kirche in der Liturgie der Karwoche die Klagelieder auf das Leiden und Sterben Christi hin.

Das Buch Baruch („Gesegnet“)

Um 100 v. Chr. entstand dieses fiktive Antwortschreiben der im Exil lebenden Juden an den Propheten Jeremia. Es versteht sich als Antwort auf den in Jer 29 erwähnten Brief Jeremias an die Vertriebenen. Bar 6 enthält dann wiederum einen fiktiven Antwortbrief Jeremias nach Babylon. Das Buch ermutigt zu rechtem israelitischem Glauben und zu richtigem Gottesdienst, lobt die Weisheit und tröstet Verfolgte.

Das Buch Ezechiel („Gott stärkt“)

Zusammen mit König Jojachin und vielen aus seinem Volk wurde Ezechiel, der einer priesterlichen Familie entstammte, 597 v Chr. von Nebukadnezar in die Verbannung nach Babylonien geführt. Dort wurde er von Gott zum Propheten berufen. Er musste zunächst den Verschleppten die falsche Hoffnung nehmen, dass sie bald wieder nach Jerusalem zurückkehren könnten. Dazu rief er Gottes Gericht über die Stadt und den Tempel aus. Nachdem Jerusalem zerstört war (586 v Chr.), kündigte er Gottes rettendes Eingreifen an und stellte in einer gewaltigen Vision die Wiederherstellung des Volkes um den neu erbauten Tempel in Aussicht (Ez 40-48).

Das Buch Daniel („Gott richtet“)

Wie alle  apokalytischen Schriften (Apokalypsis = Enthüllung) versteht sich Daniel als Trostschrift für glaubende Menschen in Bedrängnis. In diesem Fall sind es Juden, die sich um 165, am Höhepunkt der Makkabäerkriege gegen die religiöse und moralische Überfremdung durch die Griechen behaupten müssen. Als Vorbild wird ihnen der fromme israelitische Weise Daniel vor Augen gestellt, der am Königshof in Babylon lebt. Seine Visionen (Kap. 7-12) von der Endzeit zeigen, wie dem Treiben gottloser Herrscher ein Ende gesetzt, das Reich des Menschensohns (ein gottgemäßer Herrscher) aufgerichtet und die Toten auferweckt werden.

Das Zwölfprophetenbuch (12 kleinere Propheten)

Der Prophet Hosea („Gotthelf”)

Hosea wirkte ‑ als Angehöriger der Nordstämme ‑ zwischen 750 und 722 v. Chr. im Nordreich Israel. Die gleich zu Beginn erzählte Ehe des Propheten mit einer Hure eröffnet das Thema: Israels Untreue. Hosea schildert Gott als verzweifelten Liebhaber, der mit Strafen und doch voller Liebe um sein Volk wirbt.

Das Buch Joel („der Herr ist Gott“)

Die beiden ersten Kapitel spiegeln eine Bußfeier wider, die durch eine gewaltige Heuschreckenplage und eine Dürre veranlasst ist, während die Kapitel 3 und 4 vom zukünftigen Heil Israels handeln. Die Klammer zwischen beiden Teilen bildet die Vision vom „Tag des Herrn“, der als Freudentag nach den Katastrophen kommt. Joels Versprechen „Gott wird seinen Geist ausgießen“ wurde von den frühen Christen als Hinweis auf Pfingsten (Apg 2) verstanden.

Der Prophet Amos („[Gott] hat sich als stark erwiesen“)

Amos, ein Viehzüchter und Maulbeerfeigenpflanzer, wurde nach 760 v Chr. aus der Nähe von Bethlehem in das Nordreich Israel gesandt. Er ist der älteste Prophet, von dem wir aus einem eigenen Buch wissen. Seine Hauptanklage richtet sich gegen die des Got­tesvolkes unwürdigen Zustände im Staat, in der Verwaltung, im Gerichtswesen und in der Wirtschaft. Weil die oberen Schichten die Menschen niederer Herkunft und ungesicherter sozialer Lage zu bloßen Objekten ihres Erwerbs‑, Macht‑ und Genusstriebs her­abwürdigen, muss Amos das Todesurteil Gottes für das Reich Israel verkünden.

Der Prophet Obadja („Knecht des Herrn“)

Das Büchlein Obadja ist die kleinste Prophetenschrift des Alten Testaments. Es umfasst nur 21 Verse ‑ Sprüche gegen Edom, einen südöstlichen Nachbarn Judas. Denn obgleich die Edomiter mit den Judäern verwandt waren (Vgl. Gen  36), hatten sie diese in ihrem Kampf gegen die Babylonier nicht unterstützt (Obd 10‑12). Im Gegenteil, sie hatten die Schwäche Judas ausgenützt und versucht, Teile des judäischen Gebiets zu erobern.

Der Prophet Jona („Taube“)

Das nach einem unter Jerobeam II. lebenden Propheten benannte Büchlein enthält keine Prophetensprüche, sondern eine Lehrerzählung aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Es ist die Geschichte von der Flucht eines Mannes vor der Barmherzigkeit Gottes und von der liebevollen Hinwendung des stets größeren Gottes zu dem mit sich selber beschäftigten Frommen. Der Spiegel, den das Büchlein Jona einem engen, restaurativen, heilsegoistischen Denken vorhält, ist zeitlos gültig.

Das Buch Micha („Wer ist wie [Gott]?“)

Der Prophet Micha hat seine Tätigkeit vor dem Untergang Samarias im Jahr 722 v Chr. begonnen. Er klagt die Oberschicht von Jerusalem und Juda wegen Rechtsbruch und Besitzgier an. Den Propheten und Priestern wirft er Bestechlichkeit vor. Das unabwendbare Gericht Gottes wird selbst den Tempel nicht verschonen. Aus der Kritik am Jerusalemer Königtum ist die Erwartung eines neuen „David aus Bethlehem“ (5,1‑4) zu begreifen, die im Neuen Testament in Mt 2,6 (vgl. Joh 7,42) als in Jesus erfüllt verkündigt wird. Mi 6,8 fasst prägnant zusammen, wie ein gutes Leben: „Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott“.

Der Prophet Nahum („Tröster“)

wirkte im Königreich Juda, als das Ende der assyrischen Herrschaft unmittelbar bevorstand (ca. 626‑622 v. Chr.).  Seine Botschaft lautet: Tyrannei wird niemals Zukunft haben. Die Zerstörer Israels gehen selbst zugrunde.

Das Buch Habakuk („Gartengewächs“)

In der Tradition Jesajas predigt Habakuk unmittelbar vor der Zerstörung Jerusalems (um 600 v. Chr.): Nur wer glaubt, wird gerettet.  Der Prophet klagt aber auch und fragt Gott, wie die Fremdherrschaft über Israel seinem Willen entsprechen könne. Am Schluss steht eine Vision vom jüngsten Gericht. Sie ist in ein Gebet gekleidet.

Der Prophet Zefanja („der Herr hat geborgen“)

ist einer Zeitgenossen Nahums in der 2. Hälfte des 7. Jh. v. Chr.  Er spricht vom „Tag des Zorns“ (dies irae) für Israel und alle Völker, verheißt ihnen dann aber auch eine Heilszeit.

Der Prophet Haggai („am Festtag geboren“)

Einziges Thema des Buches Haggai ist der Wiederaufbau des Tempels. Weil man nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil, nur für das eigene Haus, nicht aber für das in Trümmern liegende Haus Gottes sorgte, so der Prophet, herrscht Dürre und Hungersnot. Ein neuer Tempel, von reinen Händen erbaut, wird, auch wenn er den alten an äußerem Glanz nicht erreicht, Segen bringen und zugleich Unterpfand für die kommende messianische Zeit sein.

Der Prophet Sacharia („der Herr hat sich erinnert“)

Der erste Teil des Buches (Kap. 1-8) stammt aus den Jahren 520-518 v. Chr. In acht Visionen wird die endgültige Überwindung der Unterdrückung und die Neuerrichtung des Tempels geschildert.

Der zweite Teil (Kap. 9-12) stammt aus der Zeit  nach 333 (Alexanders Sieg) und nimmt Bezug auf die Abtrennung der Samaritaner mit einem eigenen Heiligtum. Im 3 Abschnitt (Kap. 12-14) beschreibt ein Seher den Endkapmf der Völker um Jerusalem. Doch nach schweren Verlusten wird die Stadt von allem Verkehrten gereinigt und Gott selbst wird von ihr aus über alle Völker herrschen.

Der Prophet Maleachi („Mein Bote“)

Die drei Kapitel mit seinen Worten schließen die Bücher des „Ersten Bundes“ ab. Bisher ist nicht sicher ob sie im 5. Jh. oder erst um 300 aufgeschrieben wurden. Sein Aufruf zu rechtem Gottesdienst und zur Wahrung des Rechtes mündet ein in die Ankündigung des Endgerichtes Gottes. Als trostspendender Übergang zum Evangelium Jesu wirken die letzten Verse des Propheten: Er verheißt das Kommen eines  Elija, der Umkehr, Versöhnung und Rettung bewirken wird. Die wenige Seiten weiter beschriebene Predigt Johannes des Täufers führt das Anliegen Maleachis fort: Rettung vor dem Gericht durch völliges Umdenken.

 

Das Neue Testament

27 griechische Schriften widmen sich dem Wirken Jesu Christi und seiner Bedeutung für die Glaubenden. Die vier Evangelien erzählen mit unterschiedlichen Akzenten von den 2 Jahren der öffentlichen Wirksamkeit Jesu. Die Apostelgeschichte beschreibt den Fortgang der „Sache Jesu“ ins Christentum hinein. 21 Briefe von Paulus und anderen christlichen Missionaren und Gemeindeleitern waren vor 2000 Jahren eine Hilfestellung für Menschen beim Versuch als Christen glaubwürdig zu leben. Vieles darin blieb zeitlos gültig. Am Schluss der Bibel steht die Offenbarung mit ihrem gewaltigen Ausblick auf den Sieg des Guten über alles Böse
Das Buch Genesis (1. Mose, „Entstehung“)

Das erste Buch der Bibel erzählt von der Entstehung der Welt, der Menschheit in ihrer Vielfalt und der Geburt des Volkes Israel. Die ersten Kapitel, die sog. „Urgeschichte“ verstehen sich nicht als naturwissenschaftlicher oder historischer Bericht, sondern als Glaubensaussage über das Wesen der Welt und des Menschen und über deren Beziehungen zu Gott. Die Geschichte der Mütter und Väter Israels begründet die große Hoffnung Israels, von Gott selbst geführt zu werden. Das Buch schließt mit der Auswanderung der Vorfahren Israels nach Ägypten.

 

Die vier Evangelien

Matthäus

Um das Jahr 80 n. Chr. schrieb ein griechischsprachiger Judenchristen dieses Werk. Matthäus versucht, seinen vom Judentum aus der Synagoge gebannten Glaubensgefährten Mut zuzusprechen und ihnen gute Gründe für das Festhalten am Bekenntnis zu Jesus Christus zu geben. Durch Schriftzitate aus dem alten Testament weist er nach, dass Jesus von Nazareth tatsächlich der verheißene Messias ist. Passion und der Tod Jesu widersprechen diesem Glauben nicht. Gerade als der leidende Gottesknecht erfüllt Jesus seine Sendung (20,28). Matthäus betont die Bedeutung der Tora. Dies ist aber kein Plädoyer für blinden Gesetzesgehorsam, sondern Ausdruck der Überzeugung, dass Jesus den Schlüssel zur richtigen Auslegung des Gesetzes gebracht hat.

Markus

Die „gute Nachricht“ des Markus entstand in Rom als erstes Evangelium um das Jahr 70 nach Christus. Es war eine Zeit der Bedrängnis für Juden und Christen: In Rom war kurz zuvor der Apostel Petrus grausam hingerichtet worden. In Palästina führten die Römer einen unbarmherzigen Vernichtungskrieg gegen die Juden. Markus zeichnet das Leben Jesu als einen Weg von Galiläa nach Jerusalem, zum Kreuz. Die Leidensgeschichte ist Höhepunkt und Mitte des Markusevangeliums. Was die Dämonen bereits in Kafarnaum ausposaunten (Markus 1,24), was in der Taufe Jesu (1,11), am Berg Tabor (9,7) und in den Wundererzählungen angedeutet wurde, das verdichtet sich im Bekenntnis des römischen Hauptmanns zur Glaubensgewißheit; »Wahrhaft dieser Mensch war Gottes Sohn!« (15,39) Markus will Menschen gewinnen, die am Kreuz zu verstehen beginnen.

Lukas

Um das Jahr 80 n. Chr. begann der gebildete Historiker Lukas, ein Begleiter des Paulus (Phlm 24; Kol 4, 14), einen „Bericht über all das abzufassen, was sich bei uns ereignet hat“. (Lk 1,1). Es geht ihm um die „Zuverlässigkeit der Lehre“ und die Gewissheit des Glaubens. Mit hoher Einfühlsamkeit für Arme und Benachteiligte schildert der „Evangelist der Zärtlichkeit Gottes“ beginnend mit den ersten Schritten des Messias in der sogenannten Vorgeschichte (Kap 1-2) seiner heidenchristlichen Gemeinde den von Gottes Heilsplan vorgezeichneten Weg Jesu. Jerusalem, Inbegriff der israelitischen Verheißung wird für Lukas auch zum Zentrum christlicher Verkündigung. Die „Wege der Völker“ (alter Bund) finden ihre Orientierung und Verdichtung im „Weg Jesu“, der wiederum den „Weg der Kirche“ eröffnet. Einen Meilenstein dieses unaufhaltsamen Heilsweges Gottes durch die Geschichte setzte Lukas mit der Programmrede Jesu in Nazaret (Lk 4, I4‑4I). Das Heil Gottes setzt sich durch, auch gegen den Widerstand von Menschen.

Johannes

Gegen Ende des ersten Jahrhunderts entstand irgendwo südlich von Damaskus das vierte Evangelium. Eine Gruppe von Christen mehrerer Gemeinden hat dieses Werk geschaffen. Hintergrund war eine Auseinandersetzung. Die christlichen Gemeinden in diesem Gebiet mussten sich gegen scharfe Anfragen der ebenfalls dort wohnhaften Juden verteidigen. Inmitten dieses Konfliktes stand die  Frage nach der Vollmacht Jesu. So stellt das Johannesevangelium in sieben Bildreden und sieben „Zeichen" die ausschließliche Autorität des Messias Jesus Christus dar. Glanzpunkt der Offenbarung des Messias ist paradoxerweise gerade die Passion. In diesem Evangelium begegnet uns kein vom Leid gequälter Jesus, so wie bei Markus. Der Gekreuzigte ist der Erhöhte, zu dem alle aufschauen. Auch das Weltbild des Johannesevangeliums unterscheidet sich wesentlich von den anderen Evangelien: Dem „Reich des Vaters" steht die vom Satan bedrohte „Welt" gegenüber. Die rettende Verbindung zwischen beiden stellt der vom Vater Gesandte, Jesus Christus her. Allerdings kann der einzelne Christ nur sehr begrenzt von dieser Kraft Gebrauch machen. In vollem Umfang kommt sie erst zur Entfaltung, wenn die Christen eins sind.

Die Apostelgeschichte

Als Fortsetzung seines Evangeliums verfasste Lukas das Werk „die Taten der Apostel“. Vor allem am Beispiel der Verkündigung des Petrus und Paulus schildert er den vom Geist Gottes bewirkten Siegeszug des Evangeliums „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1, 8). Ziel ist die Sammlung Israels aus Menschen der ganzen Welt.

Der Brief an die Römer

Der Heidenmissionar Paulus schreibt an die römische Gemeinde um 56 n. Chr. Der Brief ist das früheste Zeugnis für die Existenz der christlichen Gemeinde in Rom. Er ist darüber hinaus eine Art Visitenkarte des Paulus. Mit seinem Brief will er sich und seine Sichtweise des Evangeliums Jesu Christi vorstellen. Es ist im besten Sinne ökumenische Theologie. Denn Paulus beschreibt das weltweite, religions‑ und konfessionsübergreifende Heilsangebot Gottes (Röm 9-11). Aufschlussreich ist die Grußliste am Schluss des Briefes.

Der 1. Brief an die Korinther

Der wohl um 55 n. Chr. in Ephesus geschriebene Paulusbrief ist ein Antwortbrief an die um 50 gegründeten Großstadtgemeinde Korinth.

Der Zerrissenheit in Korinth stellt Paulus die in Jesus Christus gegründete Einheit der Gemeinde gegenüber. Die Freiheit eines Christen vollzieht sich nicht in maßloser Selbstdarstellung, sondern beschränkt und entfaltet sich in Beziehung zum Mitchristen und zur Gemeinde. Vor diesem Horizont sollen die Fähigkeiten des einzelnen Menschen dem Gemeindeaufbau dienen. 1 Kor 15,3-5 enthält das älteste Glaubensbekenntnis der Christenheit.

Der 2. Brief an die Korinther   (1)

Seit der Abfassung des 1. Korintherbriefes untergruben Gegner des Paulus dessen Autorität innerhalb der Gemeinde; nach einer zwischenzeitlichen Entzweiung wurde eine Wiederversöhnung mit der Gemeinde eingeleitet. Der 2. Korintherbrief behandelt im wesentlichen drei Themen: das Apostelamt des Paulus (Kap. 1-7), ein Aufruf an die Gemeinde, sich an der Kollekte für die Armen in Jerusalem zu beteiligen (Kap. 8-9) sowie die Auseinandersetzung mit den Gegnern des Apostels (Kap. 10-13).

Der Brief an die Galater

Paulus wendet sich in diesem Brief an die von ihm in Galatien gegründeten Gemeinden, die einige Jahre nach seiner missionarischen Tätigkeit von Irrlehrern aufgesucht und beeinflusst wurden. Die Irrlehrer vertraten eine Lehre, die aus jüdischer, christlicher und heidnischer Tradition zusammengesetzt ist, verstehen sich selbst aber als Judenchristen und verlangen von ehemaligen Heiden, dass sie sich ebenfalls beschneiden lassen und das alttestamentliche Gesetz als zum Heil notwendig anerkennen. Darin sieht Paulus eine Verfälschung und Bedrohung des Evangeliums von der reinen Gnade Gottes.

Der Brief an die Epheser

Dieser Rundbrief an mehrere Gemeinden stammt nicht von Paulus selbst. Im ersten Teil wird die weltweite Kirche mit ihrem Haupt Christus dargestellt. Daran schließen sich sittliche Forderungen an. Vor allem gilt es, die Einheit zu wahren und alle Dienste in der Kirche zu aktivieren. Als Getaufte haben die Christen den alten, der Sünde verfallenen Menschen zu überwinden und ein neues Leben zu verwirklichen, das durch Christus erleuchtet ist und sich vor allem in Ehe und Familie auswirken muss.

Der Brief an die Philipper

Paulus gründete um das Jahr 50 auf seiner zweiten Missionsreise die erste christliche Gemeinde Europas in Philippi. Die Gemeinde wuchs ihm besonders ans Herz. Den Brief an die Philipper schrieb Paulus im Gefängnis (vermutlich in Ephesus), um die Christen in dort von seinem Schicksal zu benachrichtigen. Auch das Eindringen von Irrlehren bewog Paulus zur Abfassung seines Schreibens. Der besondere Wert des Briefes liegt darin, dass er Einblick verschafft in das persönliche Denken des Menschen und Christen Paulus.

Der Kolosserbrief

Kolossä war eine Stadt im westlichen Teil Kleinasiens (Phrygien). In diesem Gebiet missionierte nicht Paulus, sondern in seinem Auftrag Epaphras, der im Brief lobend erwähnt wird. Den Anlass des Schreibens bildete eine in die Gemeinde eingedrungene Irrlehre, die aus einer merkwürdigen Verbindung von Schicksalsglauben und Sternenkult bestand. Durch den Brief soll die Gemeinde zu der durch Epaphras vermittelten apostolischen Lehre zurückgeführt werden. Für den Glauben der Kirche gewann der Brief Bedeutung wegen seiner Aussage über Christus, die in einem Lied zusammengefasst ist.

Die Briefe an die Thessalonicher

Die seelsorgerlichen Schreiben sind ganz zu Beginn der Wirksamkeit des Paulus (um 50 n. Chr.) entstanden. Themen sind die Missionspredigt vor Heiden über das Wort Gottes,  die Heiligung des Lebens, die Frage der Auferstehung Verstorbener und die Erwartung der Wiederkunft Christi. Angesichts der sich verzögernden Wiederkunft Christi fordert Paulus dazu auf, im Glauben nicht nachzulassen. Außerdem  warnt  er vor schwärmerischer Endzeiterwartung.

Die beiden Briefe an Timotheus

Timotheus war Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter. Seit etwa 50 n. Chr. arbeitete er mit Paulus zusammen. Auch während der in Phil 2,19‑22 erwähnten Gefangenschaft war er bei ihm. Nach 1 Tim 1,3 ist er der Beauftragte des Apostels für die Kirche von Ephesus. In den Timotheusbriefen erhält er Richtlinien für die Ausübung des kirchlichen Amtes. Auch wenn die Briefe vermutlich nicht von Paulus selbst geschrieben wurden, enthalten sie doch zuverlässige mündliche Nachrichten aus der Spätzeit des Apostels.

Der Brief an Titus

Titus gehörte neben Timotheus zu den engsten Mitarbeitern des Apostels Paulus, wie vor allem der Galater‑ und der 2. Korintherbrief zeigen. Nach Tit 1,5 übertrug ihm Paulus die Verantwortung für die Kirche von Kreta. Inhaltlich geht es um die persönliche Eignung von Kirchenvorstehern, um den Gehorsam gegenüber der staatlichen Gewalt und um die Abwehr einer Irrlehre, die Spekulationen bezüglich der Entstehung der Welt anstellte.

Der Philemonbrief

Der einzige Privatbrief des Paulus gibt einen Einblick in das ganz persönliche Verständnis des Apostels vom Christentum. Er schreibt an den wohlhabenden Christen Philemon, da von diesem ein Sklave (ebenfalls) Christ, weggelaufen war. Überbringer des Schreibens ist der Sklave selbst. Hier verändert Religion soziale Strukturen: Aus dem Sklaven wird ein Bruder.

Der Brief an die Hebräer

Der Hebräerbrief ermahnt Christen in der Zeit der Verfolgung, weil sie in Gefahr sind, vom Glauben abzufallen. Ihnen zeigt der Brief, dass alle Großen des Volkes Gottes und schließlich auch Jesus für ihre Überzeugung auch zu leiden hatten und dass sich erst im Leiden die Kraft des Glaubens und der Hoffnung bewährt. Im Mittelpunkt steht die Aussage über Jesus als den allein würdigen Hohenpriester, der durch sein Leiden alle erlöst hat (Kap. 7).

Der Brief des Jakobus

Der Jakobusbrief ist trotz seines briefartigen Anfangs kein eigentlicher Brief. Die einzelnen Abschnitte sind nur lose miteinander verbunden. „Roter Faden“ ist der Glaube an Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, den kommenden Richter. Der nicht näher bekannte Verfasser aus der 2. Hälfte des ersten Jahrhunderts beschreibt den Glaube als eine Gabe Gottes. Er wird genährt vom Hören auf das Wort und macht den Menschen zum wahren Gottesdienst fähig: zur tätigen Liebe gegenüber den Armen.

Der erste Petrusbrief

Adressaten des Briefes sind Gemeinden im nördlichen und westlichen Kleinasien. Diese Heidenchristen leben in den römischen Provinzen „in der Zerstreuung“. Thema des Briefes ist  das Christsein in einer nichtchristlichen Umgebung. Angesichts einer allgemein feindselig eingestellten Umwelt will der Verfasser auf die Adressaten einwirken, nicht zu resignieren. Die unterschiedliche Einstellung und Lebenspraxis der Christen wird im Brief theologisch begründet: Sie gründet im Glauben daran, dass in Jesus Christus den Menschen alles Heil und alle Hoffnung geschenkt wurden, die zur Gestaltung einer besseren Welt nötig sind.

Der zweite Petrusbrief

Er versteht sich als Vermächtnis eines Jüngers, der Augenzeuge der Verklärung Jesu war. Der Verfasser weiß darum, dass seine Gemeinde Schwierigkeiten mit der Erwartung der Wiederkunft Christi hat. Er stärkt die christliche Zukunftshoffnung, grenzt sich von Irrlehrern ab und betont, dass der Gemeinde in Prophetie und Schriftauslegung Gottes Geist begegnet.

Der erste Johannesbrief

Er wendet sich an einen örtlich begrenzten Kreis christlicher Gemeinden und ist wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts abgefasst. Sein Verfasser rechnet sich zu einer Gruppe christlicher Lehrer, die im Kampf gegen Irrlehrer das „von Anfang an" Verkündigte einschärfen wollen und die wohl auch für die letzte Überarbeitung des Johannesevangeliums verantwortlich sind. Klar umreißt der Brief, wer sich „Christ“ nennen darf: 1. Wer daran glaubt, dass Jesus als Gottes Sohn wirklich Mensch wurde, starb und auferweckt wurde, 2. Wer die „Brüder“ (anderen Christen) liebt.

Der zweite und dritte Johannesbrief

Der zweite Johannesbrief zeigt, wie sich die Kirche um 100 n. Chr. gegen umherziehende Irrlehrer verteidigt. Obwohl das Liebesgebot stark betont ist, wird eine scharfe Trennungslinie zu den „Verführern" bezogen.

Der dritte Johannesbrief ist wertvoll für die Kenntnis damaliger Gemeindeverhältnisse: Es gibt noch keine feste kirchliche Verfassung, aber lebendige Gemeindezellen, Wandermissionare, und den Einfluß eines über die Ortsgemeinden hinaus wirkenden Mannes.

Der Brief des Judas

Der Absender  »Judas« versteht sich als »Bruder des Herrn« (Matth. 13, 55). Er will vor Irrlehren warnen, die den Glauben gefährden und die Gemeinde spalten. Den falschen Lehrern wird Gottlosigkeit, ausschweifendes Leben, Leugnung der Herrschaft Christi und Missachtung der Engel vorgeworfen. Judas droht mit dem Gericht Gottes. Er verweist auf warnende Beispiele im AT und beruft sich auch auf außerbiblische jüdische Überlieferungen (z.B. auf die »Himmelfahrt des Mose«). Die treu gebliebenen Christen ermutigt Judas, festzuhalten am Glauben und am Gebet, der Liebe und an der Hoffnung. Außerdem bittet er darum, Brüder aufzunehmen, die in Gefahr sind.

Die Offenbarung des Johannes

Die Offenbarung des Johannes ‑, das letzte Buch der Bibel heißt „Offenbarung" oder „Apokalypse" (griechisch: „Enthüllung"). Es will nicht den Gang der Geschichte voraussagen oder gar Endzeitereignisse genau beschreiben. Als Trostbuch für verfolgte Christen deckt es hinter der oft übermächtigen Bosheit der Welt das viel entscheidendere Wirken Gottes auf, das immer schon stärker war als alle menschliche und dämonische Macht und das am Ende siegen wird. Die entscheidende Wende wird in Kap. 12 deutlich: Gott und alle, die ihm vertrauen, haben bereits gewonnen. Aber sie müssen noch bis zum Ende aushalten. Mit seinen vielen Bildern will dieses Buch Kräfte der Hoffnung und des Widerstandes in den Glaubenden wecken. Die Zahlen dieses Buches sind durchwegs als Symbole im Dienst der Verkündigung und nicht real zu verstehen (z.B. 144000= 12 [Stämme] * 12 [die ganze Welt] * 1000 [Ewigkeit]).

 

 

Kirchliche Dokumente zur Bibel

Hier können Sie wichtige kirchliche Dokumente zur Bibel herunterladen:

Die Konstitution „Dei Verbum (Über die göttliche Offenbarung)“ des II. Vatikanischen Konzils (1965)

Das Dokument der Päpstlichen Bibelkommission „Die Interpretation der Bibel in der Kirche“ (1993)

Die Botschaft der Bischöfe an das Volk Gottes zum Abschluss der Bischofssynode in Rom 2008: "Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche" (2008)
mit einer Einführung von Dr. Egbert Ballhorn

Das nachsynodale Schreiben des Papstes Benedikt XVI. "Verbum Domini" bezieht sich auf die XII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Jahre 2008. Das Dokument handelt über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche.

Das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium (die Freude am Evangelium) bringt u. a. aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen und die christliche Stellungnahme dazu auf den Punkt.

In unserer Zeitschrift "Bibel und Kirche" haben wir im Jahr 2005 anlässlich des 40jährigen Jubliäums von Dei Verbum eine Artikelserie zu diesem wichtigen Dokument veröffentlicht. Hier zum Download.

 

Hilfreiches und Spannendes zur neuen Einheitsübersetzung